- VonJulian Limmerschließen
Die Tradition des Geldbeutelwaschens am Fischbrunnen soll finanziellen Segen bringen. Vor der Kommunalwahl am 8. März sprechen die OB-Kandidaten dabei auch über ihre Spar- und Einnahmepläne für die Stadt.
Es ist ein jahrhundertealter Brauch am Aschermittwoch – und heuer vielleicht dringender denn je: das Geldbeutelwaschen. Wer seine Geldbörse in den Fischbrunnen taucht, darf laut Volksglauben auf finanziellen Segen hoffen. Und genau so einen könnte die Stadt München derzeit gut gebrauchen. „So leer wie dieses Jahr war unser Geldbeutel noch nie“, sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Gemeint sind natürlich die klammen Stadtkassen. Das zeige, dass an dem Brauch vielleicht doch was dran ist, witzelte Reiter – schließlich war die Waschen voriges Jahr ausgefallen.
Doch im Ernst: Am 8. März ist Kommunalwahl. Wir haben die aussichtsreichsten OB-Kandidaten gestern gefragt, wie sie den Geldbeutel der Stadt wieder füllen wollen. OB Reiter spricht eine bittere Realität an: „Investieren ist teurer geworden.“ Grund: höhere Baupreise und Zinsen. Viele Projekte wie Kita- und Schulausbau seien jedoch seit Jahren beschlossen – er will sie auch nicht stoppen. Die Investitionen seien wichtig für die Zukunft. Neue Projekte will er jedoch strenger prüfen, bei Gutachten sparen und weniger Wettbewerbe ausschreiben. Auch beim Personal will Reiter weiter bremsen. In seiner Amtszeit entstanden knapp 10.000 Stellen. Das sei richtig gewesen, denn die Stadt wächst. Nur: „In Zukunft wird es das in diesem Umfang nicht mehr geben.“ Das sei bereits beschlossen.
Sparen durch effizientere Verwaltung
Auch Dominik Krause (Grüne), derzeit Zweiter Bürgermeister, will beim Personal ansetzen. Die Kosten dafür liegen bei rund drei Milliarden Euro pro Jahr. Der beschlossene Einstellungsstopp für externe Bewerber in zahlreichen Bereichen sei daher richtig gewesen, so Krause. Die Verwaltung müsse gleichzeitig effizienter werden, etwa durch Digitalisierung – auch künstliche Intelligenz (KI) könnte helfen. Krause findet aber : „Es bleibt wichtig, weiter zu investieren – auch wenn das bedeutet, mit Augenmaß Schulden aufzunehmen.“ Denn nur so kann München „attraktiver Gewerbestandort“ bleiben.
Hier setzt CSU-Kandidat Clemens Baumgärtner an, verweist auf seine Zeit als Wirtschaftsreferent: „Wir müssen darüber nachdenken, wie wir die Einnahmebasis steigern.“ Heißt: mehr Gewerbesteuereinnahmen. München müsse für Firmen noch attraktiver werden. Zugleich will er sich beim Freistaat für mehr Gleichheit bei den Gewerbesteuerhebesätzen einsetzen: In Grünwald (240 Prozent) zahlt man zum Beispiel deutlich weniger als in München (490 Prozent). Ein Standortnachteil. Es gehe nicht um „Gleichmacherei“, sondern um weniger Gefälle, so Baumgärtner. Sparen will er beim Bau: „Wir haben uns Luxus geleistet, den es nicht immer braucht.“ Nicht immer weiter nur mit „Goldstandard“ bauen, so lautet seine Devise – ob bei Verkehrswegen oder Verwaltungsgebäuden.
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