Machbarkeitsstudie im Gemeinderat vorgestellt

Neustart mit Michael Ende: Gespräche laufen an

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Nach wie vor aktuell: das Werk von Michael Ende, der hier im Dezember 1985 mit „Momo“-Darstellerin Radost Bokel während der Dreharbeiten in den Cinecitta-Filmstudios in Rom spricht.
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Michael Endes Werte und die Phantasie sollen in den Fokus rücken, wenn die Erinnerung an den Schriftsteller in seinem Geburtsort neu belebt wird. Auf Basis der Machbarkeitsstudie, die im Gemeinderat vorgestellt wurde, laufen nun die Gespräche an.

Garmisch-Partenkirchen – Sein Name findet sich im Ortsplan – der Kurpark im Ortsteil Garmisch und der Platz vor der Spielbank sind nach Michael Ende benannt. Außerdem zeugt eine Tafel an der VR-Bank Werdenfels, an deren Stelle das Geburtshaus des Schriftstellers stand, von seiner Beziehung zum Ort. Andere Bemühungen, an den berühmten Sohn des Marktes zu erinnern, ruhen seit dem Ende des Kultursommers. Die Ausstellung im Kurhaus wurde für nicht mehr zeitgemäß befunden und geschlossen. Die Bevölkerung des Parks mit phantastischen Wesen in Endes Sinn ist bis auf Weiteres verschoben. Das Amphitheater, das inspiriert vom Roman Momo entstand, versinkt im Dornröschenschlaf – bis jetzt. Endlich kommt Bewegung in die Causa Ende.

Die Machbarkeitsstudie, die die Nachlassverwalter des Künstlers in Auftrag gegeben haben, wurde jetzt im Gemeinderat präsentiert. Und kam offenbar an. Details gab Dr. Robert Leiner nur im nicht-öffentlichen Teil preis. „Zunächst müssen wir mit den Akteuren vor Ort sprechen“, betont der Wissenschaftler an der Universität München, der auf Wirtschafts-, Einzelhandelsgeographie, Tourismusforschung sowie Orts- und Stadtentwicklungsplanung spezialisiert ist. Langsam, Schritt für Schritt will er vorgehen, „um alle mitzunehmen“.

Garmisch-Partenkirchen soll Thema Michael Ende größer spielen

Nach der Vorab-Information der Kommunalpolitiker – „das war das Start-Signal“ – sucht er nun das Gespräch mit Tourismus- und Kulturvertretern. Ein halbes Jahr setzt Leiner dafür an. Schon jetzt ist aber klar, dass er Ende und sein Werk nicht allein auf touristische Einrichtungen reduzieren will. „Ich würde das Thema gern größer spielen.“ Werte und Phantasie sind die Schlagworte, mit denen er arbeiten möchte. „Dafür gibt es ganz unterschiedliche Bausteine – Sinnorientierung, Bildungsangebote und Treffpunkte.“ Auf dieser Basis könne man den Kurpark und ein Museum entwickeln, meint Leiner. Aber auch ganz neue Produkte entwickeln, wenn man beleuchtet, welche Werte das Werk des weltberühmten Schriftstellers prägen. „Ich habe den Eindruck, dass diese gut in unsere Zeit passen.“

Allein das Bild der Grauen Herren, das Ende in Momo gezeichnet hat, spricht für seine These. Diese Zeitdiebe, mit denen eine unheimliche Kälte einherging, gibt es auch heute – freilich in anderer Form. Doch vielen technischen Errungenschaften gestatten es die Menschen, ihre Zeit zu stehlen. Mit der Folge: Sie vergessen, im Jetzt zu leben und das Schöne zu genießen. Ein Ansatz für die künftige Platzierung von Endes Phantasie und Werten.

Phantasie-Bezug in Verbindung mit der Natur 

Einig sind sich die Nachlassverwalter und auch viele Akteure vor Ort, dass der Schriftsteller und sein Werk perfekt nach Garmisch-Partenkirchen passen. Insbesondere die Verbindung zur Natur überzeugt Leiner. „Da lässt sich inhaltlich viel mit Phantasie machen.“

Die Neugestaltung des Kurparks und der Villa, in der bislang die Ausstellung „Der Anfang vom Ende“ zu finden war, sind Teil des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK). Dieses ermöglicht hohe Zuschüsse durch das Städteförderungsprogramm der Regierung von Oberbayern. Zudem ist es eine wichtige Grundlage für die Ortsentwicklung. „Wenn Fördergelder über ISEK fließen, könnte man 2020 mit der Planung beginnen“, sagt Rathaus-Sprecherin Ute Leitner zuversichtlich. Damit würde die Last, die Alleinstellungsmerkmale von Kurpark und Villa herauszuarbeiten und diese zu revitalisieren, wie es in dem Konzept heißt, nicht allein auf Garmisch-Partenkirchen lasten.

Denn eines ist klar: „Der Knackpunkt ist sicher, wo das Geld herkommt“, sagte Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) im Vorfeld der Sitzung. Die finanziellen Mittel des Marktes sind begrenzt. „Das habe ich deutlich gemacht“, betont Meierhofer. „Wir können nur eine Immobilie zur Verfügung stellen.“ Dafür bietet sich die Villa im Michael-Ende-Kurpark durchaus an.

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