Anhaltende Hitzewelle

Ohne Regen wird es bald kritisch

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Riesiger Durst: Auf den Weiden wird das Wasser fürs Vieh langsam knapp. Das Bild entstand 2013 auf dem Ludern-Hochleger. Damals herrschte extreme Wasserknappheit, die Kühe mussten frühzeitig in Richtung Tal getrieben werden.
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Langsam zeigt der schöne Sommer seine Schattenseiten: Die Waldbrandgefahr ist extrem hoch, das Landratsamt fordert die Bevölkerung auf, sparsam mit Wasser umzugehen. Regnet es nicht bald, trifft es auch die Bauern hart – im Tal und auf dem Berg.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Bezirksalmbauer Hans Probst hofft auf Regenwetter. Am besten mehrere Tage hintereinander. Durch die anhaltende Dürre geht auf den Almen langsam das Wasser zur Neige – zumal eine Kuh 100 Liter und mehr pro Tag säuft. „Der Graswuchs ist momentan auch zum Stillstand gekommen“, sagt der Lenggrieser. Die Tiere wie vor fünf Jahren frühzeitig Richtung Tal zu treiben, sei momentan kein Thema. Noch haben die Quellen und Bäche laut Probst genug Wasser. „Die Situation kann sich aber relativ schnell verschärfen.“

Luftbeobachtungsflüge am Wochenende

Was die Waldbrandgefahr angeht, geht es bereits jetzt kaum schlimmer. „Es ist brandgefährlich“, sagt Rudolf Plochmann, Leiter des Tölzer Forstbetriebs. „Ich kann nur jeden eindringlich bitten, sich an die Verbote zu halten.“ Das heißt: keine Zigaretten im Wald, kein Lagerfeuer an der Isar oder am Walchensee. Wegen der anhaltend hohen Brandgefahr hat die Regierung von Oberbayern am Freitag Luftbeobachtungsflüge für das gesamte Wochenende angeordnet. Auch in Königsdorf starten die Luftbeobachter, um eventuelle Gefahrenpunkte frühzeitig zu erkennen.

Wie ernst die Situation ist, zeigt auch eine Pressemitteilung des Tölzer Landratsamts vom Freitag. Zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt Weilheim appelliert die Behörde an die Bevölkerung, sparsam mit Wasser umzugehen. „Das gilt sowohl für die Verwendung von Trinkwasser zum Gartengießen als auch für die direkte Wasserentnahme aus Gewässern“, betont Landratsamts-Sprecherin Marlis Peischer.

Sylvensteinspeicher sinkt jeden Tag um 16 Zentimeter

Entspannter ist die Lage am Sylvensteinspeicher – auch wenn der Pegel derzeit jeden Tag um 16 Zentimeter sinkt. 14 000 Liter pro Sekunde fließen aktuell zur sogenannten Niedrigwasseraufhöhung in die Isar. Das klingt viel, ist Johannes Riedl zufolge aber nicht allzu ungewöhnlich. „Das hatten wir schon ein paarmal“, sagt der stellvertretende Leiter des Wasserwirtschaftsamts in Weilheim. Derzeit liege der Pegel über zwei Meter unter dem Sommer-Stauziel.

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Sollte es kommende Woche weiterhin so heiß bleiben, drosseln die Verantwortlichen die Abgabe auf 12 000 Liter pro Sekunde, das Minimum liegt bei 5000 Litern. Dann wird es langsam problematisch für die Gewässerökologie der Isar, da Tiere und Pflanzen auf ausreichend Wasser angewiesen sind. „Bis Baierbrunn gibt es aber noch keine Probleme“, sagt der Experte.

„Noch sind die Auswirkungen überschaubar“, sagt auch Peter Fichtner aus Bad Heilbrunn. Anders als in Ackerbaugebieten bestehe im Landkreis mit 90 Prozent Grünland kein Grund zur Hysterie. Gleichzeitig betont der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands: „Wir kommen jetzt in eine Phase, wo jeder Tag zählt.“ Eine Ernte sei bereits ausgefallen. Sollte es nicht bald regnen, könnten die Verluste noch größer werden. In Konsequenz würde das Futter für die Tiere nicht über den Winter reichen. Für etliche Landwirte im Nordlandkreis werde es schon jetzt schwierig: Dort überwiegen kiesreiche Böden, die noch schneller verbrennen.

Mehr Patienten mit Herzinfarkten

Neben der Natur und den Tieren leiden vor allem Senioren und Menschen mit einer verminderten Pump-Funktion des Herzens unter der Hitze. „Es werden derzeit mehr Patienten mit Verdacht auf einen Herzinfarkt bei uns eingeliefert als sonst“, sagt Dr. Hans-Wilhelm Gerbig, Leitender Oberarzt der Notaufnahme an der der Asklepios-Stadtklinik Bad Tölz. Bei hohen Temperaturen muss das Herz mehr Blut durch den Körper pumpen, was ohnehin Herzkranke vor Probleme stellt.

Um nicht ebenfalls in der Notaufnahme zu landen, sollte jeder viel trinken und sich wenn möglich im Schatten aufhalten. „Ganz wichtig ist es auch, den Kopf vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen und eine Kopfbedeckung zu tragen.“

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