Initiative Hochhaus-Stop

Paketpost-Türme wackeln heftig

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Die Hochhausgegner versammelten sich vor der Stimmenübergabe im Foyer der Behörde.
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Turm-Gegner liefern mehr als 48 500 Unterschriften im KVR ab – Bürgerentscheid wohl noch vor Ende Juni

Sie sind heiß umstritten, die zwei 150-Meter-Türme, die auf dem Areal der Paketposthalle an der Arnulfstraße in den Himmel wachsen sollen. Viele Münchner wollen sie nicht, unterstützen deshalb die Initiative Hochhaus-Stop. Die hat dem Bauprojekt jetzt offiziell eine Breitseite verpasst: Die Initiatoren haben mehr als 48 500 Unterschriften gegen die Türme im Kreisverwaltungsreferat abgegeben – also wohl genug für ein Bürgerbegehren.

Eine Visualisierung zeigt die Pläne für das Paketpost-Areal.

„Bevölkerung soll über Wolkenkratzer entscheiden“

„Das ist die Antwort der Münchner auf die irren Hochhauspläne!“ Mit diesen Worten fuhren CSU-Landtagspolitiker Robert Brannekämper und Ex-SPD-Stadtrat Wolfgang Czisch sechs gelbe Kisten mit Unterschriftenlisten ins Foyer des KVR. Dort waren zahlreiche Hochhausgegner versammelt, die ihre Ablehnung bekräftigten. „Die Öko-Bilanz von Hochhäusern ist verheerend“, befand Gegnerin Margit Meier, „außerdem braucht München bezahlbare Wohnungen und keine Luxus-Immobilien im 100. Stock.“ Margot Günther, Senioren-Politikerin der CSU, befand: „Das Viertel an der Auffahrt zur A9 wäre viel besser geeignet als Klein-Manhattan. Einfach alle sind gegen dieses Projekt an der Paketposthalle.“ Und Gegner Rainer Volkmann meinte: „Man soll die Bevölkerung entscheiden lassen, ob sie solche Wolkenkratzer will!“

Zwei Türme in Neuhausen – dadurch würde sich Münchens Skyline verändern.

Bürgerbegehren bis 11. April ausgezählt

Die Münchner hatten 2004 schon einmal per Bürgerentscheid beschlossen, keine Häuser über 100 Meter Höhe innerhalb des Mittleren Rings zu erlauben. Diesen Beschluss wolle „jetzt der Stadtrat vom Tisch wischen“, kritisieren die Hochhausgegner – und wünschen sich einen neuen Bürgerentscheid. Das dafür nötige Bürgerbegehren braucht drei Prozent der Stimmen aller Wahlberechtigten bei Kommunalwahlen, „und das sind in München um die 33 000“, sagt Beate Winterer, Pressesprecherin des KVR. „Wir zählen die Stimmen jetzt aus und können hoffentlich in zehn Tagen, also um den 11. April, sagen, ob genug gültige Stimmen abgegeben wurden.“

Robert Brannekämper übergab die Unterschriften an KVR-Geschäftsleiter Florian Schmelmer.

60 Meter Höhe als Grenze

Ist das der Fall, folgt binnen drei Monaten ein Bürgerentscheid. Dessen Frage lautet: „Sind Sie dafür, dass die Stadt München alle (…) Maßnahmen ergreift, damit (…) im Umfeld der Paketposthalle KEIN Hochhaus gebaut wird, das über 60 Meter hoch ist (…)?“ Stimmen zehn Prozent der Wahlberechtigten mit Ja, sind die Türme an der Paketposthalle vom Tisch. Am 30. April beschäftigt sich voraussichtlich auch der Stadtrat mit dem Thema.

Das Projekt Paketposthalle

Mit Ralf Büschl als Investor will der Stadtrat an der Paketposthalle in Neuhausen zwei Hochhäuser von 150 Metern Höhe realisieren. Mischnutzung ist für die Türme geplant: Sie sollen Wohnungen, Büros, Praxen und Ladenflächen beherbergen. Gleich nebenan in der ehemaligen Paketposthalle ist ein großes Veranstaltungszentrum geplant (siehe Bild). Das Architekturdenkmal soll eine „Halle für alle“ werden, das Paketpost-Viertel ein neues „lebendiges Stadtquartier“. Die Gegner der Hochhäuser fürchten, außer einer hässlichen Skyline, zu viel Trubel, Verkehrs-Chaos und Leerstände.

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