VonGabi Wernerschließen
Es sollte ein fulminantes Geburtstagsfest werden: Doch ausgerechnet zum 50-jährigen Jubiläum fiel der Rosstag ins Wasser. Die Absage schmerzt sehr. Hatte aber laut Gemeinde einen triftigen Grund.
Rottach-Egern – Monatelange Arbeit hatten die Organisatoren in die Vorbereitungen des Jubiläums gesteckt. Alles sollte perfekt sein. „Als dann die Entscheidung für die Absage gefallen ist, habe ich schon schwer geschluckt“, räumt Angelika Drexler, Leiterin der Rottacher Tourist-Info (TI) und Mitglied des Organisations-Komitees, ein.
Am Samstag um neun hatten sich die Verantwortlichen auf der Festwiese in Enterrottach versammelt, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. Das Ergebnis war bitter: Durch den vorangegangenen Regen war die Wiese derart sumpfig, dass die Gespanne für ihre Präsentationen nicht hätten einfahren können. „Das Verletzungsrisiko für Mensch und Tier war einfach zu groß“, gibt Drexler zu bedenken. „Und die Sicherheit steht über allem.“ Damit war klar: Der Rosstag würde am Sonntag nicht stattfinden können.
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Die Erkenntnis war umso bitterer, da es bereits der zweite Versuch war, die Großveranstaltung durchzuziehen. Auch den ursprünglichen Termin eine Woche zuvor hatte die Gemeinde wegen der schlechten Wetterprognosen gecancelt – am Ende war der angekündigte Regen ausgeblieben. Eine Fehlentscheidung also? „Wir haben vier bis fünf verschiedene Wettervorhersagen eingeholt“, macht Drexler deutlich. Allesamt seien sich in ihren schlechten Prognosen einig gewesen, betont sie. Und irgendwann müsse eben eine Entscheidung fallen.
Für die TI-Leiterin und ihre Kollegin Claudia Maier bedeuteten die Absagen einen Riesenaufwand. Gleich nachdem am Samstagvormittag die Entscheidung gefallen war, eilten die Beiden ins Büro, um sämtliche Rosserer telefonisch zu informieren. „Das Verständnis für unsere Entscheidung war unter den Teilnehmern sehr, sehr groß“, berichtet Drexler. Und es habe auch gleich ein Trostpflaster für die Organisatoren gegeben. „Ausnahmslos alle haben uns schon für nächstes Jahr zugesagt“, freut sich Drexler. Dann nämlich soll das Jubiläum „50 Jahre Rosstag“ nachgeholt werden, wie die TI-Chefin erklärt. Immerhin hatten die Veranstalter für das Ereignis allein fünf Zehnerzüge und vier große Brauereigespanne gewinnen können. „Fürs Jubiläum wollten wir nur das Beste haben“, sagt Drexler. „Da hatten wir uns schon besonders viel Mühe gegeben.“
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Nur ganze drei Mal hat der Rosstag in seiner bisherigen Geschichte abgesagt werden müssen – die Jubiläums-Auflage eingeschlossen. Auch für die Bergwacht-Bereitschaft Tegernseer Tal ist der Wegfall der Traditionsveranstaltung schmerzhaft. Für die ehrenamtlichen Bergretter ist der Rosstag eine wichtige Einnahmequelle, sie profitieren seit jeher von den Eintrittsgeldern und übernehmen einen Teil der Bewirtung am Festplatz in Enterrottach. Für die Bergwacht waren die Vorbereitungen mit viel Aufwand verbunden. „Nun sind wir dankbar, dass die Zulieferer die Waren zurückgenommen haben“, sagt Daniel Merone, stellvertretender Bereitschaftsleiter.
Trotz des großen Bedauerns auf allen Seiten: Die Gemeinde Rottach-Egern steht zu der Entscheidung, den Rosstag auch am Ausweichtermin abzusagen. „Klar, das ist schon sehr schade“, räumte Vize-Bürgermeister Josef Lang gestern auf Nachfrage ein. Angesichts der Wettervorhersagen und der nassen Wiese sei es aber die einzig richtige Entscheidung gewesen.
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