VonCarl-Christian Eickschließen
Balkonkraftwerke werden immer beliebter. Die Stadt Wolfratshausen will sie fördern - jetzt sind aber schon alle Zuschüsse für dieses Jahr vergriffen.
Wolfratshausen – Seit 1. Oktober vergangenen Jahres fördert die Flößerstadt die Anschaffung von sogenannten Balkonkraftwerken (wir berichteten). Keine sechs Monate später stellt Vivian Horngacher, städtische Umwelt- und Klimaschutzmanagerin im Wolfratshauser Rathaus, einen „großen Zuspruch“ fest. Der Stadtrat müsse zeitnah entscheiden, ob er im Haushalt für 2023 weiteres Geld für die Förderung dieser Anlagen bereitstellt.
Nachhaltige Energie: Großer Ansturm auf Fördergelder - Der Topf für dieses Jahr ist schon leer
Ob Balkonkraftwerke zulässig sind, das ist im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen von Stadt zu Stadt, von Gemeinde zu Gemeinde, unterschiedlich geregelt. In einigen Kommunen widerspricht die Installation der Ortsgestaltungssatzung. In Wolfratshausen ist das kein Thema. Mit dem Förderprogramm will die Kommune einen „Impuls für die Energiewende“ setzen, so Bürgermeister Klaus Heilinglechner. Das Angebot, den Kauf von Steckersolargeräten zu bezuschussen, richtet sich an Haus- und Wohnungseigentümer sowie Mieter.
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Klimanotstand in Wolfratshausen: Förderung für Privatleute soll grüne Energie unterstützen
„Die Stadt Wolfratshausen hat 2019 den Klimanotstand ausgerufen und setzt mit dem Förderprogramm einen Anreiz für Bürgerinnen und Bürger, in den Ausbau erneuerbarer Energien zu investieren“, sagten Heilinglechner und Horngacher kurz vor dem Startschuss am 1. Oktober. Die beiden gingen seinerzeit davon aus, dass das Angebot gut angenommen wird – und hatten recht: „Mit Inkrafttreten der Förderrichtlinie konnten im vergangenen Jahr zwölf Steckersolargeräte durch die Stadt gefördert werden“, bilanziert die Klima- und Umweltschutzmanagerin. Und: Sechs Zuschussanträge liegen nach Worten Horngachers aktuell noch im Rathaus. Über die könne erst final entschieden werden, wenn der Stadtrat den Haushalt fürs laufende Jahr festgezurrt hat. Horngacher: „Entscheidet sich der Stadtrat für die Aufrechterhaltung des Förderprogramm, können sich Wolfratshauser Bürgerinnen und Bürger auch in 2023 weiter um Förderungen durch die Stadt bewerben.“
Energiepreise explodieren - viele Menschen wollen jetzt umstellen
Angesichts der galoppierenden Energiepreise ist die Nachfrage nach Minisolaranlagen bundesweit sehr hoch. „Grundsätzlich sind die Anforderungen der öffentlich-rechtlichen Vorschriften, technischen Baubestimmungen sowie anerkannten Regeln der Technik einzuhalten“, betont Horngacher. Die Verbraucherzentrale Bayern betrachtet Steckersolargeräte als wirtschaftlich. Ein Balkonkraftwerk produziere in der Regel genug Strom, um an einem sonnigen Tag das Gros der Grundlast und die Mittagsspitze eines Haushaltes abzudecken. Mit Blick auf den Klimaschutz hat die Verbraucherzentrale ausgerechnet: Etwa 2,5 Tonnen CO2-Ausstoß spart ein Steckersolargerät in 20 Jahren. Wichtig ist: Auch wenn der auf dem Balkon produzierte Strom direkt vor Ort vom Kühlschrank, der Waschmaschine oder dem E-Auto verbraucht wird, müssen die Balkonkraftwerke beim Netzbetreiber und der Bundesnetzagentur angemeldet werden.
Umwelt-Beauftragte spürt „großen Zuspruch“ für Energie-Förderung
Beim einen oder anderen Bürger spürt Horngacher allerdings noch eine Zurückhaltung. Das führt sie auf die aktuelle Debatte Ortsgestaltungssatzung kontra Balkonkraftwerk zurück. Dazu komme der jüngste Vorstoß des Verbands der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE), der von der Politik fordert, die Bagatellgrenze für Steckersolargeräte anzuheben – von 600 Watt auf 800 Watt Maximalleistung.
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Horngachers Fazit: „Man spürt einerseits eine gewisse Zurückhaltung aufgrund der sich im Wandel befindlichen Vorschriften und Gesetzeslage. Andererseits erhalten wir großen Zuspruch und spüren Interesse am städtischen Förderprogramm – und das über die Stadtgrenzen Wolfratshausens hinaus.“
Förderprogramm für nachhaltige Stromerzeugung
Die detaillierten Infos zum Förderprogramm für Balkonkraftwerke und alle Antragsformulare finden sich auf der Homepage der Stadt zum Herunterladen – sie können aber auch direkt beim Rathaus-Referat Planen und Umwelt per E-Mail an umwelt@wolfratshausen.de bestellt werden.
