VonIngrid Zeilingerschließen
Es gibt keine Herausforderung, der sich Markus Droth nicht stellt. Ob eine Lokaleröffnung während Corona oder die Energiewende. Nun kommt eine weitere hinzu. Denn der Freie Wähler will Oberbürgermeister werden.
Fürstenfeldbruck – Politik und Ehrenamt sind Markus Droth in die Wiege gelegt worden. In seinem Elternhaus wurde über Politik diskutiert, in seiner Familie genauso. Sein Sohn (22) sitzt mittlerweile im Stadtrat, seine Tochter (19) im Stadtjugendrat. „Wir vermitteln, dass es wichtig ist, sich ehrenamtlich zu engagieren“, sagt der 56-Jährige. Und zum Ehrenamt gehört für ihn neben der Mitgliedschaft in Vereinen, dem fraktionsübergreifenden Fußballspiel und dem Theaterspielen beim Brucker Brettl auch die Arbeit als Stadtrat. „Der Stadtrat ist auch eine große Bühne“, sagt Droth. „Da muss man zu spielen wissen.“
Der Playing Captain
Und das will er als Oberbürgermeister tun – mit einem umfassenden Paket an Berufs- und Lebenserfahrung, Stehvermögen, Ausdauer und Leidensfähigkeit, die er mitbringe. Aber weniger als Regisseur, sondern eher als „Playing Captain“, also Spielertrainer. Da müsse man Bälle verteilen. „Ich erwarte aber auch, dass der Ball zurück kommt.“ Womit er die Stadträte in die Pflicht nimmt. Dort wird ihm zu lange diskutiert. Man müsse die Sitzungen besser vorbereiten, vorab mal in die Fraktionen gehen und effizienter werden. „Wir müssen das überparteiliche Miteinander pflegen und wieder Freiräume haben, das zu erleben.“
Die kleine Bewerbungsrede
Ich bin der richtige Oberbürgermeister für Fürstenfeldbruck, weil ich die umfassende berufliche und ehrenamtliche Erfahrung für die Themen dieser Stadt mitbringe. Ich kann mit Menschen arbeiten und bringe die nötige Sachkompetenz mit. Durch mein bisheriges Engagement bin ich in Bruck gut vernetzt und kann dadurch Projekte voranbringen. Und ich fühle mich fit für das Oberbürgermeisteramt. Ich kann mir vorstellen, das Amt nach drei Jahren zur Verfügung zu stellen, würde dies aber vom Fortgang der Projekte und der Zusammenarbeit im Stadtrat abhängig machen. Wenn Themen noch nicht richtig laufen, möchte ich nicht gleich wieder aussteigen oder es so erscheinen lassen.
Im Laufe der Jahrzehnte seit seinem ersten Einzug in den Stadtrat 1990 – damals noch für die CSU – hat Droth erlebt, dass das Ehrenamt immer zeitaufwendiger wurde. Auch er hat als Jugendreferent und jetzt Markt- und Festreferent viel investiert und auf die Beine gestellt. Umso mehr ärgert ihn, wenn die Kommunikation nicht klappt und man erst in der Sitzung erfahre, dass ein Projekt aus dem Ruder laufe. Als Beispiele nennt er das Sportzentrum West und den Neubau der Amperoase. „Man hätte vorher politisch diskutieren müssen, was man möchte“, kritisiert er. Das zu koordinieren, sieht er als Aufgabe des Rathauschefs an. Er halte als erster Diener der Mannschaft die Truppe zusammen und sei Scharnier zwischen Verwaltung und Stadtgesellschaft.
Alle ins Boot
Diese will er mehr einbinden. „Die Stadtverwaltung kann nicht alles machen“, sagt Droth. Beiräte, Vereine, Stiftungen – all sie müssen mitarbeiten. Etwa bei der Eishalle. Ob ein Verein das stemmen kann, dahinter stehe ein Fragezeichen. „Aber man kann sie nur betreiben, wenn die Vereine mit an Bord sind.“ Hier sieht er auch die Stadtwerke in einer zentralen Rolle. Die müssten fit für die Energiewende gemacht werden. Zum Beispiel Windräder bauen und so Geld verdienen, das dann für andere Projekte zur Verfügung steht.
Als Wirt des Ameisenstü-berls kennt er die Strömungen in der Stadt. Und er weiß, dass die Vereine durchaus bereit sind, sich einzubringen. Etwa, wenn es um bezahlbaren Wohnungsbau geht. Am Krebsenbach und am Hochfeld kann er sich Genossenschaftsanteile vorstellen. Gleiches gilt für Projekte mit der Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises. Seine Idee: Die Industha soll zu einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft weiterentwickelt werden. Diese könnte am Fliegerhorst aktiv werden.
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Apropos Fliegerhorst: „Das wird eine Herkulesaufgabe und geht nur mit einer schlagkräftigen Truppe in der Stadtverwaltung“, sagt Droth. Dort gebe es gute Leute, um die Stadt zu gestalten. Neben all den Plänen von Wohnen über Gewerbe bis hin zur Freizeit dürfe man die einheimische Wirtschaft nicht vergessen. „Man muss den Handwerkern und Betrieben die Chance geben, sich zu erweitern.“
Weitere Themenfelder sind für Droth die Kinderbetreuung – mit einem Rechtsanspruch ab 2026 aber zu wenig Personal –, Sport- und Freizeiteinrichtungen und auch der Verkehr. „Sollte man noch mal die Verlagerung der B 2 anpacken, geht das nur mit der Entwicklung des Fliegerhorstes als unterirdische Variante.“
Bürgerprojekte
Alles andere ist unbezahlbar. Die finanzielle Lage sei eine Herausforderung, aber nicht hoffnungslos, sagt Droth. „Herausforderungen meistern ist das, was mich ein bisschen auszeichnet.“ Man müsse vorausschauend wirtschaften und auch an Stellschrauben drehen. Dabei denkt er an die Grundsteuer. „Wenn ich mir als Stadt etwas leisten möchte, kostet das was“, sagt der 56-Jährige. „Die Bürger zu beteiligen darf nicht am Geldbeutel aufhören.“ Das müsse man ihnen vermitteln. Dafür möchte er die Bürger bei eigenen Projekten unterstützen. „Wenn wir 100 Bürger haben, die auf ihr Stadtviertel schauen, dann haben wir viel gewonnen.“ Deshalb haben die Freien Wähler beschlossen, statt Wahlpräsenten 4000 Euro für Bürgerprojekte zur Verfügung zu stellen.
Die Serie
Am 5. März wird der neue Oberbürgermeister gewählt. Das Tagblatt stellt die Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge vor.
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