VonThomas Steinhardtschließen
Das Geothermie-Projekt in Geiselbullach stößt in der Kreispolitik auf breite Zustimmung. Das heißt: Die Planungen können nun konkreter werden.
Olching – Der Werkausschuss des Kreistags hat Weichen gestellt, beziehungsweise dem Kreistag empfohlen, dies zu tun. Formal ging es etwa um eine Erweiterung der Unternehmenssatzung der Gesellschaft für Abfallwirtschaft (GfA), auf deren Gelände die Tiefenwärme gewonnen werden soll.
An den Grenzen
Deren Chef Thomas König berichtete, dass die bestehende Wärme-Erzeugung via Müllverbrennung am Standort an ihre Grenzen gerate. Dabei werde das Interesse an Fernwärme sicher zunehmen. Die Geothermie, also die Gewinnung von Wärme aus dem Erdinneren, ist da eine große Chance. Man hofft, die Wärmeerzeugung am Standort um 13 Prozent steigern zu können. Derzeit versorgt die GfA Teile der Stadt Olching und Teile Bergkirchens samt Gewerbegebiet.
Der nächste entscheidende Schritt ist die Suche nach warmem Wasser in zweieinhalb Kilometern Tiefe. Zu erwarten ist Wasser mit einer Temperatur von 73 Grad. Das reiche nicht für die Stromerzeugung, sehr wohl aber für die Fernwärmeversorgung, erklärte König.
Die Probebohrung
Der GfA-Chef hofft, dass die Probebohrung im Jahr 2025 beginnen kann. Die Wahrscheinlichkeit, fündig zu werden, sei hoch. Gleichwohl besteht ein gewisses Risiko – nämlich dann, wenn man doch nicht fündig werden sollte. Summen wollte König im Werkausschuss lieber nicht nennen, da unklar sei, was die Probebohrung im Jahr 2025 kosten werde. In ersten Schätzungen war man aber von rund sieben Millionen Euro für die Bohrung ausgegangen. Zu definieren ist noch die genaue Form einer Betreibergesellschaft.
Landrat Thomas Karmasin bezeichnete es als beruhigend, dass das Projekt in öffentlicher Hand betrieben werde. Vorher hatte König schon betont: Wenn die GfA sich die Genehmigung für weitere Untersuchungen nicht geholt hätte, dann hätte sich jemand anderes die Erlaubnis geschnappt.
Der Werkausschuss begrüßte das Projekt einhellig. Angesprochen wurde auch die Frage nach dem weiteren Netzausbau. Dies sei laut König durchaus möglich.
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Puchheims Bürgermeister und SPD-Kreisrat Norbert Seidl erinnerte implizit daran, dass ein ähnliches Projekt in Puchheim einst am Bürgerwiderstand gescheitert war. Angesichts des Vorhabens jetzt spare er sich aber eine gewisse Genugtuung, die ihn ereilen könnte. „Geothermie ist die Zukunft. Ich hoffe auf eine Ausstrahlwirkung“, so Seidl.
Fachwissen ist vorhanden
Landrat Karmasin hatte zuvor schon betont, dass die beiden Trägerlandkreise Bruck und Dachau mit dem Kraftwerksstandort Geiselbullach über ein leistungs- und wettbewerbsfähiges Unternehmen verfügten, das das energietechnische Know-how, eigene Energieerzeugungsanlagen und Einspeisepunkte in die Fernwärmenetze besitze. Im Geschäftsjahr 2021 wurden aus 120 000 Tonnen Siedlungsabfall gut 87 000 MWh Wärme und 56 000 MWh Strom erzeugt.
Mit der Geothermie könne sich das Unternehmen mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Potenzial von weiteren 50 000 MWh emissionsfreier Wärme erschließen. Karmasin: „Auf dem Weg zur Erreichung unserer Ziele, in der Energieversorgung unabhängiger und klimafreundlicher zu werden, können wir durch die Geothermie ein großes Stück vorankommen.“
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