„Da läuten bei mir die Alarmglocken“

Neuhauser ärgert sich über Wartezeiten bei Polizei - und hat einen Verdacht

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Warten auf die Polizei: Diese Erfahrung hat Herbert Riepl aus Neuhaus gleich mehrfach gemacht.
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Warteschleife am Telefon, spätes Eintreffen der Streifen: Diese unguten Erfahrungen hat Herbert Riepl aus Neuhaus mit der Polizei Miesbach gemacht. Was steckt dahinter?

Schliersee – Zuerst dachte Herbert Riepl, er hätte sich verwählt. Warteschleife bei der Polizei? Alle Leitungen belegt? Nachts um 3.30 Uhr? Doch tatsächlich. Statt eines hilfsbereiten Beamten der Polizeiinspektion Miesbach begrüßte den Neuhauser lediglich eine Tonbandstimme, die ihn um Geduld bat – oder alternativ auf den Notruf verwies. Den wollte Riepl dann doch nicht wählen. Nicht wegen einer Ruhestörung durch grölende Leute in der Nachbarschaft. Also legte er wieder auf. Allerdings mit einer quälenden Frage: Warum ist die Polizei nicht da, wenn man sie braucht?

Dieses ungute Gefühl macht Riepl nicht allein an besagtem Anruf fest. Er ist überzeugt, dass er kein Einzelfall ist. Etliche Bekannte hätten Ähnliches erlebt. Als besonders krass ist dem Neuhauser ein Vorfall im vergangenen Jahr in Erinnerung geblieben. Ein Betrunkener sei nach einer Schlägerei im Schlierseer Kurpark blutend ins dort gelegene Tennisheim getorkelt. Die jugendlichen Mitglieder des Tennisclubs, die sich dort gerade aufhielten, riefen laut Riepl die Polizei. Doch erst nach eineinhalb Stunden sei eine Streife eingetroffen.

„Da läuten bei mir alle Alarmglocken“, sagt Riepl. Für die Sicherheit seiner Bürger zu sorgen, sei eine der ureigensten Aufgaben des Staates. Die sieht der Neuhauser im Fall der Polizei Miesbach nicht als voll erfüllt. Und er hat einen Verdacht, was die Ursache dafür sein könnte: Personalnotstand. „Das“, findet Riepl, „geht gar nicht.“

Der Neuhauser ist mit dieser Kritik nicht allein. Wie berichtet, bemängeln auch die Bürgermeister immer wieder die Differenz zwischen Ist- und Sollstärke bei der personellen Ausstattung der Polizei Miesbach. Haushams Rathauschef Jens Zangenfeind hatte im April 2018 sogar einen Brief an Ministerpräsident Markus Söder (CSU) geschrieben und eine Aufstockung gefordert.

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Beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd kann man die Aufregung nicht recht nachvollziehen. Ein direkter Vergleich der Sollstärke von 44 Beamten mit der tatsächlichen Personalstärke von 33 sei „kein zielführendes Kriterium für die Beurteilung der Leistungsfähigkeit beziehungsweise Einsatzkompetenz“, betont Pressesprecher Andreas Huber. Als „theoretischer Idealwert“ sei die Sollstärke wegen Abwesenheiten durch Abordnungen zu anderen Dienststellen, Sonderurlaube, langfristige Erkrankungen oder Mutterschutz in der Praxis regelmäßig nicht zu erreichen. Ferner würde hier auch das Personal von Dienststellen ohne eigene Sollstellen, wie zum Beispiel den Operativen Ergänzungsdiensten, eingerechnet.

Letztere kämen aber auch regelmäßig im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Miesbach zum Einsatz und würden dort die Präsenz erhöhen. Überhaupt könnten sich die Dienststellen bei „kurzfristig hohem Personalbedarf“ mit Kräften von außen verstärken. Die Koordination laufe über das Präsidium und sei „rund um die Uhr sichergestellt und bewährte Praxis“. Grundsätzlich sei jede Polizeiinspektion personell so ausgestattet, dass sie ihre Alltagsaufgaben und Präventionsarbeit ausreichend bewältigen könne. Durch eine „ständige Priorisierung“ könnten sich die Wartezeiten aber „fallangemessen unterscheiden“.

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Dass sich die Bürger keine Sorgen um ihre Sicherheit machen müssen, würden nicht zuletzt die 2018 um 9,5 Prozent auf 3821 gesunkenen Delikte und die parallel von 65,5 auf 68 Prozent gesteigerte Aufklärungsquote zeigen, sagt Huber. Dennoch wäre es aus Polizeisicht ein „zusätzlicher Sicherheitsgewinn“, wenn auch die eine oder andere Kommune im Zuständigkeitsbereich der Inspektion Miesbach den Einsatz einer Sicherheitswacht unterstützen würde. „Leider hat man von Seiten der Bürgermeister alle Vorschläge der Polizei bisher abgelehnt.“

Zu Recht, findet Riepl. „Was soll das bringen?“, fragt er. Obwohl er sich mit einer Körpergröße von 1,95 Meter und 95 Kilo durchaus zu helfen wisse, würde er sich nur ungern selbst mit Störenfrieden anlegen. „Wenn man sich dann wehrt, landet man am Ende selbst noch vor Gericht“, fürchtet der Neuhauser. Für ihn bleibt die Sicherheit allein Aufgabe der Polizei, meint Riepl. „Als Freund und Helfer der Bürger.“

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