Weltweit höchste Stahlstütze

Neue Zugspitz-Seilbahn: So soll sie aussehen

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Grainau - Übertreibungen sind mit Vorsicht zu genießen – aber die neue Seilbahn zur Zugspitze, die in zweieinhalb Jahren fertig sein soll, ist ein Projekt der Superlative. Die Betreiber lassen sich den Bau 50 Millionen Euro kosten. Und das, obwohl er „ökonomisch wenig bringt“.

Man erwartet ja vieles auf so einem Berg. Aber einen Kran? Da steht er jedenfalls, mitten in der felsigen Wand und ragt gelb und wuchtig über das Gipfelkreuz der Zugspitze (2962 Meter) hinaus. An diesem Vormittag ist das Führerhäuschen leer, aber wer auch immer dort oben arbeitet, muss starke Nerven haben. Denn der Kran überragt den höchsten aller bundesdeutschen Berge – um knackige 13 Meter.

Der Kran ist ein Rekordbrecher. Und damit gibt er einen Vorgeschmack auf die neue Seilbahn, die hier entstehen und zur Skisaison 2017/18 fertig sei soll. Gestern haben die Bauherren ihre Pläne auf der Zugspitze vorgestellt.

Eine Animation der neuen Zugspitz-Seilbahn.

Eines steht fest: Die neue, knapp 4,5 Kilometer lange Bahn wird über die höchste Stahlstütze rollen, die je gebaut wurde. Nach den Plänen der Architekten misst sie 127 Meter und ist damit deutlich höher als die beiden Türme des Münchner Liebfrauendoms mit ihren knapp 100 Metern. Außerdem wird die neue Bahn mit nur einer statt den bisher zwei nötigen Stützen auskommen. Das heißt, dass die Bahn von der Stahlstütze bis zur neuen Bergstation 3207 Meter überwinden muss. Keine andere Seilbahn der Welt schafft das.

Alles größer, alles länger. Auch die beiden neuen Stationen – im Tal und oben am Gipfel – sollen mit allem ausgerüstet sein, was das Ausflügler-Herz so wünscht. Unten wird alles ebenerdig und damit behindertengerecht angelegt. Oben an der Bergstation soll es eine Aussichtsplattform geben – „mit spektakulärer Rundumschau“, wie Architekt Ernst Hasenauer sagt. Auch das Restaurant bekommt den Panorama-Blick.

Seit 2011 plant die Bayerische Zugspitzbahn (BZB) einen Neubau der gut 50 Jahre alten Eibsee-Seilbahn. Der kaufmännische Vorstand Matthias Stauch sagt knapp: „Die alte Dame ist zwar noch gut in Schuss, aber sie verfügt nicht über die zeitgemäße Technik.“ Abgesehen davon müssten Gäste zu Spitzenzeiten bis zu zweieinhalb Stunden in langen Schlangen warten, bevor sie eine der zwei Gondeln zum Gipfel erwischten. „Das ist zu lang“, sagt der technische Geschäftsführer der Zugspitzbahn, Peter Huber. „Wir sind Dienstleister.“

Alles größer, alles besser: Das betrifft auch die Gondeln, über deren Aussehen die Bauherren schweigen. 40 Passagiere passen bislang hinein, nach dem Neubau sollen es 120 pro Fahrt sein. Huber glaubt aber nicht, dass der Berg deshalb künftig noch mehr Besucher aushalten muss. Momentan sind es 500 000 im Jahr, sagt er. Zehn Prozent mehr sind das Ziel. „Das ist aber auch die Grenze für die Zugspitze.“

Zehn Prozent mehr – trotzdem lässt sich die Zugspitzbahn den Neubau 50 Millionen Euro kosten. „Ökonomisch bringt uns das wenig“, sagt Matthias Stauch. Die Gründe liegen woanders. In den vergangenen fünf Jahren habe man 34 Millionen Euro in die Bahn gesteckt. Da sei es lohnender, jetzt neu zu bauen – zumal die Bedingungen auf dem Kapitalmarkt so günstig sind wie nie. Da soll das Geld nämlich herkommen. Eines verspricht Stauch: „Es geht ohne Subventionen und ohne öffentliche Gelder.“ Allerdings könnten nach der Wiedereröffnung die Fahrpreise (derzeit 52 Euro) steigen – wenn auch „moderat“.

Bis dahin steht noch sehr viel Arbeit an. Der Zeitplan, das wissen auch die Bauherren, ist knapp. Jeweils von Anfang Mai bis Weihnachten soll gebaut werden, gutes Wetter vorausgesetzt. Letzte Woche haben die Arbeiter, laut Stauch ein paar „unerschrockene Österreicher“, das Fundament für die Materialseilbahn in den Fels gegossen. 25 Kubikmeter Beton brauchten sie. Der härtet gerade aus.

2016 soll der Bau der Bergstation beginnen, der Ingenieure und Statiker besonders fordert. Denn am Gipfel ist nur wenig Platz, die geologischen Gegebenheiten müssen genau beachtet werden. Auch die Auswirkungen des Klimawandels müssen berücksichtigt werden. Darum haben die Planer extra einen Geologen mit ins Team geholt.

Die alte Seilbahn wird bis Mai 2017 fahren, parallel zum Neubau. Dann wird sie endgültig eingestellt. Bis zur Neueröffnung kommen Besucher dann mit der Zahnrad- und der Gletscherbahn auf den Berg. „Wie in den 30er Jahren“, sagt Huber, als wollte er den Superlativen zumindest ein bisschen Kontra geben.

dpa

Neue Seilbahn auf Zugspitze mit weltweit höchster Stahlstütze - Fotos

Zugspitz-Seilbahn
So soll die neue Seilbahn aussehen. © fkn
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So soll die neue Seilbahn aussehen. © fkn
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So soll die neue Seilbahn aussehen. © fkn
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So soll die neue Seilbahn aussehen. © fkn
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So soll die neue Seilbahn aussehen. © fkn
Zugspitz-Seilbahn-dpa
Ein Baukran steht auf der Zugspitze. Dort fand eine Pressekonferenz zum Neubau der Zugspitz-Seilbahn statt, die im Jahr 2017 fertig gestellt werden soll. © dpa
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Die neue Seilbahn auf die Zugspitze wird mit nur noch einer Stütze auskommen. Mit ihren 127 Metern ist die Stahlstütze die höchste der Welt. © dpa
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Die neue Seilbahn auf die Zugspitze wird mit nur noch einer Stütze auskommen. Mit ihren 127 Metern ist die Stahlstütze die höchste der Welt. © dpa
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Männer arbeiten auf der Zugspitze und Fundamenten für eine Seilbahn. © dpa
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Eine gerodete Schneise ist auf der Seilbahnstrecke zur Zugspitze zu sehen. © dpa
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Ein Baukran steht auf der Zugspitze. Dort fand eine Pressekonferenz zum Neubau der Zugspitz-Seilbahn statt, die im Jahr 2017 fertig gestellt werden soll. © dpa

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