Großer Festakt am 12. Juli

Partnerschaft mit Ghana:  Regionalkönig besucht Murnau

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Weltoffenes Murnau: Seit Längerem werden Beziehungen zu Ghana gepflegt. Beispielsweise traten 2014 im Rahmen einer Benefizveranstaltung zugunsten von Schulkindern in dem afrikanischen Land Trommler und Tänzer in der Fußgängerzone auf.
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Am Freitag, 12. Juli, ist es soweit: Dann wird die Partnerschaft der Marktgemeinde Murnau mit der Region Atwima in Ghana offiziell besiegelt. Dazu wird eine Delegation aus dem afrikanischen Land erwartet – mit einem Regionalkönig an der Spitze.

Murnau – Auf privaten Ebenen bestehen schon seit längerer Zeit Kontakte von Murnauern nach Ghana. Das liegt unter anderem daran, dass mit Florian Wolfart der Honorarkonsul des westafrikanischen Landes in der Staffelsee-Gemeinde lebt. Auch Kaffeehaus-Betreiberin Barbara Krönner und ihr Lebenspartner Franz Windirsch sind treibende Kräfte bei den Bemühungen, den Austausch zu intensivieren.

Jetzt bekommt das Freundschaftsprojekt mit Ghana, das als demokratisch weitgehend gefestigt gilt, einen offiziellen Charakter. Am Freitag, 12. Juli, wird nämlich vor dem Murnauer Rathaus eine Urkunde unterzeichnet, um eine so genannte Entwicklungspartnerschaft mit Atwima zu begründen – einem Bezirk, der rund 160 000 Einwohner zählt und in der Nähe der Großstadt Kumasi liegt. Diesen Schritt hatte der Gemeinderat heuer im März einstimmig beschlossen.

Für die Initiatoren kommt es darauf an, dass ein Austausch auf Augenhöhe entsteht – und keine klassische Entwicklungshilfe. „Ziel ist eine dauerhafte, nachhaltige und partnerschaftliche Zusammenarbeit, insbesondere in den Bereichen Umweltschutz, Bildung und fairer Handel“, heißt es dazu im Urkundentext. Und weiter: „Die Partnerschaft soll Raum für den gegenseitigen Austausch über nationale Grenzen hinweg schaffen und so das Verständnis für unterschiedliche Kulturen fördern.“

Für Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) nimmt das Ganze eine Vorreiterrolle ein: „Wir möchten gemeinsam voranschreiten, um zu zeigen, dass die weltweiten Herausforderungen wie Klimaschutz, Frieden und Wohlstand nur durch gemeinsames Handeln bewältigt werden können.“

Zum Festakt (Beginn: 16 Uhr) wird neben zahlreichen Ehrengästen auch eine Delegation aus Ghana erwartet, die sich für einige Tage in Murnau aufhält, um den Markt kennenzulernen. Auf dem Programm stehen beispielsweise Besichtigungen öffentlicher Einrichtungen und eine Schifffahrt auf dem Staffelsee. Angeführt wird die etwa zehnköpfige Gruppe von zwei Spitzenvertretern Atwimas: dem dortigen Regionalkönig Nana Antwi Agyei Brempong II, der schon einmal in Murnau zu Besuch war, und dem Landrat Nana Okyere-Tawiah.

Diese beiden Machtebenen sind eine Besonderheit Ghanas. „Das sind zwei Strukturen, die nebeneinander stehen“, erklärt Wolfart, „diese Parallelität ist für uns schwer zu verstehen“. Auf der einen Seite gebe es die staatlichenInstanzen – und auf der anderen die alten Herrschaftsformen mit den Regionalkönigen, die noch viel Einfluss hätten. Diese würden auch „Wächter des Landes“ genannt, erläutert der Klinik-Geschäftsführer. Beispielsweise spielten sie bei Konflikten als Mediatoren eine wichtige Rolle. Wolfart ist begeistert von der Partnerschaft – und vom Erfolg überzeugt: „Beide Seiten werden profitieren.“ Untergebracht sind die Gäste privat und in einer Pension. Die Vorbereitungen waren anscheinend nicht ganz einfach: Dem Vernehmen nach gestaltete sich in einigen Fällen das Visa-Prozedere als schwierig.

Wie dem auch sei: Nach dem Unterzeichnen der Urkunde werden die Ghanaer an dem Freitag gleich die bayerische Lebensart erleben. Es steht der Volksfestauftakt an. Nach dem traditionellen Umzug mit den Vereinen durch die Fußgängerzone wird im Festzelt das erste Fass Bier angezapft.

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