VonChristina Jachert-Maierschließen
Die Tegernsee App soll für den Gast und auch den Einheimischen vieles leichter machen. Sie ist nur eines der Projekte, an denen das Digitalisierungs-Team der Tegernseer Tal Tourismus GmbH arbeitet. Wir haben mit dessen Leiter Timm Jelitschek gesprochen.
Tegernsee – Von Rundtour bis Ticketkauf: Dem Gast und auch dem Einheimischen hilfreiche Information und Services rund um den Tegernsee zu liefern, direkt aufs Handy oder über digitale Info-Monitore, gehört zum Aufgabenfeld von Timm Jelitschek (35). Er leitet das seit einem Jahr bestehende Digitalisierung-Team der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT). Dort wird aktuell einiges an den Start gebracht – zum Beispiel die Tegernsee App.
Herr Jelitschek, Sie kümmern sich bei der TTT um Digitalisierung. Also ums Online-Marketing?
Nein, das machen Kollegen, die Social-Media-Kanäle betreuen und die Suchmaschinen-Optimierung im Blick haben. Wir befassen uns nicht mit Marketing, sondern schaffen eine bessere Servicequalität. Gemeinsam mit Partnern für die technische Umsetzung entwickeln wir Lösungen zur digitalen Unterstützung von Gastgebern und Leistungspartnern, für den Gast und die Einheimischen. Ziel ist es, den Zugang zu den Möglichkeiten der Freizeitgestaltung im Tegernseer Tal zu erleichtern. Wir wollen auch die Betriebe digital unterstützen, zumal der Fachkräftemangel allgegenwärtig ist.
Wo sind schon Beispiele sichtbar?
Unser frühestes Projekt sind die fünf Monitore an den fünf Tourist-Infos. Auch außerhalb der Öffnungszeiten kann sich der Gast über das Tegernseer Tal informieren, ein Hotelzimmer finden und über die Webcam der Bergbahn sehen, ob oben die Sonne scheint. Das Projekt ist zehn Jahre alt und war lange eine digitale Insellösung. Unsere Erfahrungen damit wollen wir auf andere Bereiche übertragen. In Kooperation mit MVV und Landratsamt kommen jetzt die digitalen Busanzeigen. Die erste läuft bereits in Kreuth. Nach und nach werden die Busanzeigen in allen Tal-Gemeinden installiert. Unsere Aufgabe ist es auch, all diese Dinge zu verbinden, sodass ein Mehrwert entsteht.
Was bedeutet das konkret?
Wenn man schon an der Bushaltestelle steht, ist es schön, zu erfahren, ob der Bus später kommt. Noch besser ist es, wenn man das schon vorher über eine App auf dem Handy mitgeteilt bekommt und sich vielleicht noch einen Kaffee holen kann. Die App hat man eh schon offen, weil dort Veranstaltungstickets hinterlegt sind. Die Verknüpfung der Dienste bringt den Komfort. Die Tegernsee App ist derzeit unser größtes Projekt. Sie soll alle Informationen für die Freizeitgestaltung bündeln.
Die lädt sich der Gast dann bei der Anreise herunter?
Die Tegernsee App ist für Gäste und für Einheimische gedacht. Man muss sie auch nicht herunterladen und sein Datenvolumen überstrapazieren, sondern sie funktioniert als Website, die sich wie eine App anfühlt. Wir wollen den Einstieg in die Erlebniswelt des Tegernsees so niedrigschwellig wie möglich gestalten. Die App ist kostenfrei, und man muss sich für die wichtigsten Funktionen auch nicht registrieren. Wer ein Ticket in der App buchen will, braucht dort natürlich ein Konto. Aber wer nur wissen will, wo sich die nächste öffentliche Toilette befindet oder wie weit die Tour auf den Wallberg ist, kann sich die Information einfach so holen.
Will die TTT künftig auf Druck-Erzeugnisse verzichten?
Natürlich nicht. Wir wissen, dass ein Teil unserer Gäste nicht digital unterwegs ist. Aber bei allen Printprodukten der TTT oder Anzeigen auf den Info-Monitoren wird es künftig QR-Codes geben, die direkt zur App führen. Vom Veranstaltungshinweis geht es zur betreffenden Veranstaltung, die mit wenigen Klicks gebucht werden kann. Schnellentschlossene gehen mit dem Ticket auf dem Handy 15 Meter weiter zur Einlasskontrolle und besuchen zum Beispiel ein Konzert von #wiesseerocks. Wir wollen der nachwachsenden Zielgruppe, die den Tegernsee als Urlaubsort entdeckt, und den jungen Einheimischen die Möglichkeit bieten, einen Zugang zu Erlebnissen zu haben, wie es in Großstädten der Fall ist.
Ist das der Anspruch in einer Urlaubsregion?
In Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln oder Düsseldorf kann man zu jeder Tages- und Nachtzeit per Handy einen Hol- und Bringservice über Uber buchen. Das sind alles Orte, aus denen viele unserer Gäste kommen. Sie können sich daheim Lebensmittel innerhalb von 15 Minuten zum Appartement liefern lassen. Neulich hat mir eine Gastgeberin von Urlaubern erzählt, die täglich drei Pakete aufs Zimmer bestellen. Es gibt viele digitale Angebote in der Stadt, und der Gast kommt mit der Erwartungshaltung, dass das hier auch möglich ist.
Wollen die Gäste denn nicht lieber Abstand nehmen vom Alltag?
Durchaus, aber viele junge Leute – ich meine Menschen unter 50 – sind den Service der Großstädte gewohnt. Sie wollen um 23 Uhr einen Tisch fürs Essen nach der am nächsten Tag geplanten Wanderung buchen. Das möchten wir am Tegernsee ermöglichen, wohl wissend, dass es hier viele dieser Online-Dienste nicht gibt. Darum bündeln wir sie in der Tegernsee App.
Wann soll die App verfügbar sein?
Wir stellen sie zum Tag des Tourismus am 11. Mai den Gastgebern vor, um ein Feedback einzuholen. In der Sommersaison starten wir testweise mit einem begrenzten Funktionsumfang. Wir wollen Fehler lieber früh und günstig machen als spät und teuer. Die App muss sich in der Praxis bewähren, nicht in der Schublade.
Mit welcher Funktion startet die erste Auflage?
Als erstes kommt zum Beispiel eine Audio-Tour-Funktion. Der Gast kann eigenständig eine Heimatführung erleben, aufbauend auf dem Kulturprojekt Telito. Es wird eine interaktive Karte geben, die viele Informationen mit einer guten Filterfunktion bietet, einen Veranstaltungskalender und Vorschläge für die Tagesgestaltung.
Und im zweiten Schritt?
Kommen die Online-Buchungen dazu. Da kann man dann auch ein Ruderboot mieten oder sich zur Alpakawanderung anmelden. Natürlich sollen auch die Bergbahn und die Seenschifffahrt hinzukommen, da sind wir bereits in Verhandlungen. Später kommen auch die Gästekarte und die TegernseeCard in die App. Aber das ist dann ein Projekt für nächstes Jahr.
