Wirtsfamilie Bogner schmiedet Pläne

Neue Idee fürs Ausflugsziel Siebenhütten: Alter Stadel als rekonstruierte Almhütte

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Trotz geschlossener Almwirtschaft herrscht reger Ausflügler-Andrang in Siebenhütten. Versorgt werden die Besucher an einem Brotzeitstand (links im Bild).
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Wie geht es weiter mit Siebenhütten? Nachdem die alte Almwirtschaft heuer nicht wieder geöffnet wurde, zeichnet sich nun eine Lösung für die Ausflugsidylle ab. Ein alter Stadel könne es richten.

Wildbad Kreuth – Mit dem Wiederaufbau historischer Gebäude an neuer Stelle hat die Wirtsfamilie Bogner vom Tegernsee bereits Erfahrung. Bekanntlich ist ihr Voitlhof in Rottach-Egern aus einem uralten Tiroler Hof hervorgegangen, der seine ursprüngliche Heimat in Brixlegg hatte. Nun könnte Ähnliches auch in Wildbad Kreuth – auf dem Gelände des Alm-Ensembles Siebenhütten – vonstatten gehen. Wenn auch in deutlich kleinerer Form.

Junior-Chef Josef Wolfgang Bogner wurde auf ein altes Bauwerk aufmerksam, das sich seiner Ansicht nach gut in das Ensemble einfügen würde. „Es ist eine Art Heustadel“, sagt Bogner. Vielleicht um die 200 Jahre alt. Nachdem sich keine Fenster darin befinden, ließe sich der Stadel gut nach dem Vorbild der bestehenden historischen Alm gestalten, meint der gelernte Zimmerer.

Heustadel aus Schleching könnte nach Siebenhütten umsiedeln

Bislang steht die Idee aber noch am Anfang. Offiziell vorstellig wurden die Bogners mit ihren Planungen beim Kreuther Gemeinderat und den Behörden noch nicht – lediglich erste Vorgespräche haben stattgefunden. Aktuell steht der Stadel auch noch bei seinem derzeitigen Eigentümer, einer Zimmerei in der Gemeinde Schleching (Kreis Traunstein), die – und da gibt es immerhin schon eine Gemeinsamkeit mit Kreuth – den Titel Bergsteigerdorf trägt. Pläne und Fotos von dem alten Almgebäude liegen Bogner aber bereits vor. „Damit lässt sich gut arbeiten“, sagt er.

Denkmalschutzbehörde brachte rekonstruierte Almhütte ins Spiel

Dass es überhaupt ein neues Domizil in Siebenhütten braucht, ist dem steigenden Ansturm der Ausflügler geschuldet. Den konnten die Bogners als langjährige Pächter in der bisherigen – viel zu kleinen – Almhütte nach eigenen Worten nicht mehr bewältigen. So sperrten sie das bei Wanderern so beliebte und gut erreichbare Kleinod, das im Besitz der Herzoglichen Wildbad Kreuth Familiengesellschaft ist, in diesem Sommer erst gar nicht mehr auf. Stattdessen versorgen die Bogners die Wanderer und Mountainbiker in diesem Bereich an einem provisorischen Brotzeit-Stand mit dem Nötigsten. Eine Umgestaltung der bisherigen Almwirtschaft zu einer zeitgemäßen Gastronomie, wie sie zunächst angedacht war, ist aus Sicht der Unteren Denkmalschutzbehörde praktisch unmöglich, sodass die Behörde die Idee für einen Neubau in Form einer rekonstruierten Almhütte ins Spiel brachte.

Bilder von ehemaliger Alm in Siebenhütten nicht auffindbar

Dieser Neubau müsste dort entstehen, wo schon vor über 150 Jahren eine Almhütte stand, die zum Siebenhütten-Ensemble gehörte. Wie Bogner berichtet, hätte er gerne Fotos von eben dieser Alm aufgetrieben, um sich an dem originalgetreuen Vorbild orientieren zu können. „Aber da gibt es nichts“, sagt er. Trotz intensiver Suche im herzoglichen und im Staatsarchiv habe er keine Fotos von der Alm finden können. Lediglich eine alte Postkarte, auf der die Alm abgebildet ist, konnte der Gastwirt ersteigern. Offenbar gleicht die Optik des damaligen Gebäudes jener der bisherigen Almwirtschaft eins zu eins.

Pläne sollen nach der Sommerpause im Gemeinderat vorgestellt werden

Möglichst unmittelbar nach der Sommerpause möchte Bogner seine Pläne für einen Wiederaufbau des Stadels in Siebenhütten dem Gemeinderat präsentieren. Er hofft, dass sich die Gremiums-Mitglieder für die Idee gewinnen lassen. Als Bauherrin würde dann die herzogliche Familiengesellschaft auftreten, „und wir würden unser Wissen und unsere Arbeitsleistung zur Verfügung stellen“, verspricht Bogner.

Bürgermeister stellt klar: „Wollen keine Eventlocation“

Und wie steht die Gemeinde Kreuth zu der Idee? Ein endgültiges Meinungsbild könne sich der Gemeinderat erst bilden, wenn ihm die Pläne vorliegen würden, sagt Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU). Schon jetzt fordert der Rathaus-Chef aber ein „sehr behutsames Vorgehen“ in diesem Bereich. „Der historische Anblick des Alm-Ensembles darf nicht entstellt werden“, meint er. Auch sei noch zu klären, was mit der alten Alm passiere, wenn die Gastronomie in einem neuen Domizil unterkomme. „Wir wollen“, sagt Bierschneider, „dass das Ganze von der Bevölkerung mitgetragen wird“. Widerstände, wie man sie derzeit bei der Saurüsselalm in Bad Wiessee erlebe, gelte es zu vermeiden. Eine Bewirtschaftung an dieser Stelle sei wichtig, betont der Kreuther Bürgermeister. „Aber wir wollen keine Eventlocation.“ Dass das Thema ein sensibles ist, ist auch den Bogners bewusst. Wenn das Projekt den Gemeinderat durchlaufen habe, werde man die Pläne vor Ort auch einer breiten Öffentlichkeit präsentieren, versichert der Gastwirt.

Kreisbaumeister: Ausbau der jetzigen Bewirtungsart „nicht erwünscht“

Als oberster Denkmalschützer im Landkreis ist auch Kreisbaumeister Christian Boiger in die Planungen für Siebenhütten involviert. Er stehe dem Vorhaben „beratend zur Seite“, heißt es auf Nachfrage im Landratsamt Miesbach. Dem Kreisbaumeister gehe es auch darum, „Siebenhütten vor einer Überformung zu schützen“, erklärt die Sprecherin weiter. Ein Ausbau oder eine Änderung der jetzigen Bewirtungsart sei nicht geplant „und auch nicht erwünscht“. Es gehe lediglich darum, den bestehenden Gastro-Betrieb durch Anpassung an die aktuellen Vorschriften für die Zukunft zu sichern. 

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