VonHans Moritzschließen
Die Corona-Lage im Landkreis Erding spitzt sich weiter zu. Im Warteraum Asyl soll eine Notklinik mit bis zu 1000 Betten aufgebaut werden. Die Entscheidung soll schon am Samstag fallen. Im Landkreis gibt es mittlerweile 70 Corona-Infizierte, einer befindet sich in einem kritischen Zustand.
Erding - In einer Pressekonferenz berichtete Landrat Martin Bayerstorfer am Freitagnachmittag: „Die Lage wird schwieriger, und das immer schneller.“ Die Zahl der Infizierten sei von 54 am Donnerstag auf 70 tags drauf gestiegen. Das Wachstum ist seit Wochenmitte exponentiell. Die neu positiv Getesteten sind aus Erding (sieben), Berglern, Buch, Bockhorn, Finsing, Lengdorf, Oberding und Wartenberg (je einer). Vier Patienten befinden sich im Klinikum Erding. Ein 80-Jähriger, der seit zwei Tagen stationär behandelt wird, befindet sich laut stellvertretendem Klinikchef Martin Kornhaas in einem kritischen Zustand. Er muss dem Vernehmen nach beatmet werden, war allerdings schon vorher lungenkrank. Bayerstorfer betonte, alle Vier seien vom Flughafen gekommen.
1600 Fälle in 18 Tagen?
Die Fallzahl in Erding wird sich nach seiner Auffassung dramatisch entwickeln. „Wir müssen mit einer Verdoppelung der Fälle alle drei Tage rechnen. Das heißt, in 18 Tagen hätten wir 1600 Corona-Patienten.“ Umso eindringlicher war sein Appell an die Bevölkerung, sich an die seit Freitag, 0 Uhr, geltende Ausgangsbeschränkung zu halten. Kontakte müssten auf ein Minimum beschränkt werden.
Auch wegen dieser prognostizierten Zahlen und der Nähe des Flughafens müssen Landkreis und Klinikum weiter aufrüsten. Bayerstorfer berichtete, er verhandle mit dem Bundesinnenministerium über den raschen Aufbau einer Notklinik, eines Unterstützungskrankenhauses, im Camp Shelterschleife auf dem Fliegerhorst-Gelände. „Ich rechne mit einer Entscheidung am Samstag“, so der Landrat. Die Leichtbauhallen des Bamf stehen bereits, auch die 1000 Betten stehen seinen Angaben zufolge bereit. Als Nächstes müssten Leitungen verlegt werden – zur Sauerstoffversorgung. „Wir haben reichlich bestellt, ehe es das nicht mehr gibt“, so der Landrat. In der Notfallklinik sollen auch Beatmungsplätze bereitgestellt werden. Und das alles in Trägerschaft des Landkreises. „Personell brauchen wir da natürlich Unterstützung.“
Klinik Wartenberg hatte Versorgungsprobleme
Hilfe braucht auch die Klinik Wartenberg. Dort geht laut Bayerstorfer die Schutzausrüstung zur Neige. „Wir konnten den Kollegen aber helfen, sodass der Betrieb dort gewährleistet ist. Der Landkreis half der Klinik Wartenberg zudem bei der Antragstellung bezüglich Lohnfortzahlung für Quarantänefälle.
Aber auch der Landkreis bekommt Unterstützung. Der Flughafenverein spendiert je 5000 Schutzmasken für die Kliniken Erding und Freising. Die Aufhausener Firma Spetec stellt 100 Schutzanzüge zur Verfügung. Und die Firma Conrad aus Geretsried liefert über 1000 Kilogramm Grundstoffe, um selbst Desinfektionsmittel herstellen zu können.
Drive-Through-Screeningstelle an der FOS/BOS Erding
Weil das Wetter schlechter wird, hat der Landkreis den Aufbau einer Drive-Through-Screening-Station an der FOS/BOS in Erding für Verdachtsfälle vorgezogen. Es muss niemand mehr aussteigen. Die vierte Screeningstelle an der Realschule Taufkirchen geht laut Landrat am Montag an den Start.
Landrat: Ausgangsbeschränkung war leider notwendig
Ausdrücklich begrüßt der Landrat die Ausgangsbeschränkung. „Das war leider notwendig.“ Die Polizei werde das kontrollieren. Wer grundlos draußen sei, müsse ein Ordnungsgeld bezahlen. Sein Dank galt der Führungsgruppe Katastrophenschutz sowie dem Personal in Kliniken, Landratsamt und Screeningstellen: „Der Zusammenhalt ist enorm. Alle ziehen an einem Strang.“
Sparkasse nur noch im SB-Betrieb
Die Sparkasse Erding–Dorfen hat alle ihre Filialen geschlossen. Dies berichtet Vorstandsvorsitzender Joachim Sommer. Sie werden vorerst nur im SB-Betrieb weitergeführt. Ein- und Auszahlungen sind lediglich am Automaten möglich. Dort gibt es auch Kontoauszüge. Beratung und persönlichen Service finden Sparkassenkunden in dringenden Fällen in den Geschäftsstellen am Alois-Schießl-Platz in Erding und am Unteren Markt in Dorfen. Dafür wurde das Telefoncenter personell aufgestockt. Es ist täglich von 8 bis 18 Uhr unter Tel. (0 81 22) 5 51 10 erreichbar.
Sommer betonte, die Bargeldversorgung sei sichergestellt. Sein Geldhaus bereite sich darauf vor, die Kunden bei den Förderprogrammen zu unterstützen. So werden auch die anderen Banken verfahren.
