Serie: Alltagshelden

Notfallsanitäterin in der Corona-Krise: „Man ist einfach für den Patienten da“

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Christine Bader aus Arzbach kümmert sich einfach gerne um Menschen – vor allem um die, „die sich nicht mehr selbst helfen können“.

Für die meisten spielt sich das Leben in der Corona-Krise zu Hause ab. Doch es gibt auch viele Menschen, die in Berufen arbeiten, in denen Homeoffice keine Option ist – sie  halten den Laden am Laufen. In einer Serie stellt der Tölzer Kurier diese „Alltagshelden“ vor – stellvertretend für den ganzen Berufsstand.

Bad Tölz - Wenn sich Christine Bader für einen ihrer besonderen Einsätze fertig macht, ist das eine aufwendige Angelegenheit: Über die normale Dienstkleidung kommt ein gelber Schutzkittel, die Hände steckt sie in zwei Paar Handschuhe, die Augen werden mit einer speziellen Schutzbrille bedeckt, und über Mund und Nase kommt eine sogenannte FFP-2-Atemschutzmaske. Bader ist hauptberufliche Notfallsanitäterin beim BRK in Bad Tölz. Und seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie gehören für die 22-Jährige auch Transportfahrten von an Covid-19 erkrankten Patienten mit dazu. Für die Arzbacherin fühlten sich auch diese Einsätze noch irgendwie nach Alltag an. Allerdings „schützen wir uns viel mehr vor einer Gefahr, die keiner sieht“. Natürlich denke man manchmal darüber nach, ob der Schutz ausreiche. „Aber wir sind in unserem Beruf immer Gefahren ausgesetzt. Das Manko hier ist nur, dass das alles noch relativ unerforscht ist.“

„Wir sind in unserem Beruf immer Gefahren ausgesetzt“

Im Oktober 2016 hatte Bader ihre Ausbildung zur Notfallsantäterin begonnen. Seit einem halben Jahr ist sie nun im Schichtdienst unterwegs und fährt im Wechsel Krankentransporte oder arbeitet in der Notfallrettung. Da gilt es dann, die Schwere der Verletzung oder Erkrankung einzuschätzen, zu entscheiden ob ein Notarzt benötigt wird und beim Transport in die Klinik den Patienten zu überwachen und betreuen.

Dass sie sich nach dem Fachabitur für diesen Weg entschieden hat, war irgendwie vorgezeichnet. Der Berufswunsch wurde ihr quasi in die Wiege gelegt. Christine Baders Vater war Rettungsdienstleiter in Bad Tölz, die Mutter arbeitet im Krankenhaus. Da war nach einem zweiwöchigen Praktikum schnell klar, wohin die Reise gehen würde. Sie kümmere sich einfach gerne um Menschen, sagt sie, vor allem um die, „die sich nicht mehr selbst helfen können“.

Die Krise hat die Kollegialität im Team gestärkt 

Dass sie diesen anstrengenden Beruf möglicherweise nicht bis ins hohe Alter ausüben kann, ist Bader bewusst. Deshalb möchte sie sich ein zweites Standbein suchen. Innen- oder Landschaftsarchitektur könnte sie sich vorstellen. Bis es soweit ist, möchte sie aber auf jeden Fall noch die Qualifikation zum Einsatzleiter machen.

Mit Blick auf die Corona-Krise macht sie sich schon Gedanken, ob alle benötigten Materialien über den Sommer hinaus reichen. Aber noch sei alles gut, sagt sie. Das gilt auch für ihre Motivation und die der Kollegen – trotz der wachsenden Belastung: „Man blendet das alles aus und ist einfach für den Patienten da“, sagt Bader. Überhaupt, die Krise habe die Kollegialität im Team noch gestärkt. „Man achtet noch mehr auf die Kollegen und wächst stärker zusammen.“

Dass die momentane Situation nicht nur ihren Arbeitsalltag verändert hat, sondern natürlich auch das Privatleben einschränkt, geht die junge Notfallsanitäterin wie ihren Beruf pragmatisch an: „Um mich fitzuhalten, schaue ich mir viele Youtube-Videos an und trainiere einfach im Garten“, erzählt sie lachend. Und es gebe ja auch Videotelefonie, um die Freunde weiterhin zu sehen.

Arndt Pröhl 

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