Gmund - Nach nur 19-monatiger Bauzeit hat am Montag, Punkt 8 Uhr, der Unterricht in der neuen Realschule Tegernseer Tal in Gmund begonnen. Wir waren beim großen Tag dabei.
Für die Kinder und Jugendlichen ist es ein spannender Moment. Die meisten von ihnen schnuppern zum ersten Mal die noch von frischer Farbe getränkte Luft im Schulhaus. Neugierig blicken sie sich um und recken die Hälse nach oben, wo die Sonne durch Oberlichter in die Aula scheint. Auf der Bühne ist alles bereit für die Schlüsselübergabe. Doch zuvor will es Rektor Stefan Ambrosi von seinen Schützlingen wissen: „Ist das toll geworden?, ruft er ins Mikro. „Jaa!“, jubeln 470 Schüler lauthals zurück.
„Ein großer Schritt ist getan, Ihr seid nicht mehr in der Grundschule Bad Wiessee, sondern in Eurem neuen Schulhaus“, freut sich der Rektor. Weil er die Verantwortung hier im Haus nicht alleine mit den 36 Lehrkräften und den Eltern tragen wolle, kündigt er daher die symbolische Schlüsselübergabe „an alle“ an. Gmunds Bürgermeister und zugleich stellvertretender Landrat Georg von Preysing ist sichtlich erleichtert, dass der ehrgeizige Zeitplan geschafft ist und die Schule in seiner Gemeinde an den Start gehen kann. Bis zuletzt hatten Handwerker teilweise bis Mitternacht gewerkelt, um innen und außen alles rechtzeitig zu schaffen. Auch viele Lehrer, lässt stellvertretender Schulleiter Tobias Schreiner die Schüler wissen, hätten ihre Faschingsferien mit der Vorbereitung verbracht und teilweise bis zu 16 Stunden täglich gearbeitet. Fleißige Schüler halfen zudem mit, am Standort Bad Wiessee, der über drei Jahre als Übergangsquartier der Realschule Tegernseer Tal diente, die letzten Kisten zu packen.
Fotos: So sieht die neue Schule von innen aus
„Ich freue mich sakrisch“, gesteht Preysing, als er den schweren symbolischen Schlüssel an Ambrosi übergibt. Für den Landkreis und die Gemeinde sei dies ein Freudentag. Preysing wünscht den Schülern und vor allem den ersten Absolventen „super Ergebnisse“ und, dass „der gute Geist an alle überspringe.“ Er bedankt sich zugleich beim anwesenden Karl Grundler vom Landratsamt Miesbach, der als Projektleiter unzählige Stunden in Gmund verbrachte. Er wolle ein Schulhaus mit guter Atmosphäre, „wo jeder gerne und interessiert arbeitet“, betont Ambrosi. „Es liegt an uns und unserer Einstellung, dies zu schaffen.“ Eine eindringliche Mahnung schickt er gleich hinterher: „Passt’s auf das Haus auf und lasst’s die Füße von der weißen Wand.“ Josef Hinterholzer, der neue Hausmeister, richtet den gleichen Appell an die Schüler: „Ich hoffe, dass ihr das Haus pfleglich behandelt, dann kommen wir gut miteinander aus. Bleibt’s sauber!“
Nachdem sich die Schüler klassenweise mit ihren Lehrkräften auf den Weg gemacht haben, richtet der Rektor ein paar Worte an die Zehntklässler: „Ihr wart der Grund, dass die Gmunder Schule noch vor der Fachoberschule und dem Gymnasium in Holzkirchen gebaut wurden.“ Schließlich waren es mutige Eltern, die zum Schuljahr 2009/2010 nach anfänglichem Zögern ihre Kinder anmeldeten und das vorübergehende Containerleben in Kauf nahmen. Die Schule ist ein Prachtbau. Aufmunternde hellgrüne Farbe zieht sich an vielen Wänden durch Haus, die sonnige Mensa erlaubt Essen und Trinken sogar im Freien. Moderne Technik in allen Räumen, sogar ein Flügel wurde angeschafft. An der Dreifachturnhalle werden ab kommenden Montag, 17. März, auch die Gmunder Vereine ihre Freude haben. Die Halle hat zur Hälfte die Gemeinde finanziert: 2,4 Millionen Euro betrug der Gemeindeanteil. Überhaupt die Kosten: 17,4 Millionen Euro bringt der Landkreis allein für die Gmunder Schule auf. Sie ist Teil einer Schul-Offensive, die landkreisweit 130 Millionen Euro verschlingt.
Wie berichtet, wurde die Schule von der Firma SKE Facility Management GmbH in öffentlich-privater Partnerschaft (ÖPP-Modell) gebaut. Sie betreibt die Schule in den nächsten 25 Jahren für den Landkreis. FOS und Gymnasium gehen zum nächsten Schuljahr an den Start. Allerdings: Die Gemeinde muss noch Hausaufgaben machen, was den Schulweg betrifft. Der Geh- und Radweg von Dürnbach ist wegen ungeklärter Grundstücksverhältnisse noch nicht vorangekommen, für die geplante BOB-Haltestelle wird gerade die Entwurfsplanung erstellt. Wann der Halt eingerichtet wird, ist noch offen. Die Anregungen der Anlieger sollen jedoch einfließen, wie Preysing erst kürzlich bei der Bürgerversammlung versprach. Der Schulbussverkehr, das zeigte sich gestern am Premierentag, klappt hingegen reibungslos. Die Schüler sind jedenfalls begeistert. Sie gehen auch organisatorisch neue Wege. Denn künftig wandern hier nicht mehr die Lehrer stundenweise von Zimmer zu Zimmer, sondern die Schüler. „Cool“, meint Estelle aus der 7a. Sie muss sich allerdings noch eine Woche gedulden, denn die siebten Klassen starteten gestern nach der Eröffnung gleich mal ins Skilagern. Offizieller Festakt Am Donnerstag, 8. Mai, weiht der Landkreis im Rahmen eines Festakts die Schule offiziell ein. Die Bevölkerung kann dann bei einem Tag der offenen Tür das Gebäude besichtigen.
Von Gerti Reichl