130 Tester bildeten die Jury

Internationale Verkostung auf Gut Graßlfing: Auf der Suche nach dem besten Bier

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„Große Ehre, dass die Bierwelt zu uns kommt“: OBM-Chef Guido Amendt (links) war stolz und prostete den Jury-Mitgliedern Georg Rittmayer, Roland Demleitner und Stefan Stang zu.
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Wer ist denn nun der Star in der Bierwelt? Um diese Frage drehte sich neulich alles beim internationalen Verkostungswettbewerb auf Gut Graßlfing. 130 Tester bildeten die Jury, um den besten Tropfen unter den teils exotischen Gebräuen zu finden. Ausgespuckt wird hier im Übrigen im Gegensatz zur Weinprobe nicht.

Graßlfing – Angesichts dessen, dass sie den ganzen Tag über ein Bier nach dem anderen kredenzt bekommen hatten, entstiegen die 130 Gäste erstaunlich aufrecht den vier Bussen. Diese hatten sie nach mehrstündigem Promillegenuss im Rahmen des internationalen Verkostungswettbewerbs zum abschließenden Dämmerschoppen direkt vor die Tür der Olchinger Braumanufaktur (OBM) in Graßlfing gebracht. Die aus weltweit 37 Ländern herbeigedüsten Blindverkoster hatten den Tag über eine bierernste Sache zu bewerten. Allesamt waren sie Jury-Mitglieder des sich European Beer Star nennenden, aber globus-umspannenden Contest. Mächtig stolz warteten die OBM-Chefs Guido Amendt und Julius Langosch nun auf ihre Gäste: „Eine große Ehre, dass die Bierwelt zu uns kommt.“

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Insgesamt 2168 Gerstensaftprodukte

2168 in 73 Kategorien eingeteilte Gerstensaftprodukte mit teilweise dem bayerischen Biergaumen befremdlich schmeckenden exotischen Mischungen waren in den Wochen davor extra dauergekühlt und transportgesichert zur Doemens Akademie nach Gräfelfing geflogen worden. Jetzt jetteten die Brauereibesitzer ihren Produktlinien hinterher.

Eine der weitesten Anreisen hatte Eber Andriudo. Der 43-Jährige, der etliche Jahre in München lebte und dessen Ehefrau aus dem Allgäu stammt, produziert in Argentinien jährlich knapp 400 000 Liter Bier mit 20 Sorten. „Im rotierenden System je nach Jahreszeit. Im Sommer, also wenn in Deutschland Winter ist, bevorzugen Argentinier das Weißbier.“

Der aus der japanischen Olympiastadt Nagano angereiste Norri Oka eröffnete mit einem zuvor geübten urbairischen O’zapft-is-Schlag den Holzfass-Ausschank. Das passierte unter den Augen der OBM-Chefs Amendt und Julius Langosch (l.).

Zwischen umgerechnet 1,70 und zwei Euro kostet die Halbe aus der südamerikanischen Lindenberg-Brauerei. Dreimal hat sich Andriudo schon am Wettbewerb beteiligt, einmal sogar gewonnen.

Mit diesen Erfolgswerten kann Guido Amendt (noch) nicht mithalten. In Olching werden momentan rund 100 000 Liter produziert – „Tendenz aber steigend“. Die Zahl gilt in Brauerkreisen als Schallgrenze, bei der es profitabel wird. Mit dem naturtrüben Dunklen und dem Märzen beteiligt sich die OBM heuer am Wettbewerb.

Ob weitere Mitbewerber der insgesamt fünf großen und kleinen Landkreis-Brauereien sich ebenfalls gemeldet haben, wissen nur Insider. Benedikt Meier, Pressesprecher des bayerischen Privatbrauerei-Verbandes: „Das ist streng geheim.“ Gelüftet wird das Geheimnis um Teilnehmer und Sieger erst am 14. September. So lange dauert die Auswertung der Bewertungen.

Probetrunk besser in Mini-Format

Die 130 Tester wurden dafür jeweils zu acht in Gruppen eingeteilt. Ähnlich eines Geschworenengerichts werden die einzelnen Proben, deren Ursprung und Hersteller natürlich verborgen bleiben, vor dem abschließenden Urteil teilweise intensiv und kontrovers diskutiert.

Anders als bei einer Weinverkostung, wo der Testtrunk nach Gaumenkontakt gleich wieder ausgespuckt wird, müssen die Bier-Juroren den edlen Hopfen-Tropfen komplett genießen, also auch runterschlucken. „Weil erst in der Kehle die ganze Geschmacksvielfalt zu spüren ist.“ Um einen klaren Kopf für die Benotung zu behalten, gibt’s den einzelnen Probetrunk aber nur im Milliliter-Format.

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