Neue Doppelspitze

Keine klare Präferenz an SPD-Basis

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Symbolbild

Wer wird künftig die SPD führen? Bis Mitte Oktober ist die Basis der Sozialdemokraten zur Online-Abstimmung aufgerufen. Die Landkreis-Genossen halten sich bedeckt, was ihre Favoriten für die neue Doppelspitze angeht.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die SPD sucht eine neue Doppelspitze – und die Basis ist ab Mitte Oktober zur Online-Abstimmung aufgerufen. Wer unter den sieben zur Wahl stehenden Kandidaten-Duos ihr Favorit ist? Führende Genossen im Landkreis rücken noch nicht raus mit der Sprache. Ein Bewerberduo hat ihnen aber mit zu verdanken, dass es überhaupt zugelassen wurde: Der Kreisverband trug die Nominierung der SPD-Linken Hilde Mattheis und des Verdi-Chefökonoms Dierk Hirschel mit.

„Das soll aber keine Wahlempfehlung sein“, stellt die SPD-Landratskandidatin Filiz Cetin klar. Man traue dem Duo lediglich eine Kandidatur zu und stärke ihm den Rücken. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel aus Kochel hatte dem Kreisverband diesen Schritt empfohlen. Die Unterstützung von mindestens fünf SPD-Unterbezirken war Voraussetzung, damit sich Bewerber zur Wahl stellen konnten.

Mit der Methode zur Ermittlung eines Bundesvorsitzenden zeigt sich Wolfgang Werner zufrieden. „Die Befragung der Basis ist zeitgemäß und modern, das Spektrum der Kandidaten breit gefächert“, sagt der SPD-Kreisvorsitzende und Stadtrat in Geretsried. Da stimmt Filiz Cetin zu: Die Mitgliederbefragung gewährleiste „größtmögliche Transparenz und Demokratie“. So werde die Wahl nicht „in irgendeinem Hinterzimmer ausgeklüngelt“, sagt die Tölzerin.

Gelegenheit, die Kandidaten persönlich in Augenschein zu nehmen, haben die hiesigen Genossen am 12. Oktober: Dann ist München der letzte Halt auf der Vorstellungstour der Bewerber bei verschiedenen Regionalkonferenzen. Filiz Cetin will bei diesem Termin auf alle Fälle dabei sein. „Es ist eine gute Sache, die Kandidaten mal live zu sehen“, sagt sie.

Gabriele Skiba hingegen kann die Münchner Regionalkonferenz nicht besuchen. Die Kreisrätin aus Wolfratshausen wird stattdessen einen der Video-Streams im Internet verfolgen, um sich zu informieren. Dass der Termin in München als letztes ansteht, findet sie ungünstig. „Da hat man sich dann eigentlich schon entschieden“, meint sie.

Auch Michael Ernst, SPD- Ortsvorsitzender in Bad Tölz, wird nicht an der Regionalkonferenz teilnehmen. „Ich werde mich erst endgültig entscheiden, wenn die Stichwahl im Dezember ansteht“, sagt er. Dem Team aus Vizekanzler Olaf Scholz und der ehemaligen Generalsekretärin der SPD Brandenburg, Klara Geywitz, räumt er große Chancen ein. „Meine Wunschkombination Olaf Scholz und Manuela Schwesig ist aber nicht aufgestellt“, meint er.

Schwesig gab vergangene Woche wegen ihrer Krebserkrankung ihren Rücktritt vom kommissarischen SPD-Vorsitz bekannt.

Wolfgang Werner schließt sich Ernsts Meinung an und nennt noch ein weiteres Duo mit Außenseiterchancen: Christina Kampmann und Michael Roth. „Das Blatt kann sich jederzeit wenden“, ist er überzeugt.

Als „Aufbruchssignal“ sähe es die Wolfratshauserin Gabriele Skiba, wenn sich ihre Partei traue, neue Gesichter zu wählen und nicht an etablierten Namen wie Scholz festhalte. Die Form einer Doppelspitze sieht sie persönlich aber kritisch. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass zwei Menschen immer am selben Strang ziehen“, sagt Skiba. Das sei auch in anderen Parteien nicht immer gut gelaufen.

Da hat Landratskandidatin Cetin andere Hoffnungen: „Nach der Wahl kehrt hoffentlich wieder Ruhe ein“, sagt sie. Von einer stabilen Parteispitze könne die Kommunalpolitik profitieren. Auch der Tölzer Bürgermeisterkandidat Michael Ernst wünscht sich, dass sich die SPD künftig besser verkauft und innerparteiliche Differenzen beilegt. Eines ist für ihn aber keine Option: ein Austritt aus der Großen Koalition. „2021 kann man sich darüber wieder Gedanken machen.“ Bis dahin müsse die SPD „das Ruder endlich wieder herumreißen“. (Anton Böhm)

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