Gemeinde muss Investor aus der Patsche helfen

Neuem Golfplatz in Piesenkam fehlt das Wasser

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Die Speicherteiche auf dem neuen Golfplatz in Piesenkam sind nicht dicht. Deshalb geht der Anlage jetzt das Wasser aus.
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Waakirchen - Eigentlich könnte der neue Golfplatz in Piesenkam endlich eröffnen. Doch kurz vor der Fertigstellung fehlt etwas ganz Entscheidendes: Wasser für die Grünanlagen.

"Wie unprofessionell ist das denn?“, wunderte sich Gisela Hölscher (FWG) bei der Sitzung des Waakirchner Gemeinderats. Gefragt war dort die Bewilligung einer wasserrechtlichen Genehmigung zum Brunnenbau für den Golfplatz Piesenkam – und die Erlaubnis, als Nothilfe Wasser von der Gemeinde zu beziehen. Damit ein Platz gewässert werden kann, für den die Planungen seit 2001 laufen. Genehmigt ist er seit 2013.

Und jetzt ist eigentlich alles fertig. Abgesehen davon, dass Wasser fehlt, um die Ansaat feucht zu halten. In den vergangenen Hitzewochen hat ein Landwirt aus Sachsenkam jeden Tag etwa 100 Kubikmeter Wasser in Tanks nach Piesenkam gefahren, damit die Greens sprießen können. Inzwischen ist das Reservoir des Bauern erschöpft. Der Platz braucht Wasser, dringend.

„Wie kann es denn sein, dass der Investor bei einem Millionenprojekt erst jetzt feststellt, dass er kein Wasser hat?“, meinte Hölscher. Eine Erklärung hat Andrea Fräsdorf als Sprecherin der von Karl-Heinz Krutz geführten KG Golfplatz Tegernsee parat. Das Unternehmen verfüge über eine wasserrechtliche Genehmigung für einen Brunnen in einer ehemaligen Molkerei in Piesenkam. „Bei einem Pumpversuch im Frühjahr diesen Jahres stellte sich jedoch heraus, dass der Brunnen nicht mehr ergiebig genug ist“, erklärt Fräsdorf. Vorher sei kein Wasser benötigt worden. Die KG Golfplatz habe daraufhin ein Büro mit der Planung eines Brunnens beauftragt.

Die platzeigenen Speicherteiche sind nicht dicht

Das Ganze schien keine Eile zu haben: Bei normalen Wetterbedingungen reichen die auf dem Platz angelegten Bewässerungsteiche für die Pflege des Platzes aus. Doch die Speicherteiche halten das Wasser nicht. „Weil sie nicht mit Folie, sondern nur mit Lehm abgedichtet werden durften“, meint Bürgermeister Sepp Hartl (FWG).

Nun, da der im Oberland übliche Regen seit Wochen nicht fällt, herrscht Wasser-Notstand auf dem Platz. „Es sind 90 Prozent aller Ansaaten erfolgt, sie befinden sich in der Anwachspflege“, berichtet Fräsdorf. Vier Greenkeeper hat das Unternehmen angestellt, um das junge Grün zu hegen. Im Gemeinderat war man sich fast durchwegs einig in der Ansicht, den Golfplatz-Investor jetzt nicht auf dem Trockenen sitzen zu lassen. Auch wenn das Gremium über die Entwicklung des Projekts alles andere als glücklich ist.

"Der Golfplatz kommt ins Guinness-Buch der Rekorde!"

„Der Golfplatz kommt ins Guinness-Buch der Rekorde: für die längste Bauzeit“, merkte Rudi Reber (ABV) an. Für Gwenny Kalch (SPD) ist Schluss mit lustig. „Wir müssen Herrn Krutz eine Frist setzen.“ Sollte er den Brunnen nicht bauen, sei eine Konventionalstrafe angebracht. Der Investor, fand Balthasar Brandhofer (ABV) habe schon viel versprochen. „Und jetzt verspritzen wir gutes Trinkwasser auf dem Golfplatz.“ Eine klare Ansage forderte auch Andreas Hagleitner (FWG). Die Wasserlieferug an den Golfplatz dürfe nur so erfolgen, dass der Piesenkamer Bevölkerung kein Schaden entstehe. Also in begrenzter Menge und nur nachts, wenn die benachbarten Landwirte keinen Bedarf haben. „Dann sehe ich eigentlich kein Problem“, meinte Hagleitner.

Die Gemeinde setzt eine Frist

Letzlich entschied das Gremium mit 20:1 – gegen die Stimme von Hölscher –, den Bau eines Brunnens zu befürworten. Allerdings ist noch nicht klar, ob Wasser in ausreichender Menge zu finden ist. Dazu ist eine Probebohrung nötig. Und die Gemeinde setzt eine Frist: Wenn das Landratsamt die wasserrechtliche Genehmigung erteilt hat, muss der Brunnen innerhalb von sechs Monaten gebaut werden. Mit 19:2 Stimmen – neben Hölscher votierte auch Günther Jeske (FWG) dagegen – bewilligte der Gemeinderat die Entnahme von Wasser aus der gemeindlichen Versorgung. Auch dies unter engen Vorgaben. Es dürfen nicht mehr als 50 Kubikmeter pro Tag entnommen werden und dies nur nachts. Die Erlaubnis ist bis zum Jahresende befristet. Die Nachbarn und auch die Feuerwehr sind zu informieren.

Letztere darf die Teiche auf dem Golfplatz künftig im Gegenzug auch als Löschweiher nutzen. Helfen könnte im Übrigen auch die Umleitung von Oberflächenwasser aus Piesenkam. „Das kann jetzt ganz schnell erfolgen“, meint Hartl. Und hat für die Gemeinde einen großen Vorteil: Dort wären zum Hochwasserschutz in einem Wohngebiet teure Entwässerungsmaßnahmen – die Rede ist von 130.000 Euro – erforderlich geworden. Allerdings müsste es erst einmal regnen, damit der Golfplatz profitiert.

Eröffnung soll 2016 endlich erfolgen

Aus der eigentlich im August vorgesehenen Golfplatz-Eröffnung wird heuer jedenfalls nichts mehr. Zumal auch die vorgesehene Unterführung noch fehlt. Derzeit wird dafür gerade die Prüfstatik erstellt. Doch Fräsdorf ist sicher: „Die Eröffnung wird 2016 erfolgen.“

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