Wolfratshausen - Das Leben von Ludwig Graßler ist ein langer Fußweg. Kürzlich feierte der Pionier der Wanderroute München-Venedig seinen 88. Geburtstag.
Edelweißweg, Enzianstraße, Blombergstraße: Sogar die Route bis zum Haus von Ludwig Graßler in Farchet zeigt, wohin die Reise geht - in die Berge. Allerdings nur in den Erzählungen des 88-Jährigen, des Wegbereiters des Traumpfades von München nach Venedig. Tausende Wanderer sind dem „Graßler Luck“ vom Münchner Marienplatz zum Markusplatz in Venedig gefolgt. Los geht die Tour generell am 8. August um acht Uhr.
Graßler selbst hat die Route, die 28 Tage dauert, gut 20 000 Höhenmeter und 520 Kilometer umfasst, schon fünfmal bewältigt. Seine Erfahrungen hat er in mehreren Wanderführern und Vorträgen zusammengefasst. Für den Fernwanderweg hat Graßler zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Außerdem hat er dazu beigetragen, seine Heimatstadt Amberg mit seiner Wahlheimat zu verknüpfen, indem er bewirkte, dass Amberg die Patenstadt von Geretsried wird. Stilecht feierte der Pionier Anfang August seinen 88. Geburtstag auf der Wolfratshauser Hütte bei Lermoos.
Geboren wurde der Vortragsredner, Fotograf und Autor 1925 in der Oberpfalz. Er wuchs als eines von zehn Geschwistern in einer Patchwork-Familie auf. Seine Liebe zu den Alpen wurde früh geweckt. Als Zehnjähriger besuchte Graßler ein Schülerheim, das von Salesianer-Mönchen geleitet wurde. „Ein Pater aus Benediktbeuern hat uns so anschaulich von den Alpen vorgeschwärmt“, erinnert er sich.
Die erste Fahrradtour unternahmen er und zwei Freunde mit 13 Jahren. „1938 sind wir nach Benediktbeuern gefahren, um die Alpen zu sehen“, so Graßler. Ihre zweite Reise im nächsten Jahr dauerte gut zwei Wochen. 1940 waren er und seine Kameraden dann drei Wochen mit dem Rad unterwegs. Sie fuhren bis auf den Brenner. Dort streckten sie ihre Füße unter der Schranke durch, „damit wir sagen konnten, dass wir in Italien waren.“ Später ging es zum Serles (2717 Meter), der ausschlaggebend für Graßlers weitere Bergtouren war, übers Oberjoch und zum Bodensee. „Danach hatten mich die Berge endgültig gefangen genommen.“
Mit 15 verließ Graßler sein Elternhaus, mit 17 wurde er Gebirgsjäger und kam an die Front. Nach dem Krieg und anschließender Gefangenschaft holte er seinen Schulabschluss nach und absolvierte eine Lehre zum Gartenbauer und ein Studium zum Gartenbau-Ingenieur. 1962 bewarb er sich als Kreisfachberater für Gartenbau und Landespflege im Wolfratshauser Landratsamt. Vor 51 Jahren kam Graßler so in die Flößerstadt. 1965 trat er dem Isartalverein bei, für den er unter anderem Plätze für Ruhebänke suchte, Wege markierte und Wanderrouten erschloss.
Zum 70. Jubiläum des Vereines organisierte Graßler 1972 eine Wanderung von Großhesselohe zu den Isarquellen. Gegen Ende der Strecke waren es zwei Frauen, die ihn auf die Route München-Venedig brachten. Eine war seine Ehefrau Resi, die noch weitergehen wollte. Die andere kannte einen Weg, um die Dolomiten zu überqueren. „Das war der Auslöser für den Plan, München und Venedig durch einen Wanderweg zu verbinden“, erinnert sich Graßler. 1973 war es dann soweit. Bis nach Belluno (Italien) wanderte die Gruppe. Graßler und seine Frau gingen weiter, mussten aber auch vor dem Ziel abbrechen. Als Geburtsjahr des Fernwanderweges gilt deshalb 1974.
su