VonElke Robertschließen
„Noch einmal auf die Zugspitze“ und die Welt aus einem anderen Blickwinkel sehen“ – das war der Wunsch eines Schongauers, der aufgrund seiner schweren Krankheit mittlerweile an den Rollstuhl gefesselt ist und keine Ausflüge mehr unternehmen kann. Wahr gemacht haben dies drei „Wunscherfüller“ des Arbeiter Samariter Bund (ASB) mit dem Wünschewagen.
Schongau – Mit seinen Wünschewagen versucht der Arbeiter-Samariter-Bund, den ganz besonderen Herzenswunsch von Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu erfüllen, der anders nicht mehr zu realisieren ist. 24 Wünschewagen sind mittlerweile in Deutschland unterwegs. Auch in der Region können sich Menschen diesen Traum erfüllen, einer der Wagen ist in Kaufbeuren stationiert (wir berichteten). Und so sammelten die Begleiter nun einen Schongauer und seine Lebensgefährtin ein für einen Tag fernab von allen Sorgen, Diagnosen, Dialyse, Krankenhäusern und Arztterminen.
In den Tagen vorher wurde der Wetterbericht beschworen. „Es war ein unglaublich schöner Tag mit toller Fernsicht“, erzählt Uta Firnhaber, die als Intensivkrankenschwester bei der Fahrt dabei war. Die kleine Gruppe wurde von Mitarbeitern der Zugspitzbahn in Empfang genommen und in die Gondel begleitet, um dem Schongauer einen Fensterplatz zu sichern – und los ging es. Bereits nach zehn Minuten Fahrt stand der Schongauer mit seiner Partnerin auf dem Dach Bayerns und staunte über den kilometerweiten Blick bis in die Schweiz oder Richtung Eibsee mit seinem kristallfarbenen Wasser. Unbeeindruckt von der Kälte, zog der Schongauer sein Fernglas aus der Tasche und betrachtete jeden Berggipfel genau und in aller Ruhe.
„Es war wie ein Kräftetanken für den Patienten“, beschreibt Firnhaber den Tag für den Schongauer. Die Wünsche der Menschen, die sich an den Arbeiter-Samariter-Bund wenden, seien sehr unterschiedlich und meistens äußerst persönlich. Ob der Blick in die Ferne oder die Fahrt an einen See, „der Herzenswunsch ist nicht unbedingt ein Event, sondern kann auch eine Tasse Kaffee im Garten der Freundin sein“. Oder der Besuch einer Hochzeit, was einer Krebspatientin aus einem kleinen Ort im Oberallgäu ermöglicht wurde. „Für zwei Stunden war sie noch einmal das blühende Leben“, berichtet die Krankenschwester.
Möglichst persönlich gestaltet wird auch die Fahrt im Wünschewagen, der eine besondere Ausstattung hat und eben nicht wie ein Krankenwagen wirken soll. „Wer möchte, bekommt sogar einen Sternenhimmel angeschaltet“, so Firnhaber. Eine Fahrt kostet je nach Wunsch bis zu 1500 Euro. Finanziert werden die Wünschewagen vom Arbeiter-Samariter-Bund aus Spenden- und Sponsorenmitteln.
Seit knapp einem Jahr ist der Kaufbeurer Wünschewagen nun unterwegs, immerhin mehr als 40 Wunschfahrten konnten bisher bereits erfüllt werden. Der Kontakt zum Team des Wünschewagens ist möglich unter der Telefonnummer 08341/9934925. Ausführliche Informationen gibt es auch online unter www.wuenschewagen.de.
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