Online-Petition läuft

Drohendes Herzkasperl-Aus: Künstler und Politiker kämpfen für das Zelt auf der Oiden Wiesn

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Wiesn-Aufregung schon weit vor dem Oktoberfest: Nach dem Bericht über das drohende Aus des Herzkasperlzelt bekommt Wirt Josef „Beppi“ Bachmaier große Hilfe.

München – Unklare Zukunft fürs Herzkasperlzelt! Der Kult-Institution auf der Oiden Wiesn droht das Aus - im Punkte-Katalog der Stadt für die Vergabe landet es wohl hinter einem Mitbewerber. Die endgültige Entscheidung steht aber noch aus. Doch jetzt bekommt das Herzkasperlzelt Rückendeckung: Im Internet läuft eine Petition, die sich für den Verbleib des Zelts einsetzt.

Wirt Beppi Bachmeier (li.) bibbert um den Verbleib seines Herzkasperlzelts auf der Oiden Wiesn. Helmut Schleich (re.) will, dass das Zelt bleibt.

Herzkasperlzelt: 3000 Menschen unterzeichnen Online-Petition

Schon nach einem Tag hatte sie knapp 3000 Unterzeichner. Zum Unterstützerkreis gehören auch bekannte Musiker, Kabarettisten und Politiker. Unsere Redaktion hat einige gefragt, wieso ihnen das Herzkasperl eine Herzensangelegenheit ist.

Im Herzkasperl hört man Musik, die man sonst nirgends hört.

Musiker Ecco Meineke
Das Zelt im vergangenen Jahr: Viele Oktoberfest-Besucher schätzen die gemütliche Atmosphäre.

„Das Zelt soll bleiben - es darf nicht verdrängt werden“, findet der Kabarettist, Volkssänger und Moderator Jürgen Kirner (64). Denn: Die Seele des Zelts, die dortige Gemeinschaft von Musikanten und Künstlern, sei einzigartig auf der Wiesn. Das müsse man bewahren.

Helmut Schleicht: Herzkasperlzelt ist ein Kulturtempel

Das sieht auch Kabarettist Helmut Schleich (56) so: „Das Herzkasperl ist ein Kulturtempel - eine absolute Bereicherung für die gesamte Wiesn.“ Ansonsten finde man dort nämlich vor allem „Sauftempel“, so Schleich. Sollte das Herzkasperl verschwinden, ginge für ihn auch „ein Stück Heimat auf der Wiesn verloren“.

Das Herzkasperlzelt ist ein Gesamtkunstwerk für bayerische Kultur.

Europa-Abgeordnete: Henrike Hahn

Für den Musiker Ecco Meineke (63) steht vor allem die Lied-Kultur auf dem Spiel: „Im Herzkasperl hört man Musik, die man sonst nirgends hört.“ Traditionell und doch modern, abseits der des Mainstreams.

Münchner Politiker kämpfen für Beppi Bachmaiers Zelt

Doch nicht nur Künstler, sondern auch Politiker setzen sich für das Zelt ein - wie die Münchner Europa-Abgeordnete: Henrike Hahn (Grüne): „Das Herzkasperlzelt ist ein Gesamtkunstwerk für bayerische Kultur.“ Auf der Oiden Wiesn müssten deshalb ihrer Meinung nach andere Bewertungskriterien für die Vergabe angewendet werden als auf der regulären Wiesn - das Kulturelle müsse im Vordergrund stehen. Denn München habe nichts davon, eines seiner bayerischen Kulturzentren mit großem Format auszuradieren, sagt sie.

Der Initiator der Petition Gerald Huber (57), der selbst unter anderem als Künstlermanager in der Kulturszene aktiv ist, findet die Resonanz „überwältigend“. Klar, „Münchner Kultur“ stehe auf dem Spiel - dafür müsse man sich einsetzten.

Drohendes Herzkasperl-Aus: Das sagt Zelt-Wirt Bachmaier

Viel Unterstützung und viel Zuspruch habe er in den vergangenen Tagen erhalten, sagt Herzkasperl-Wirt Josef „Beppi“, Bachmaier. Das lässt ihn hoffen in dieser ungewissen Zeit. „Viele Leute sind total überrascht, sie können es gar nicht fassen, was mit dem Herzkasperl Zelt passieren könnte“, sagt der Gastronom.

Fraunhofer-Wirt Beppi Bachmaier in seinem Herzkasperlzelt. Besonders bekannt ist es für sein Kulturprogramm.

Am 7. Mai entscheidet der Münchner Stadtrat

Kürzlich wurde publik, dass sein Zelt in einem Punkte-Katalog für die Vergabe des diesjährigen Zeltplatzes einem Konkurrenten unterlegen sei - bei dem Mitbewerber handelt es sich um Wirt Peter Schöniger, der bislang vor allem durch seine Festhalle Bayernland auf dem Frühlingsfest bekannt ist.

Bachmaier selbst sei davon völlig überrascht worden - er habe sich eigentlich schon auf die diesjährige Wiesn vorbereitet.
Für ihn sei das bitter: Seit vielen Jahrzehnten stehe sein Wirtshaus Fraunhofer für Kleinkunst, Kabarett und Musik: „Von Anfang an“, wie Bachmaier sagt. Das habe er immer versucht, auf das Herzkasperlzelt zu übertragen. Dieser Kultur-Aspekt gehöre für ihn auch zur „Idee der Oidn Wiesn“. Am 7. Mai will der Stadtrat über den Verbleib des Zelts entscheiden.

Rubriklistenbild: © Bodmer/Schmidhuber/Mayr

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