20 Millionen Euro Schaden

Fast ein Jahr nach dem Starkregen: An wichtiger ICE-Trasse wird immer noch gebaut

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Fährt auch durch Kitzingen: ein ICE.
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Das Unwetter vom 24. Juni 2024 unterspülte einen Hang an der Strecke Nürnberg-Würzburg. Auch jetzt sind die Schäden noch nicht beseitigt. Die Sanierung ist ein immenser Aufwand.

Starke Regenfälle in Schwaben und Oberbayern sowie im unterfränkischen Landkreis Kitzingen sorgten vor fast einem Jahr für Bahnchaos. Dabei entstanden 20 Millionen Euro Schaden – den Schaden bei der Bahn nicht eingerechnet. Denn die Regenfälle hatten zwischen Dettelbach und Kitzingen die Gleisinfrastruktur „schwer beschädigt“, wie eine Bahnsprecherin damals auf Anfrage mitteilte. Gleise wurden unterspült, der Hang unterhalb der Gleise geriet ins Rutschen.

Der Bahndamm nahe Kitzingen am vergangenen Samstag. Die Arbeiten dauern immer noch an.

Nun müsse „der Damm stabilisiert und teilweise neu aufgebaut werden“, sagte die Bahnsprecherin weiter. Und die Arbeiten dauern immer noch an, wie eine neuerliche Anfrage von merkur.de ergab.

Die Bahnstrecke zwischen Kitzingen und Mainstockheim im Juni 2024. Arbeiter inspizieren den Bahndamm.

„Die Arbeiten im vom Hochwasser beschädigten Hangbereich sind noch nicht vollständig abgeschlossen“, erklärte die Bahn. „Wir gehen zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass die maßgeblichen Arbeiten zur Hangsicherung bis Juni 2025 abgeschlossen sind.“ Die Strecke Kitzingen-Dettelbach ist bereits seit Mitte September 2024 wieder zweigleisig und mit voller Geschwindigkeit befahrbar – wobei die ICE-Züge allerdings nur maximal 100 km/h erreichen.

Von der Straße unterhalb der Bahnstrecke sind die Bauarbeiten gut zu beobachten.

Schäden an 18 Stellen

„Es gab in dem 1,5 Kilometer langen Abschnitt mehrere Hang- und Dammrutsche, die Gleise wurden unterspült. Insgesamt gab es Beschädigungen an 18 Stellen“, erläutert eine Bahnsprecherin. „Da der betroffene Abschnitt vollständig in einem Trinkwasserschutzgebiet liegt, waren alle Bauarbeiten eng mit dem Wasserwirtschaftsamt abzustimmen. Alle Arbeiten wurden außerdem von einem Umwelt-Ingenieur vor Ort begleitet.“

Der Damm soll bald begrünt werden, noch dauern die Arbeiten an.

Ursache für die Bewegung im Erdreich waren die großen Wassermassen aufgrund des Starkregens. „Unsere Gleisanlagen verfügen prinzipiell über leistungsfähige Entwässerungsanlagen. Diese sind grundsätzlich auch auf Starkregenereignisse wie im Juni ausgelegt und können große Wassermassen aufnehmen bzw. ableiten. In den geschädigten Abschnitten befinden sich oberhalb der Gleisböschung jedoch landwirtschaftliche Flächen, auf denen sich große Wassermengen gesammelt und sich über das Gleis ergossen haben.“ So wurde beispielsweise die Tiefenentwässerung im Gleisbereich neu aufgebaut und neu dimensioniert.

Oben fährt der ICE, unten der Bagger. Momentaufnahme von den Bauarbeiten am vergangenen Samstag.

Zudem werden die Hänge Rigolen (Pufferspeicher für Wasser), Weidenbuschwerk und sogar Netzen aus Kokosfasern stabilisiert. Die Netze werden aus Indien importiert. „Die Kokosnetze sind als Erosionsschutz notwendig und die Weiden sorgen dafür, dass der aufgetragene Oberboden nicht wieder abrutscht“, erklärt die Bahnsprecherin weiter. Die Arbeiten zur Begrünung der Hangbereiche können voraussichtlich im Juni 2025 beginnen.

Mit Netzen aus Kokosfasern soll Erosion vorgebeugt werden. Die Netze werden in Indien hergestellt, eins ist 50 Meter lang und zwei Meter breit.

Norbert Moy von Pro Bahn ist erstaunt über den immensen Aufwand. Er forderte die Bahn auf, mehr Vorsorge zu unternehmen. „Das Thema Resilienz gegen Extremwetterereignisse wird in nächster Zeit sicher an Bedeutung gewinnen.“ Durchlässe und Entwässerungen an Bahnstrecken müssten grundsätzlich neu dimensioniert werden.

Ein Bagger schaufelt Erde weg, die Richtung Gleise gerutscht war (Bild von Juni 2024). Der Mast rechts im Bild ist leicht schief, eine Folge des Starkregens.

Bereits 2023 war die Strecke wegen der Sanierung monatelang gesperrt worden Der Kitzinger Bahnexperte Andreas Witte sagte damals gegenüber merkur.de: Es sei fraglich, ob die Bahn die sogenannte „Klimaanpassung“ mitbedacht habe.

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