Landkreis hebt Ausschreibung für neues Gebäude am Krankenhaus auf

Parkhaus: Bei 28.000 Euro pro Stellplatz kapituliert

+
Mäßig frequentiert ist derzeit der Ausweichparkplatz am Krankenhaus. Das liegt auch daran, dass die Fläche, die für den Bau des Parkhauses benötigt wird, derzeit noch in vollem Umfang als Parkraum zur Verfügung steht.
  • schließen

Das neue Parkhaus am Krankenhaus lässt auf sich warten. Wegen der hohen Kosten – umgerechnet 28 000 Euro pro Stellplatz – hat der Landkreis die Ausschreibung aufgehoben.

Agatharied – Das Krankenhaus Agatharied ist im Umbruch. Nicht nur, dass derzeit ein neues Strategiekonzept umgesetzt wird, um die Klinik wieder aus den tiefroten Zahlen zu holen. Vor einiger Zeit wurde auf der grünen Wiese auch ein Ersatzparkplatz angelegt, um die Phase bis zum Neubau des geplanten Parkhauses zu überbrücken. Diese Phase wird nun deutlich länger dauern, wie jetzt im Kreistag bekannt wurde.

„Wir haben die Ausschreibung aufgehoben“, sagte Kreiskämmerer Gerhard de Biasio auf Nachfrage von Anastasia Stadler (CSU). Ursprünglich hatte das zuständige Kommunalunternehmen Wohnen, Parken, Energie (WPE) mit zwölf Millionen Euro für ein Parkhaus mit 800 Stellplätzen geplant. Eines der beiden eingegangene Angebote belief sich auf 18,5 Millionen Euro, das andere auf 13,5 Millionen. Letzteres aber mit einer Preissteigerungsklausel, die die Kosten innerhalb kürzester Zeit auf fast 20 Millionen Euro getrieben hätte. „Mit allen Nebenkosten wären wir auf bis zu 28 000 Euro pro Stellplatz gekommen“, berichtete er. Einen ähnlichen Preisschock gab es kürzlich bei der Tiefgarage am geplanten neuen Landratsamt.

Parkhaus soll nur 600 Stellplätze umfassen

In der Folge haben Kämmerer und Klinikleitung die Köpfe noch mal zusammengesteckt und sind dabei zu dem Schluss gelangt, dass ein Parkhaus mit 600 Stellplätzen ausreichen könnte. Teilt der Verwaltungsrat des Kommunalunternehmens diese Ansicht, würde das Projekt mit geänderten Vorgaben neu ausgeschrieben. „Die Verzögerung könnte sich sogar positiv auswirken“, sagte der Kreiskämmerer. „Die Rohstoffpreise werden wieder deutlich fallen.“ Bei Holz, Kupfer oder Stahl seien sie bereits um 40 Prozent eingebrochen. „Das betrifft bislang aber nur die Hersteller, nicht die Kunden“, betonte er.

„Krankenhaus entwickelt sich anders als damals berechnet“

Dass 200 Plätze wegfallen sollen, verwunderte einige Kreisräte dann doch. Lange Jahre sei vom Parkdruck am Krankenhaus die Rede gewesen. „Ein Gutachten von 2016 hat einen Bedarf von 1100 Stellplätzen ermittelt, doch das Krankenhaus entwickelt sich anders als damals berechnet“, erwiderte Biasio. „Das Wachstum wird in dem Maße nicht mehr stattfinden, die Klinik verfolgt jetzt eine andere Strategie.“ Schon jetzt zeige sich, dass der eigens für den Bau des Parkhauses angelegte Ausweichparkplatz relativ wenig frequentiert sei. „Wir tun gut daran, bei den Stellplätzen etwas runterzugehen“, befand der Kämmerer. Zumal sich auch das Mobilitätsverhalten der Menschen ändere. Nach Fertigstellung der kleineren Parkhaus-Variante würden immerhin noch 200 Parkplätze mehr als zuvor zur Verfügung stehen. Brigitta Regauer (CSU) zeigte sich dennoch skeptisch: „Die freien Parkplätze gibt es auch deshalb, weil zur Zeit weniger Besucher zugelassen sind.“

Es bleibt beim hohen Defizit

Anlass für den Bericht zum Parkhaus war der Besuch von Krankenhaus-Vorstand Benjamin Bartholdt in der Sitzung. Er berichtete im Kreistag – wie angekündigt – über den aktuellen Stand der Strategieplanungen und bestätigte erneut das Klinik-Defizit von 12 Millionen Euro im Jahr 2021. „Die Zahlen sind inzwischen geprüft, es wurde nichts geschönt oder verschlechtert“, betonte er. Auf Nachfrage von Kreisräten zeigte er sich aber zuversichtlich, das Minus bis 2024 abzubauen. „Wir sind überzeugt, dass wir das hinkriegen“, sagte Bartholdt, schwor die Kreisräte aber auch auf zwei harte Jahre ein: „Wir müssen bis 2024 durchhalten und dürfen nicht auf der Hälfte aufhören.“

Medizinisches Spektrum soll erhalten bleiben

Josef Lechner (CSU), der auch im Aufsichtsrat der Klinik sitzt, pflichtete Bartholdt bei. Und er appellierte an die Bevölkerung, zur Klinik zu stehen: „Wenn die Bürger dieses Krankenhaus haben wollen, müssen sie auch mit ihren planbaren und lukrativen OPs nach Agatharied und nicht nach München gehen.“ Haushams Bürgermeister Jens Zangenfeind (FWG) sieht die Klinik mit ihrer Strategie auf dem richtigen Weg. Diese sieht unter anderem vor, das medizinische Spektrum in der jetzigen Form zu erhalten. Zangenfeind: „Abteilungen wie die Geburts- oder Kinderstation sind nicht verhandelbar.“

Kommentare