Bauhof-Laster als Barrieren

Volksfest in Neumarkt: Auf diese Sicherheits-Maßnahmen müssen sich die Gäste einstellen

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Barriere in rot-weiß: Florian Reichl aus dem Neumarkter Bauamt hat sich viele Gedanken gemacht, damit die Volksfestbesucher in Neumarkt St. Veit einen unbeschwerten Wiesn-Besuch genießen können .
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Hinter den Kulissen des Neumarkter Volksfests läuft längst ein Sicherheitsapparat auf Hochtouren. Während sich die Besucher auf Bier, Brezn und Blasmusik freuen, denkt man im Rathaus an etwas anderes: die Sicherheit der Menschen – und das aus gutem Grund.

Neumarkt-St. Veit – Das Fahrzeug als Waffe: Terroranschläge, die sich in den vergangenen Monaten in Magdeburg, München und Mannheim zugetragen haben, haben die verheerende Wirkung von Fahrzeugen als Waffe gezeigt. In vielen Orten werden Sicherheitskonzepte auf den Prüfstand gestellt, Auflagen zur Durchführung von Feierlichkeiten deutlich verschärft oder traditionelle Veranstaltungen komplett abgesagt, wie zuletzt der Nachtflohmarkt in Mühldorf.

Sicherheit mit Außenmaß

Nach den großen Wiesn in Burghausen und Ampfing steht nun Neumarkt-St. Veit bereit für die „fünfte Jahreszeit“. Am Freitag, den 6. Juni, geht’s los. Schon seit Monaten laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Florian Reichl aus dem Rathaus hat in diesem Jahr einen klaren Schwerpunkt gesetzt: Sicherheit – konsequent, aber mit Augenmaß.

Überfahrtaten haben sensibilisiert

Grund dafür sind die zunehmenden Terrorbedrohungen, bei denen Täter versuchen, mit Fahrzeugen gezielt in Menschenmengen zu rasen. Die Bundespolizei hat hierzu jüngst einen umfassenden Leitfaden an Städte und Gemeinden verschickt – ein Handbuch zur eigenverantwortlichen Umsetzung von Schutzmaßnahmen. Reichl hat diesen sehr genau studiert.

Besonderes Augenmerk gilt dem direkt an das Festzelt angrenzenden Parkplatz. Bürgermeister Erwin Baumgartner bringt es auf den Punkt: „Hier müssen Barrieren her, damit keine Gefahr besteht.“ Auffälligstes Zeichen: rot-weiße Absperrpfosten am Festzugang. Keine wuchtigen Betonklötze, keine dekorativen Maßkrug-Attrappen aus Zement, wie man sie in Mühldorf kennt – sondern flexible, aber effektive Barrieren. „Sie erfüllen ihren Zweck“, sagt Reichl. „Es gibt keine langen Anfahrtswege – ein Fahrzeug käme gar nicht erst auf Geschwindigkeit.“ Zwar könne ein schwerer Lkw nicht gänzlich gestoppt werden, „aber es würde ordentlich krachen – das Fahrzeug wird gebremst, die Leute wären gewarnt.“ Die Polizei hat das Konzept abgesegnet.

Flexible Pfosten für die Rettungskräfte

Der Vorteil dieser flexiblen Pfosten: „Im Notfall kann die Feuerwehr sie sofort entfernen.“ Apropos Einsatzkräfte: Für sie gibt es seit zwei Jahren eine separate Zufahrt, die stets frei bleibt. Der Parkplatz selbst wird zusätzlich durch schwere Betonmodule geschützt – sie erinnern an riesige Lego-Steine. „Ein einzelnes wiegt 1250 Kilo“, erklärt Reichl. „Sie können verrutschen, aber nicht einfach durchbrochen werden – auch nicht von einem Lkw.“

Viel Licht gegen Übergriffe

Doch es bleibt nicht bei den Abwehrmaßnahmen gegen Autos und Lastwagen. Um Übergriffe im Dunkeln zu verhindern und vor allem weiblichen Besuchern ein sicheres Gefühl zu geben, wurde der Parkplatz komplett ausgeleuchtet – bereits seit 2024. Außerdem sorgt ein privater Sicherheitsdienst in den späten Abendstunden für Ordnung. „Das Zelt hat bis Mitternacht geöffnet – draußen wird dann geschaut, dass keiner auf dumme Ideen kommt.“

Festplatz wie eine Festung

Der eigentliche Festplatz gleicht einer Festung: Die Schausteller parken ihre Fahrzeuge rund um das Oval – eine Wagenburg als natürliche Barriere. Und auch das Geschehen außerhalb des Geländes hat man im Blick. „Wir haben alle Schwachstellen durchdacht“, versichert Reichl. Wenn am Freitag um 18.30 Uhr der Festzug vom Herzoglichen Kasten loszieht, wird dieser eskortiert – durch Einsatzfahrzeuge des Bauhofs und der Feuerwehr.

Auch beim Volksfestauszug wird nichts dem Zufall überlassen

Der Stadtplatz sei durch seine geschlossene Bauweise relativ sicher. Das Obere Stadttor wird durch einen Lkw blockiert. Zusätzlich werden während des Auszugs mehrere Straßen gesperrt: Altöttinger, Birken- und Einmayrstraße sowie die Einmündung der Johannesstraße zur Hörberinger Straße.

Angemessene Reaktion

Und was sagt der Festwirt? Josef Zens, der gerade noch sein Zelt einrichtet, äußert sich eher skeptisch. „Das wirkt alles ein bisserl übertrieben – hoffentlich schreckt das die Leute nicht ab“, meint er. Florian Reichl hält dagegen: „Wir reagieren angemessen und verhältnismäßig.“ Es gehe darum, die Bevölkerung zu schützen, ohne Panik zu schüren.

Man müsse eine Balance finden – nicht alles sei kontrollierbar. „Aber wir machen das, was möglich ist“, betont er. Nicht jede Einfahrt könne rund um die Uhr überwacht werden. Und dennoch: „Sich verrückt machen bringt nichts. Dann hätten die Täter ja genau ihr Ziel erreicht.“ Deshalb sein Appell: „Wir lassen uns das Feiern nicht kaputt machen!“

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