Theater

Szenen an der Bushaltestelle

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Verschiedene Menschen, eine Haltestelle: Von einer Zufallsgemeinschaft erzählt das Stück „der Halt“. Gespielt wird im Tölzer Betriebshof.

Es könnte das letzte Mal sein, denn die Förderung ist ausgelaufen: Beim „On Stage“-Projekt stehen junge Menschen mit verschiedenen Hintergründen gemeinsam auf der Bühne. Premiere ist an diesem Donnerstag, 4. April, im Tölzer Betriebshof

Bad TölzIn Tölz geht es wieder „On Stage“: Zum dritten und wohl auch letzten Mal haben sich junge Menschen mit und ohne Handicap, mit und ohne Migrationshintergrund und im Alter von 15 bis 35 Jahren zusammengetan, um das gleichnamige Theaterprojekt auf die Beine zu stellen. Premiere des neuen Stücks „der Halt“ ist am kommenden Donnerstag in einer ungewöhnlichen Location: dem städtischen Betriebshof.

Gigantische Reifen stapeln sich die Wand hoch, auf den Werkbänken liegt allerlei Equipment, und noch parken die schweren Schneeräumfahrzeuge im Betriebshof an der Dietramszeller Straße. Dass die große Halle einmal als Theaterbühne dienen würde, hätte sich vermutlich auch niemand gedacht. Für die jungen Schauspieler und Regisseurin Verena Peck von der Tölzer Jugendförderung ist dieser Ort ideal; das Bühnenbild wird quasi gleich mitgeliefert. Eine Bank, ein Busschild und ein Stück Bauzaun vervollständigen die Kulisse. Die elf Akteure sind mit den Proben im Endspurt; seit September treffen sie sich regelmäßig – heute zum ersten Mal am Originalschauplatz.

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Gestemmt wird das Projekt vom Mehrgenerationenhaus des BRK in enger Kooperation mit der Tölzer Jugendförderung, und wie schon in den vergangenen zwei Jahren wurde das Ziel bereits vor der Premiere voll erfüllt: Die Gruppe ist zusammengewachsen, über alle möglichen, im sonstigen Alltag vielleicht bestehenden Hürden hinweg „Das Coole an diesem Projekt ist, dass keiner über Herkunft, Religion oder Alter überhaupt nachdenkt“, sagt Christian Obermaier, der das Theaterstück sozialpädagogisch begleitet. „Alle wollen einfach ein tolles Stück auf die Bühne bringen.“ Dass es sich dabei um eine Art Integrationsmaßnahme handelt, ist nicht wichtig. Die Zusammenarbeit zeigt von Woche zu Woche positive Veränderung.

Dieses Mal gehen alle mit Herzblut und ihren eigenen Erlebnissen hinein. Alle Teilnehmer haben einen Teil der eigenen Geschichte dazu beigetragen, das Stück entstand aus Kurzgeschichten, die jeder einzelne auf bestimmte Stichworte hin geschrieben hat. Herausgekommen ist eine Geschichte, die an einer Bushaltestelle spielt, an der eine Zufallsgemeinschaft zusammentrifft. Jeder hat seine Geschichte, seine Gefühle und seine Träume. Da passiert etwas in unmittelbarer Nähe – und jeder geht auf seine Weise damit um.

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„Grundgedanke dieses Stücks ist „Was beim Warten passieren kann“, erläutert Verena Peck. „Es war sehr spannend, seine eigene Rolle zu entwickeln“, findet Raven, der aus Ungarn stammt. Der 15-Jährige besucht, genau wie seine Theaterkollegin Fatemeh, die Gaißacher Mittelschule. „Wir konnten ganz kreativ sein und haben alles selbst geschaffen. Die Gemeinschaft ist sehr schön, ich komme mit allen gut aus.“

Etliche der Schauspieler waren bei den letzten Projekten schon dabei, andere kamen dieses Jahr neu dazu. Etwa 100 Leute haben im Betriebshof Platz; gespielt wird an vier Abenden. Dass es das vermutlich letzte „On Stage“-Theaterprojekt der Stadt Bad Tölz sein wird, bedauert auch Annette Schreiner vom Mehrgenerationenhaus, aber „die Förderung ist ausgelaufen“. Ob und wie es mit dem Projekt weitergehe, stehe derzeit in den Sternen. (Ines Gokus)

Theaterprojekt

Premiere von „der Halt“ am Donnerstag, 4. April. Weitere Aufführungen: 5./10./11. April. Beginn jeweils 19 Uhr im städtischen Betriebshof, Dietramszeller Straße 32. Karten im Jugendcafé (0 80 41/33 52) und in der Buchhandlung Winzerer, Preis: 6/ermäßigt 4 Euro.

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