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Nun steht auch der nächste Kandidat für die OB-Wahl in Fürstenfeldbruck fest: Joe Kellerer geht für Die Partei ins Rennen - aber auch unter diesem Namen?
Fürstenfeldbruck – Der sechste Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl am 5. März in Fürstenfeldbruck steht nun fest: Joe Kellerer, Bio-Landwirt, 33 Jahre alt, aus dem dörflich geprägten Stadtteil Lindach. Er geht für „Die Partei“ ins Rennen um den Rathaussessel und wurde dafür ganz offiziell nominiert.
Die Partei schreibt sich selbst in Großbuchstaben („Die PARTEI“) und wird seit ihrer Gründung 2004 nicht müde, mit provokativer Politik etablierten Gruppierungen und Mandatsträgern Stimmen abzuluchsen. Entsprechend bissig und ganz im Sinne des Parteigründers Martin Sonneborn, der mittlerweile im Europaparlament vertretene TV-Satiriker, wurde Kellerers Nominierungsversammlung inszeniert.
Der Schauplatz: das Klubhouse. Das ist gleichzeitig die Stammkneipe, regionale Parteizentrale und Wirts-Wohnzimmer der Brucker Galionsfigur der Partei: Florian Weber. Dieser hatte bei der OB-Wahl 2017 als selbst ernannter „Bürgermeister der Herzen“ immerhin 4,8 Prozent der Stimmen abgeräumt. Noch einmal wollte der weiterhin im Stadtrat vertretene 35-Jährige trotzdem nicht antreten.
Aber die Partei wäre nicht „Die PARTEI“, wenn sie daraus keine Show machen würde. Weber lieferte sich mit seinem „Gegenkandidaten“ per Powerpoint-Präsentation eine viertelstündige schmutzige Wahlkampf-Parodie mit Verunglimpfungen und Erniedrigungen. Dass Kellerer danach einstimmig zum Kandidaten gekürt wurde, löste Heiterkeit aus.
Elf Parteimitglieder – bundesweit sind es knapp 55 000 – hatten dem Lindacher ihr Vertrauen geschenkt. Die genaue Zahl von Brucker Gefolgsleuten ließe sich zwar erst nach einer Rückfrage in der Berliner Zentrale feststellen, doch die anwesenden Getreuen konnten sich mit ihren Parteiausweisen zur vorschriftsmäßigen Stimmabgabe legitimieren. Und die meisten trugen die für solche Anlässe bei Männlein wie Weiblein obligatorischen roten Krawatten.
Kellerer, der mit dem gleichnamigen Ex-CSU-OB aus Aich entfernt verwandt ist und den gleichen Beruf ausübt, will auf einen großflächigen Straßenwahlkampf verzichten. Auch Webers einstiger Forderung, eine „Mauer um Aich“ zu ziehen, will sich der Newcomer aus naheliegenden Gründen ebenso wenig anschließen wie der damals propagierten „Sprengung der Amperbrücke“. Der Lindacher bevorzugt vielmehr einen „kontrollierten Abbau“.
Der Landwirt, der sich ausschließlich dem Getreideanbau widmet und auf Viehhaltung verzichtet („Das einzige Tier auf dem Hof ist eine Katze“), ist ebenso leidenschaftlicher Musiker wie ehrgeiziger Triathlet. Ob sich Kellerer, in dessen Personalausweis Johannes als Vorname steht, auf dem OB-Stimmzettel Joe nennen darf, muss erst noch von Amts wegen genehmigt werden.
Der entfernte Verwandte aus Aich hatte sich seinerzeit jedenfalls als Josef listen lassen, obwohl jeder Sepp zu ihm sagt. Nachdem CSU (Andreas Lohde), SPD (Philipp Heimerl), Freie Wähler (Markus Droth), BBV (Christian Götz) und ÖDP (Alexa Zierl) ihre Kandidaten bereits präsentiert haben, fehlen jetzt nur noch Die Grünen. Deren Nominierungsversammlung ist für 21. November terminiert.
