Vermutlich ein technischer Defekt war dafür verantwortlich, dass die Wachsmanufaktor des Diakoniedorfes in Herzogsägmühle in der Nacht auf Donnerstag in Flammen stand.
Update, Freitag, 14 Uhr: Am Tag nach dem Großbrand im Diakoniedorf Herzogsägmühle wird das Ausmaß der Schäden sichtbar.
Bilder zeigen Ausmaß der Zerstörung in Licht- und Wachsmanufaktur
Herzogsägmühle – Um 23.45 Uhr erreichte die integrierte Leitstelle der Notruf, die Brandschützer waren umgehend vor Ort. Weil das Diakoniedorf eine eigene Werkfeuerwehr hat, wurden wertvolle Minuten gewonnen.
An vorderster Front bekämpfte unter anderen der evangelische Seelsorger Dirk Wollenweber die Flammen. Er ist sowohl in der Werkfeuerwehr als auch bei den Kollegen in Peiting aktiv.
Feuer bricht in Diakoniedorf in Peiting aus: Großeinsatz der Feuerwehr
Auch die Peitinger rasten mit drei Löschfahrzeugen und ihrer Drehleiter nach Herzogsägmühle, ebenso die Schongauer Feuerwehr. Alarmiert wurden auch die Brandschützer in Birkland und Forst. Glücklicherweise gelang es aber schon der Werksfeuerwehr, den Brand rasch einzudämmen.
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Der war nach Angaben der Kriminalpolizei in der Wachsmanufaktur ausgebrochen. Vermutet wird ein technischer Defekt an den Öfen oder einem Wachs-Warmhaltebecken, berichtet eine Sprecherin auf Anfrage. Die Spurensicherung war am Morgen noch vor Ort. Brandstiftung wird von den Ermittlern als Ursache aber bereits ausgeschlossen.
Feuer wütet in Wachsmanufaktur in Peiting - und zerstört Werkstatt
Den Sachschaden schätzt die Kripo vorsichtig auf 300 000 Euro. Das Gebäude sei „ziemlich in Mitleidenschaft gezogen“ worden, heißt es. Auch die Gerätschaften in der Manufaktur dürften nicht mehr zu gebrauchen sein, meinen die Beamten. Verletzte gab es glücklicherweise keine zu beklagen, auch die Kräfte der Feuerwehren überstanden den Großeinsatz unbeschadet.
Feuer wütet in Wachsmanufaktur - Fotos vom Einsatz
Herzogsägmühle-Direktor Wilfried Knorr schätzt derweil, dass die Schadenssumme bei näherer Betrachtung noch weitaus höher ausfallen wird, als zunächst von der Polizei geschätzt. Sämtliche Geräte der Wachsmanufaktur seien zerstört, ebenso die Ware, die auf Lager war. Erschwerend kommt laut Knorr hinzu, dass das Löschwasser die unter Manufaktur liegende Kfz-Werkstatt des Diakoniedorfes geflutet hat. Auch in ihr steht jetzt die Arbeit still. Die Auszubildenden haben keine Beschäftigung.
Feuer zerstört Werkstatt und Manufaktur in Peiting: „Die Menschen brauchen eine Beschäftigung“
Der Direktor prüft jetzt, ob in der Umgebung Hallen und Flächen angemietet werden können, damit die Arbeit weitergeht und die Kunden bedient werden können. „Die Menschen brauchen eine Beschäftigung“, macht Knorr klar. Morgen findet seinen Angaben nach ein Besprechung zum weiteren Vorgehen statt. Knorr schließt nicht aus, dass das Gebäude von KfZ-Werkstatt und Wachsmanufaktur komplett abgerissen und neu errichtet werden muss.
Die Anfänge der Licht- & Wachsmanufaktur in Herzogsägmühle gehen auf die im 16. Jahrhundert Schongauer Wachswarenfabrik zurück, in der Reliefkerzen und Wachsbilder bemalt worden waren. Sie war in den 1980er Jahren nach Peiting umgezogen. Nach deren Auflösung in den 1990er Jahren entwickelten sich die Werkstätten im Bereich der Kerzen- und Fackelproduktion zu einer eigenständigen Wachsmanufaktur mit heute durchschnittlich 30 Beschäftigten. Menschen, die in Herzogsägmühle leben und den Anforderungen des allgemeinen Arbeitsmarktes nicht gewachsen sind, wird dort eine sinnvolle und tagesstrukturierende Beschäftigung geboten, heißt es.
In althergebrachter Handwerkskunst werden Kerzen für feierliche Anlässe wie Taufe, Hochzeit, Jubiläum oder Trauer gefertigt. Eine halbautomatische Fertigungsstraße ermöglicht obendrein eine Tagesproduktion von bis zu 8000 Teelichten, die hauptsächlich als Opferlichte in Kirchen oder als Haushaltsteelichte Verwendung finden.
Auch in der KfZ-Werkstatt arbeiten Bewohner aus dem Diakoniedorf, die ihre Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker machen.