Lesung von  „Die Bernauerin“

Orff-Zyklus fortgesetzt: Klaus Wittmann begeistert im Marionettentheater

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Brillanter Sprecher: Klaus Wittmann

Klaus Wittmann hat als einziger Sprecher in Deutschland die Rechte für  die Aufführung aller bairisch-sprachigen Werke von Carl Orff bekommen. Nun beeindruckte er mit „Der Bernauerin“ im Marionettentheater.

Bad Tölz – Blut klebt an den Händen der ruhmreichen Wittelsbacher, seit Herzog Ernst 1435 seine unerwünschte, weil nicht standesgemäße Schwiegertochter ermorden ließ, und Maximilian I. Joseph 1812 als Gegenleistung für den Erhalt der Königskrone 3000 seiner Landeskinder für Napoleons irrsinnigen Russlandfeldzug abkommandierte und in den sicheren Tod schickte. Carl Orff hat das zum Himmel schreiende Drama um die schöne Augsburger Baderstochter Agnes Bernauer auf die Bühne gebracht. In kongenialer Weise arbeitete Klaus Wittmann Orffs „Bernauerin“ zu einem Solostück um und begeisterte damit am Sonntag im Tölzer Marionettentheater sein Publikum.

Inwieweit das im altbairischen Dialekt verfasste Libretto tatsächlich der Umgangssprache des frühen 15. Jahrhunderts entspricht, sei dahingestellt. Damals war der Herrschaftsbereich der Wittelsbacher aufgespalten in eine Münchner, Landshuter und Ingolstädter Linie. Der Münchner Herzog Ernst war in großer Sorge, dass die nicht standesgemäße Liaison seines Sohns Albrecht die weiteren Erbansprüche seiner Linie gefährdet.

Es imponierte, wie es Klaus Wittmann gelingt, die verschiedenen Rollen und Facetten von Orffs szenischem Mehrpersonenstück mit seinen rhythmischen Sprechgesängen und den beinahe monoton wirkenden Ostinato-Figuren des Schlagzeugs allein mit den Mitteln seiner Stimme und dem Klopfen seiner Finger und Fäuste unter einen Hut zu bringen: Mit minimalistischen Mitteln lässt er so ein literarisch-musikalisches Programm entstehen.

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Mit seiner wohltönenden, tiefen Stimme und seinem Gespür für den Fluss und Rhythmus der Sprache macht Wittmann das Ganze zum Hörerlebnis. Er las nicht einfach, er spielte den Text und traf dabei immer genau den Ton. Mal klang er zauberhaft zart, mal donnerte und grollte er, mal keifte und lästerte er derb: etwa bei den Hasstiraden eines Mönches gegen die „Hexe“ aus Augsburg, die ihrem Albrecht den Kopf verdreht hat.

Aus dem Volk kam heftiger Widerspruch, doch es half nichts. Als man Albrecht zu einer höfischen Jagd nach Landshut eingeladen hatte, schlugen die Häscher von Herzog Ernst (er war Landesfürst und oberster Richter in einem) in Straubing zu und ertränkten die Bernauerin in der Donau. Beim Adel war Macht dicker als Blut. Albrecht III. (später „der Fromme“ genannt) begehrte zwar kurz gegen seinen Vater auf, beugte sich aber bald der Staatsräson: Nur ein Jahr später heiratete er standesgemäß eine „richtige Herzogin“.

Am Sonntag gab es viel Applaus für Klaus Wittmann nach seinem einstündigen Bühnen-Alleingang. Mit Carl Orffs „Weihnachtsspiel“ wird er am Freitag, 28. Dezember, seinen viel beachteten vierteiligen Orff-Zyklus im Tölzer Marionettentheater abschließen. (Rainer Bannier)

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