Einigkeit im Rathaus

Neue Ideen für mehr Grün in der Stadt

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So sehen begrünte Laternenpfähle in der württembergischen Kleinstadt Bad Saulgau aus.
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Weilheims Altstadt soll grüner und die Aufenthaltsqualität verbessert werden – darüber ist man sich im Rathaus weitgehend einig. Doch bis es sichtbare Ergebnisse gibt, das wird noch dauern.

Weilheim – An Vorschlägen für eine grünere Innenstadt fehlt es nicht. Vor zwei Monaten bereits wurde dem Bauausschuss des Stadtrates die Untersuchung einer Architekturstudentin vorgestellt, wo und wie im Zentrum mehr Bäume und Sitzgelegenheiten untergebracht werden könnten – etwa am Kirchplatz, in der Schmiedstraße oder im Platzbereich der Cavaliergasse (wir berichteten). Dazu kam nun ein Antrag des Verschönerungsvereins Weilheim: Er regt an, Laternenpfähle in der Altstadt zu begrünen, zum Beispiel durch Wilden Wein oder Efeu-Ranken. Das wäre „auch ein Beitrag zur Erhöhung der Artenvielfalt im Stadtgebiet“, schrieb die 1. Vorsitzende Bettina Pyko, und die Stadt würde damit dem Anspruch an die Mitgliedschaft im Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ gerecht.

200 Euro pro Laterne inklusive zwei Jahren Pflege

An fünf bis zehn repräsentativen Standorten, etwa an der Münchener Straße oder am Oberen Graben, sollte als Pilotprojekt begonnen werden, so Pykos Anregung. Die Investitionskosten schätze man auf maximal 200 Euro pro Laterne inklusive zwei Jahren Pflege; davon würde der Verschönerungsverein 50 Prozent übernehmen.

Mitgebracht hat der Verschönerungsverein die Idee von einer Exkursion im Sommer 2022 nach Bad Saulgau. Die württembergische Kleinstadt, die etwas weniger Einwohner zählt als Weilheim, wurde 2011 als „Landeshauptstadt der Biodiversität“ ausgezeichnet. Bereits vor über 30 Jahren wurde dort begonnen, Laternenmasten bewachsen zu lassen. Knötericharten haben sich dafür als weniger geeignet, dagegen Wilder Wein, Waldgeißblatt und Jelängerjelieber als sehr gut erwiesen. „Diese Kletterpflanzen sind heimisch, insektenfreundlich und weniger ausladend als die früher verwendeten Knötericharten“, heißt es dazu aus dem Saulgauer Rathaus. Der Pflegeaufwand sei „relativ gering“: Ein- bis zweimal jährlich müsse eine solche Pflanze zurückgeschnitten werden, was bei einer ausgewachsenen Pflanze einen Aufwand von etwa einer Viertelstunde für zwei Arbeitskräfte (mit Hebebühne) bedeute.

Auf Barrierefreiheit achten

In Weilheims Bauausschuss stieß der Antrag in der jüngsten Sitzung teils auf Skepsis, doch mehrheitlich kam er gut an. Konkret entschieden wurde allerdings noch nichts – weder bezüglich der Laternenbegrünung noch in puncto „Bäume und Sitzgelegenheiten“.

Zum vorgestellten Konzept einer möglichen „Möblierung“ der Altstadt gibt es aber schon Stellungnahmen einiger Fraktionen. Darin zeigen sich die meisten „grundsätzlich einverstanden“ mit zusätzlichen Grün- und Sitzelementen. Die ÖDP fordert, in diesem Zuge Verkehrsflächen und Autostellplätze weiter zu reduzieren. Die Freien Wähler mahnen, auch auf Barrierefreiheit zu achten. Die CSU begrüßt insbesondere, den Kirchplatz durch Grün und Bänke besser zu fassen. Während viele fordern, quer durch die Innenstadt möglichst gleiche „Möbel“ zu verwenden, muss das der SPD zufolge „nicht unbedingt überall einheitlich sein“.

„Wir haben eigentlich kein Geld dafür“

Ein Grundproblem sprach Klaus Gast (CSU) im Bauausschuss an: „Wir wissen, dass wir eigentlich kein Geld dafür haben.“ Mit noch nicht ausgeschöpften Mitteln des Förderprogramms „Innenstadt beleben“ könne man „an einem Punkt anfangen“, so Gast, doch dürften „keine falschen Erwartungen geweckt werden“. Ob man die Angelegenheit nicht „in Bürgerhand geben“ könne und solle, stellte Alfred Honisch (Grüne) in den Raum. Das lehnte Bürgermeister Markus Loth (BfW) jedoch ab: „Das muss von einem Fachbüro begleitet sein. Bei aller Wertschätzung der Bürgerbeteiligung – allein mit Laienwissen geht das an der Stelle nicht.“

BfW-Sprecherin Brigitte Holeczek dankte der Stadtverwaltung für „das ständige Bemühen, die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu verbessern“. Nun müsse freilich „ein konkreter Vorschlag“ entwickelt werden. Die Regierung von Oberbayern empfahl laut Stadtbaumeisterin Katrin Fischer, das Ganze nicht über den Projektfonds, sondern über die reguläre Städtebauförderung bezuschussen zu lassen. Dafür solle 2023 „eine genauere Studie“ erstellt werden, die dann wieder im Bauausschuss zu diskutieren ist. Zudem kündigte Fischer an, dass es ab kommendem Jahr wieder Fördermöglichkeiten für Hof- und Fassadenbegrünungen von Privatleuten gebe.

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