VonSebastian Grauvoglschließen
3000 Karten, 12 000 Transaktionen: Das ist die Bilanz nach einem Jahr Oberlandcard. Doch die Initiatoren wollen noch mehr – und planen bereits eine Ausweitung in andere Landkreise.
Landkreis – In turbulente Zeiten wurde die Oberlandcard hineingeboren. Mitten in der Corona-Pandemie erblickte sie das Licht der Welt. Nun hat das erste landkreisweite Bonusbezahlsystem Deutschlands seinen ersten Geburtstag gefeiert. Stilecht mit einer liebevoll gestalteten Torte, die die Projektinitiatoren der Standortmarketing-Gesellschaft (SMG) mit zum Pressegespräch am Landratsamt gebracht hatten. Ihr Fazit: Die Oberlandcard ist im Leben angekommen – und bald soll sie auch Geschwister in anderen Landkreisen bekommen.
Initiatoren mit Zahlen aus erstem Jahr zufrieden
An ihrem Abstammungsort habe sich die Oberlandcard bereits gut entwickelt, berichteten Regionalmanager Florian Brunner und Projektmanagerin Patricia Karling. 3000 der kleinen blauen oder grünen Karten seien im Umlauf, 56 Geschäfte würden beim Einkauf Bonuspunkte darauf gutschreiben oder diese in Form von Rabatten einlösen. Mehr als 20 Unternehmen hätten die Oberlandcard an ihre insgesamt 300 Mitarbeiter ausgegeben, um ihnen darüber monatliche Boni von 30 bis 50 Euro als steuerfreie Sachzulagen zu überweisen. 125 000 Euro seien hier zusammengekommen. 13 Arbeitgeber hätten auf die Einmalleistungen des Oberlandgutscheins als Geschenk oder Gratifikation zurückgegriffen. Nimmt man alle Bereiche zusammen, habe man 12 000 Transaktionen gezählt.
Dass die Oberlandcard eine gewisse Anlaufzeit gebraucht habe, räumt Brunner durchaus ein. So habe es bei den meisten Geschäften ein gutes halbes Jahr gedauert, ehe „der Rubel gerollt ist“. Als Vorsitzender der Gemeinschaftswerbung Miesbach (GWM) und Sohn eines Einzelhändlers habe er auch die Hürden im täglichen Einsatz mitbekommen, erklärt Brunner. So lasse sich die Bonusbezahlkarte noch nicht eins zu eins in die Kassensysteme und damit in die Buchhaltung einbinden. Da in Deutschland rund 300 verschiedene Anbieter verbreitet seien, würden Verbesserungen Zeit brauchen. „Aber unser IT-Dienstleister ist da dran“, versichert Brunner. Ebenso wie an einer eigenen Smartphone-App, die die Handhabung für die Kunden verbessern soll.
Partner sind zufrieden
Dass sich der Einsatz auch jetzt schon lohnt, bestätigt die Inhaberin des Miesbacher Nähparadieses Hein, Gabriele Hein-Fischer. Trotz der coronabedingten Einschränkungen habe sie seit Einführung der Oberlandcard ein Umsatzplus verzeichnet und neue Kunden gewonnen. Dass sich die Karte auch zur Gewinnung und Bindung von Fachkräften eignet, berichtet Anja Frank, Geschäftsführerin von Frank Dental in Gmund. Seit November 2021 erhalten ihre Angestellten monatlich 50 Euro auf ihre Oberlandcard. Gerade in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten „eine wirklich tolle Wertschätzung für das Team“, schwärmt Frank.
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Die hätte auch das Landratsamt gern seinen 444 Angestellten zukommen lassen, berichtet Landrat Olaf von Löwis. Doch das Tarifrecht durchkreuzte die Pläne. So habe man sich entschieden, den Kollegen zumindest Oberlandgutscheine im Wert von je 44 Euro zu Weihnachten zukommen zu lassen. Gut investiertes Geld, findet Löwis: „Regionalität ist Trumpf, und den spielt die Oberlandcard mit voller Energie aus.“ Denn die Kartennutzer würden ihr Guthaben nicht im Online-Handel ausgeben, sondern in den Geschäften vor Ort. So bleibe die Kaufkraft in der Region, die „schleichende Verödung“ der Innenstädte würde gestoppt.
Akquise von Arbeitgebern im Fokus
Um diesen positiven Kreislauf weiter anzutreiben, wollen Brunner und Karling den Fokus in den kommenden Monaten auf die Akquise von weiteren Arbeitgebern legen. „Je mehr Geld ins System kommt, desto mehr Partner werden sich finden“, ist Brunner überzeugt. Einen zusätzlichen Schub soll eine Ausweitung des Systems auf weitere Landkreise im Oberland geben, fügt SMG-Geschäftsführer Alexander Schmid hinzu. So könnten bis Ende des Jahres auch Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen mitmachen – eine gute Grundlage für eine Verlängerung der staatlichen Förderung über den 31. Dezember 2022 hinaus. „Der Name Oberlandcard war von Anfang an ganz bewusst so gewählt“, betont Schmid.
Gleiches gilt laut Löwis für die neue Gesellschaft Regionalentwicklung Oberland (REO), in der SMG und ATS aufgehen sollen (wir berichteten). „Entscheidend sind nicht mehr die Grenzen der Verwaltungsbezirke“, findet der Landrat. „Es geht um eine gemeinsame Identität.“
sg
