VonManuela Schauerschließen
Sie war die erste Frau in Ettal, die auf dem Rathauschef-Sessel Platz nehmen durfte. Dort würde Vanessa Voit auch weiterhin gerne sitzen. Die Amtsinhaberin möchte sich deshalb wieder um den Posten als Bürgermeisterin kandidieren.
Sie fallen auf dasselbe Datum. Sowohl der internationale Weltfrauentag als auch die Kommunalwahl in Bayern finden am 8. März 2026 statt. Ob das ein gutes Omen für sie ist? Vanessa Voit lässt sich zu keiner Prognose verleiten. Eines aber kann Ettals Bürgermeisterin mit Gewissheit sagen: Sie würde an diesem Tag gerne wieder zur Rathauschefin bestimmt werden.
2020, bei ihrer Premiere, hatten 90,94 Prozent der Bürger Voit das Vertrauen geschenkt. Sie als erste Frau in der Geschichte des Klosterdorfs auf den Rathaus-Chefsessel katapultiert. Jetzt stellt sich die gebürtige Schongauerin zum zweiten Mal als Kandidatin um das Amt zur Verfügung. Gemeinderat und Verwaltung kennen ihren Plan bereits, ihre Familie sowieso. Der reifte über ein Jahr hinweg.
Wohl überlegter Schritt
Voit nahm sich die Zeit, um abzuwägen. Denn eigentlich übt sie auch ihren Beruf als Vorarbeiterin des Führungsbetriebs in Schloss Linderhof gerne aus. Zirka dreieinhalb Jahre machte sie das noch parallel zu ihren Aufgaben als Bürgermeisterin. 50-, 60-Stunden-Wochen – keine Seltenheit. Beides miteinander zu vereinbaren, auch mit Blick auf ihre Verantwortung der Mitarbeiter gegenüber, funktionierte in ihren Augen nicht mehr so recht. Sie ließ sich von ihrem Hauptjob freistellen. Das änderte aber nichts an ihrer Freude daran. „Er liegt mir am Herzen“, betont die Mutter einer erwachsenen Tochter. Angesichts dessen hält sie es für legitim, sich Gedanken darüber zu machen, für welche Arbeit es mehr schlägt. „Das war schon eine Entscheidung.“
Am Ende überwog der Wunsch, sich weiterhin für den Ort einzusetzen. „Solange ich Energie und Kraft habe, will ich das machen“, sagt Voit und ergänzt: „Wenn man mich da sieht.“ Die Versammlung, um offiziell als Aspirantin auf den ehrenamtlichen Posten aufgestellt zu werden, folgt noch. Weitere Bewerber? Bislang unbekannt.
Ein Privileg, mitgestalten zu dürfen
Voit bekennt sich dazu, weiter Verantwortung übernehmen zu wollen für die Gemeinde, zu der neben Ettal auch Graswang und Linderhof gehören. „Wenn du demokratisch sozialisiert bist“, erklärt sie, „ist es ein Privileg, mitzugestalten.“ Sie brennt förmlich dafür. Wie auch für die Kommunalverwaltung, die andere eher als trocken und zähe Materie beschreiben würden. Voit dagegen sagt im Brustton der Überzeugung: „Sie ist nicht grau.“ Stattdessen noch so ein Privileg. Schließlich könne eine kleine Gemeinde selbst steuern, wohin ihre Reise geht. Zumindest in gewisser Weise.
Wie auch in anderen Orten klopften und klopfen in Ettal gewaltige Projekte an, teils Pflichtaufgaben. Hochwasserbehälter, Kläranlage, Hochwasserschutz, um nur drei Beispiele zu nennen. Vor allem der Neubau des Kindergartens forderte die Kommune immens – finanziell wie personell. Und die Arbeit geht nicht aus. Sturzflutenkonzept, neues Feuerwehrauto, Ertüchtigung der Liegenschaften, Bauhof – all dies steht auf der Agenda. Hinzu kommen die teilweise herausfordernden Angelegenheiten, zuletzt vor allem personeller Natur, der VG mit Unterammergau. Ihr steht die 49-Jährige aktuell vor.
Es ist der Hammer, was für Menschen ich um mich herum habe.
Das Amt kann an einem zehren. Daraus macht sie kein Geheimnis. Doch bietet es die Möglichkeit, immer Neues zu lernen. Voits Wetter. Sie spürt, wie sich in den vergangenen fünf Jahren ihr Weitblick schärfte. „Damals konnte ich noch nicht vorausahnen, was für ein Tsunami heranrollt“, räumt sie ein. Heute weiß sie früh einzuschätzen, ob und welche Welle sich bei einem Thema auf die Gemeinde zubewegen könnte. Zumindest traut sie es sich zu.
Mehr Transparenz, mehr Kommunikation
Worauf sie stets vertraut: auf ihr Team. „Es ist der Hammer, was für Menschen ich um mich herum habe“, untermauert Voit. „Wir sind schon durch dick und dünn gegangen.“ Ebenso lobt sie das „wirklich konstruktive Miteinander“ im Gemeinderat. Obwohl das Gremium es manchmal, das gibt sie offen zu, mit ihrer ausgeprägten Erklärfreudigkeit zu tun bekommt.
Transparenz ist ihr nunmal wichtig. „Die muss ich mir ans Rever heften“, sagt sie selbstbewusst. Diese wie auch die Kommunikation wollte sie von Anfang an ausbauen und noch weiter vorantreiben. Unter anderem erscheinen die Ettaler Mitteilungen inzwischen dreimal im Jahr, wozu Martin Heigl maßgeblich beiträgt. Menschen in den drei Ortsteilen zusammenzubringen, bleibt weiter Voits Ziel. „Wir erreichen uns nicht.“ Gerade in Zeiten mit engerem finanziellen Korsett wird Solidarität und Bürgerbeteiligung aber immer bedeutender. Ebenso Gemeinde, Ehrenamtliche und Behörden miteinander zu verknüpfen. Abhilfe soll unter anderem der „Raum der Begegnung“ schaffen. Voits Herzensangelegenheit. Wie auch das 700-jährige Bestehen Ettals im Jahr 2030 zu feiern. Das Thema wird aber erst den 2026 gewählten Gemeinderat und Bürgermeister beschäftigen. Geht’s nach der Geschichtsliebhaberin, darf der gerne wieder eine Frau sein und Vanessa Voit heißen.
