Nach Beschwerden über nächtliche Partys an Isarpromenade: Das sagen die Bürgermeisterkandidaten und Fraktionen.
Bad Tölz – Lärm, Müll, Alkohol und Drogen: Die Anwohner der neu benannten Bürgermeister-Holzner-Promenade haben nach dem heißen Sommer das Bild einer nächtlichen Feier- und Partymeile mit vielen Missständen entlang der Isar gezeichnet und fordern von der Stadt und der Polizei Abhilfe (wir berichteten). Ihren Protest gegen die „unhaltbaren Zustände“ haben sie auch den Bürgermeister-Kandidaten und Fraktionen schriftlich zukommen lassen. Der Tölzer Kurier hat nachgefragt. Hier die Antworten.
Eher knapp bleibt Michael Lindmair (FWG), dem die Probleme „leider schon bekannt“ sind. Er werde mit dem Ordnungsamt sprechen. Es gehe, stimmt er den Anliegern zu, nicht darum, die Jugendlichen von der Promenade zu verbannen. Aber es müsse für alle im erträglichen Rahmen bleiben.
CSU-Bürgermeisterkandidat Ingo Mehner würde zur Sache gerne mal mit einem der Anlieger telefonieren und hält seine Antwort ansonsten ebenfalls kurz. Er sieht einen Zusammenhang zwischen der deutlichen Aufwertung der Promenade und der „geschilderten Schattenseite“. Das Problem mit der Personalstärke der Tölzer Polizei (erheblich unter Soll) sei ihm bekannt.
Ausführlich gehen der SPD-Bürgermeisterkandidat Michael Ernst sowie Fraktionssprecher Franz Mayer (Grüne) auf die Klagen der Anlieger der Königsdorfer Straße und auch Fröhlichgasse ein.
Politikneuling Ernst gibt in einem Schreiben an Stephan Riege, einen der Anlieger, offen zu, dass er im ersten Moment gedacht habe, dass es wieder nur um das Anprangern von Problemen, speziell mit der Jugend, gehe. Er habe sich aber bei einigen persönlichen Besuchen ein Bild verschafft: „Ich kann Ihren Unmut teilweise nachvollziehen.“
Bitte keine Verbotskultur
Er wünsche sich gleichwohl keine „Verbotskultur“ in Tölz. Stattdessen würde er am liebsten erst einmal mit allen Beteiligten sprechen, um herauszufinden, welche Bedürfnisse Jugendliche, Einheimische und Touristen haben. Dabei sollten gemeinsame Regeln vereinbart werden, „die dann aber auch eingehalten werden“. Bei Rechtswidrigkeiten sei die Polizei in der Pflicht, für Ordnung zu sorgen. Ernst kündigt an, an dem Thema dran zu bleiben.
Franz Mayer schließlich setzt sich mit einem Vorschlag der Anlieger auseinander. Dies forderten etwa eine „Verordnung zur Aufrechterhaltung der Ruhe, Ordnung und Sicherheit“ wie sie die Gemeinde Bayerisch Gmain erlassen hat. Dort drohen Lärmsündern (auch bei „zu lauter Musikwiedergabe“) drastische Bußgelder. Allerdings ein eher theoretischer Fall, wie ein Gemeindesprecher auf Anfrage sagt.
Lärmschutzverordnung für Tölz vorstellbar
Mayer kann sich dennoch eine Art Lärmschutzverordnung für Tölz vorstellen und würde damit gerne auch den herbstlichen „Laubbläsern“ zu Leibe rücken.
Sie löse aber ohnehin nur einen Teil der Probleme. Und jedenfalls nicht das des schlechten Benehmens wie Beleidigungen und Urinieren in die Gärten der Anlieger. Pauschale Urteile gegenüber der Jugend lehnt Mayer ab. Viele von ihn verhielten sich engagiert und tadellos.
Verbote müssten einhergehen mit Angeboten. Mayer erinnert in seiner Antwort daran, dass seine Fraktion schon lange einen Grillplatz in Richtung ehemalige Tennisplätze an der Königsdorfer Straße vorgeschlagen habe. Dort könnten sich dann lärmintensivere Aktivitäten konzentrieren.
Um die Probleme nicht einfach nur zu verlagern und auch Nachbarbelangen Rechnung zu tragen, sei es natürlich zwingend erforderlich, so ein Angebot zu begleiten und betreuen, zum Beispiel durch Jugendsozialarbeiter. Der Vorschlag der Grünen sei bei Verwaltung und an den anderen Stadtratskollegen allerdings auf wenig Gegenliebe gestoßen.
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