VonGünter Hielschließen
In Aschheim öffnet diese Woche ein Hanf-Laden, der künftig auch Cannabis anbauen und verkaufen will. Der Gemeinderat stemmt sich geschlossen gegen den „Chill out Club“.
Aschheim – Wenn heute die „Natur Erlebniswelt – Der etwas andere Bioladen“ in der ehemaligen Rewe-Filiale in der Saturnstraße eröffnet, wird 80 Meter Luftlinie weiter vor dem Aschheimer Rathaus an einem neuen Kinderspielplatz gebaut. Dieser kleine Spielplatz könnte noch große Bedeutung erlangen, wenn als zweite Stufe auf den Bioladen mit Hanfprodukten ein Cannabis-Anbauclub folgen soll. Denn nach derzeitiger Rechtslage beißen sich Anbau und Abgabe von Cannabis an Clubmitglieder mit einem Spielplatz in einem Radius von 100 Metern. Gegen die „Natur Erlebniswelt“ mit Bioprodukten hat niemand etwas im Aschheimer Gemeinderat. Doch Betreiber Wenzel Cerveny plant als zweiten Schritt, wenn der Bundestag Cannabis legalisieren sollte, seinen „Chill out Club“ als laut eigener Angabe „ersten Anbauclub Deutschlands“ zu starten. Und gegen Anbau und Abgabe von Cannabis will sich die Gemeinde Aschheim mit allen Mitteln wehren.
Die Linie des Gemeinderats, einstimmig beschlossen, lautet: Planerisch muss alles unternommen werden, um den Anbauclub zu verhindern. Seit Januar prüfe die Verwaltung alle Möglichkeiten, sagt Geschäftsleiter Christian Schürer. Baurechtlich sei das Landratsamt gefragt um zu klären, ob eine Nutzungsänderung nötig und ein Anbau von Pflanzen, im speziellen Falle eben Hanf, dort im Gewerbegebiet an der Saturnstraße zulässig ist.
Möglicher Ausschlussgrund für Anbauclub
Am Dienstag kam im Bauausschuss ein vorhabenbezogener Bebauungsplan auf den Tisch. Das Gewerbegebiet soll in den nächsten Jahren zum „urbanen Gebiet“ werden. Und auf dem Nachbargrundstück der „Natur Erlebniswelt“ ist da ein Spielplatz geplant. Was den Bioladen nicht berührt – aber ein Ausschlussgrund für den Anbauclub sein könnte.
Außerdem baut die Gemeinde Aschheim seit Montag, 19. Februar, einen kleinen öffentlichen Spielplatz vor dem Rathaus. „Auf diese Weise soll es Bürgerinnen und Bürgern bei Behördengängen ermöglicht werden, die Wartezeit mit Kindern so angenehm wie möglich zu gestalten“, schreibt die Verwaltung in einer Pressemitteilung. „Zum Spielen eingeladen sind aber natürlich auch Kinder unabhängig vom Rathaus-Besuch.“ In der dritten Märzwoche soll der Spielplatz fertig sein.
Wenzel Cerveny hatte dagegen im Gespräch mit dem Münchner Merkur betont, dass er alle gesetzlichen Vorgaben für den Anbauclub erfülle. Der Plan: In drei Räumen werden Hanfpflanzen gezogen, jeden Monat 25 Kilo Blüten geerntet. Maximal 500 Mitglieder darf der Club haben, 270 sind vorregistriert. Jeder bekommt 50 Gramm Cannabis im Monat und muss dafür zweimal kommen, weil man nur 25 Gramm legal mit sich führen darf. Kein Aschheimer müsse sich Sorgen vor einer Drogenszene machen. Die Legalisierung von Cannabis ist noch nicht durch den Bundestag. Auch dort gibt es Widerstand.
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