Tölzer Bauausschuss

Neubaupläne fürs Tölzer Kaufland genehmigt: Es geht in die Höhe statt in die Tiefe

+
Für den Neubau des Supermarkts ist eine Lösung gefunden.

Beim ersten Anlauf fand das Neubauprojekt „Kaufland“ an der Lenggrieser Straße keine Zustimmung der Stadt Bad Tölz. Nun wurden im Bauausschuss neue Pläne vorgestellt und befürwortet. Statt die Parkflächen im Boden zu versenken, soll das Gebäude nun höher werden.

Bad Tölz – „Riesenbadewanne“ hatte Zweiter Bürgermeister Andreas Wiedemann (FWG) über den Entwurf gespottet, den die Kaufland-Planer im April dem Ausschuss vorgelegt hatten. Auf dem mit 1,4 Hektar nicht allzu großen Areal an der Lenggrieser Straße wäre der Bestand abgerissen worden. Um die erforderlichen 274 Stellplätze für den Neubau (6100 Quadratmeter Grundfläche) unterzubringen, legte das Unternehmen aus Neckarsulm das ganze Areal zwei Meter in die Tiefe. Der Supermarkt hätte die Parkflächen dann zum Teil überdacht.

So nahe an der Isar drückt das Grundwasser freilich stark nach oben. Zudem entstehen Entwässerungsprobleme. Technisch und finanziell wäre das enorm aufwendig geworden. Kein Wunder, dass der Bauausschuss dies im April einmütig ablehnte. Bauamtsleiter Christian Fürstberger räumte in der Bauausschuss-Sitzung am Dienstag aber ein, dass die Kaufland-Planer guten Willens gehandelt hatten. Es gebe einen „Uralt“-Bebauungsplan, der eine Erhöhung des Gebäudes nicht erlaubt. Die Stadt hat nach „einigen guten Gesprächen“ (Fürstberger) mit den Firmenvertretern umgedacht und kann sich vorstellen, dass der Supermarkt zwei Meter höher wird. Es wird also nichts vertieft, sondern auf der ebenerdigen Parkfläche der Markt aufgeständert. Statt nunmehr acht, werde die Wandhöhe dann zehn Meter betragen. Das nördliche Nachbarhaus sei einen Meter höher.

Eine Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplans wäre der einfachste Weg, um diese Pläne zu verwirklichen. Nach den jüngsten Erfahrungen der Stadt mit dem Landratsamt (für die Boulderhalle auf der Flinthöhe gab es auch keine Befreiung) hält Fürstberger aber eine Änderung des Plans für nötig. Dafür wurden im Ausschuss einige Vorgaben festgelegt. Die Stellplätze müssen durchgrünt werden. Die Fassaden werden, so der Bauamtschef, „schon mächtig“. Deshalb müssten sie ansprechend gestaltet werden. Die Dachaufbauten – dort befindet sich die Gebäudetechnik – müssen eingehaust werden.

Apropos Dach: „Warum keine Fotovoltaik-Anlagen?“ fragten Andrea Grundhuber (Grüne) und Peter von der Wippel (FWG). Die Stadt beharrt auf einem Gründach, um das Problem des Oberflächenwassers in den Griff zu bekommen. Die Grünflächen am Dach speichern bei Starkregen den Niederschlag. Über das Thema Fotovoltaik will die Stadt gleichwohl nochmals mit Kaufland sprechen. Fürstberger: „Vorschreiben können wir das nicht.“

Lesen Sie auch: Bustür geht nicht schnell genug auf: Da tritt ein Fahrgast sie ein

Andrea Grundhuber setzte durch, dass entlang den Fassaden ein Pflanzstreifen entsteht. Peter von der Wippels Vorschlag, nur die Parkflächen unter dem Markt einen halben Meter tiefer zu legen, um die Gesamthöhe des Gebäudes zu drücken, will Kaufland nicht, sagte Fürstberger. Das Unternehmen lehne „gesplittete Parkebenen“ kategorisch ab.

Schon im April war die Verkehrserschließung des neuen Kauflands diskutiert worden. Die Zu- und Abfahrt wird an der jetzigen Abfahrt konzentriert. Das sei gut, weil damit weniger Rückstaus in die Lenggrieser Straße zu befürchten sind. Sehr positiv wird von der Stadt bewertet, dass Kaufland bereit ist, Fläche für einen künftigen Kreisverkehr frei zu halten. Bis der realisiert wird, müsse die Ampelanlage neu programmiert werden. Dafür muss Kaufland aufkommen. Grundsätzlich hat das Unternehmen ein neues Immissions- und Verkehrsgutachten vorzulegen.

Unter diesen Voraussetzungen stimmten alle Ausschuss-Mitglieder für eine Änderung des Bebauungsplans.

Die Weichen für den Neubau des Kaufland-Supermarkts sind damit gestellt. Ein Termin für einen Baubeginn steht noch nicht fest.

Mehr zum Thema: In Delmenhorst kam es zu einem Streit auf dem Parkplatz vor einem Kaufland, fahndet die Polizei jetzt auf Twitter nach Lama, wie nordbuzz.de* berichtet.

Lesen Sie auch: Landtagswahl: Direktkandidaten stellen sich den Fragen in Bad Tölz

*nordbuzz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Kommentare