Kreisstadt will Qualitätssiegel erhalten

Noch keine Rad-Zertifizierung für Weilheim - Stadt muss „Hausaufgaben“ machen

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Entspannte Gesichter bei den Mitgliedern der Bewertungskommission (vorne v.l.) Gregor Hys, Robert Burschik, Petra Husemann-Roew und Birgit Zehetmaier sowie den Vertretern der Stadt (hinten v.l.) Dieter Schleiermacher, Manuel Neulinger, Stefan Frenzl, Katrin Fischer und Horst Martin.

Um Weilheim in Sachen „Fahrradfreundlichkeit“ zu bewerten, fand 2019 die „Vorbereisung“ durch die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern (AGFK) statt. Nun gab es die „Hauptbereisung“ – ohne Zertifizierung.

Weilheim – Viel ist passiert in den vergangenen vier Jahren, seit sich die Kreisstadt auf den Weg zur zertifiziert fahrradfreundlichen Kommune in Bayern begeben hat. Denn anlässlich der „Vorbereisung“ 2019 identifizierte die AGFK noch genügend Möglichkeiten zur Verbesserung der örtlichen Fahrradinfrastruktur. Ein Meilenstein war sicherlich das Förderprogramm Radverkehr, das in den Jahren 2020 bis 2022 insgesamt 35 000 Euro Fördermittel in mehr als 150 Anschaffungen von Lastenfahrrädern und Lasten- und Kinderanhängern für Fahrräder brachte.

Neben einem entsprechenden Grundsatzbeschluss wurde auch die Stabsstelle „Mobilität und Verkehr“ mit einer halben Personalstelle im Rathaus eingerichtet. Dem Anliegen widmen sich Stadtbaumeisterin Katrin Fischer, Standortförderer Stefan Frenzl und Ordnungsamtsleiterin Brunhilde Hink. Investiert wurde seitens der Stadt auch in Infrastruktur, Abstellanlagen und Marketing für den Radverkehr. Als politische Zielvorgabe setzte man sich im November 2019 eine fünfprozentige Anhebung des Radleranteils in einem Zeitraum von fünf bis sieben Jahren. Die Modal-Split-Erhebung wird aktuell vorbereitet (Anm. d. Red.: Als Modal Split wird in der Verkehrsstatistik die Verteilung des Transportaufkommens auf verschiedene Verkehrsträger oder Verkehrsmittel bezeichnet).

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Viele positive Aspekte gefunden, aber es sind noch „Hausaufgaben“ zu machen

Die Auszeichnung als „Fahrradfreundliche Kommune in Bayern“ ist ein Qualitätssiegel, das vom Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr verliehen wird. Für diese Zertifizierung fand nun die „Hauptbereisung“ durch die Bewertungskommission der AGFK statt. Dieser gehörten neben Gregor Hys von der AGFK auch Robert Burschik und Petra Husemann-Roew vom ADFC Bayern sowie Birgit Zehetmaier als Vertreterin des Ministeriums an. Begleitet wurden sie von Stefan Frenzl, Katrin Fischer, den Stadträten Manuel Neulinger und Horst Martin sowie Dieter Schleiermacher, Vorstand des ADFC-Kreisverbands. Zudem wurden noch weitere Fachleute hinzugezogen.

Bei der abschließenden Ergebnisbekanntgabe wurden viele positive Aspekte hervorgehoben wie der Grundsatzbeschluss, das gute Radverkehrskonzept, eine gute Netzplanung und Integration in das Netz des Landkreises sowie die Fahrradstraßen. Doch es gilt auch noch, „Hausaufgaben“ zu machen, wie Gregor Hys betonte. So seien die Modal-Split-Erhebung, ein Maßnahmenplan mit Priorisierungen und ausgestattet mit den erforderlichen Mitteln, ein festes Zeitbudget für den Radverkehrsbeauftragten, ein Winterdienstplan und eine institutionalisierte Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen unabdingbar für die Zertifizierung.

Überprüfung der Beschilderung wünschenswert

Wünschenswert sei überdies eine systematische Überprüfung und Verbesserung der Beschilderung sowie die Prüfung der Fahrradabstellsatzung hinsichtlich der Qualitätsstandards. „Und auch das Thema Baustellen und Radverkehr sollte man sich hier nochmal anschauen“, so Hys.

Unter diesen Gesichtspunkten erfolgte die Zertifizierung nicht, jedoch kann die Stadt diese bei Erledigung der „Hausaufgaben“ (bis zum 31. Oktober nächsten Jahres) erhalten und damit dauerhaftes Mitglied in der AGFK werden. „Es muss diesen politischen Willen geben – und auch die Bürgerschaft muss dahinterstehen“, ergänzte Robert Burschik. Die AGFK sagte hierzu jegliche Unterstützung zu.

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