VonBarbara Schlotterer-Fuchsschließen
Man nehme ein paar Hände voll interessierter Bürger, mache ein groß-angelegtes Brainstorming, wie und wohin sich Peiting in den kommenden Jahren – vielleicht Jahrzehnten – entwickeln könne. Und, voilà – zu bayerisch „do schaugst her“: Es entstehen die tollsten Ideen. Manchmal gewagt. Manchmal umstritten. Manchmal schräg. So geschehen bei der vierten „Peitinger Zukunftswerkstatt“ der CSU.
Peiting – In Zeiten, in denen sich bei einer Bürgerversammlung neben einer Handvoll Senioren kaum mehr einer blicken lässt, ist die „Zukunftswerkstatt“ der Peitinger CSU tatsächlich schon ein kleiner Erfolg: Immerhin 45 interessierte Bürger haben gemeinsam mit der Peitinger CSU „gesponnen“. Es ist die vierte „Zukunftswerkstatt“, zu der die Christsozialen innerhalb von zwölf Jahren einladen. Meist im Wahlkampf. So ist es auch dieses Mal – und dennoch ist hier Platz für viele Ideen auch außerhalb des Partei-Spektrums.
Es ist an alles, aber auch alles, gedacht: Auf den Tischen platziert finden sich neben divers-farbigen Cluster-Kärtchen und mehrfarbigem Stifte-Sortiment auch eigens folierte Riesenherzen. Der Aufdruck: „Ein Herz für Peiting“. Es ist der Slogan, es ist die Handschrift des designierten CSU-Bürgermeisterkandidaten Peter Ostenrieder. Erfinder und Gründer der „Zukunftswerkstatt“, der sich hier zu präsentieren weiß. Effektvoll und dennoch effektiv ist das bunte Zusammensein. Die Idee von einer Gesprächs-Plattform, bei der man ganz ohne Zwang mal loswerden kann, was in Peiting dringend verbessert werden muss: Sie geht auf.
Geschäftsführer, Landwirte, Vereinsvorsitzende: Sie alle sitzen gemeinsam am Tisch und diskutieren, lachen, präsentieren. Auch Kopfschütteln darf bei so viel Innovation natürlich erlaubt sein.
Ruf nach Parkplätzen bewegt immens
Interessant: Obwohl die fachmännisch moderierten Arbeitsgruppen in Themenbereich gegliedert sind, beherrschen wenige Themen nahezu alle Gruppen: Der Ruf nach Parkplätzen innerorts beispielsweise bewegt immens. Warum ist der Hauptplatz in bester Lage Peitings permanent von Dauer-Parkern belegt, da es dort bis auf wenige Plätze keine Stunden-Begrenzung beim Parken gibt? Und falls man das ändert: Wohin dann mit den Dauer-Parkern? Am besten ein Parkhaus auf dem Parkplatz vor der Mädchenschule bauen! Zumal ja auch noch die Parkplätze auf dem Hennabeckla-Grundstück gegenüber der Metzgerei Rohrmoser Geschichte sind, wenn das geplante Ärzte- und Wohnhaus gebaut ist.
Übrigens: Das Thema Parkplätze war auch eines der zentralen Themen bei der ersten „Zukunftswerkstatt“, die vor zwölf Jahren in Peiting stattgefunden hat. Es findet sich eine weitere Parallele: Der ländliche Charakter des Dorfes soll beibehalten werden. Da waren sich die Teilnehmer damals und heute einig.
ÖPNV hat großen Stellenwert
Einen weitaus größeren Stellenwert nimmt heute das Thema Öffentlicher Personen-Nahverkehr (ÖPNV) ein. Vor allem die bestehende (langsame) Zugverbindung nach München, aber auch die Fuchstalbahn nach Landsberg oder eine Verbindung ins Allgäu sind ein Dauerbrenner – für Berufspendler, Studenten, aber auch für den Wirtschaftsfaktor Peiting.
Exotisch wird’s wenn Peter Ostenrieder an diesem Abend in einer Arbeitsgruppe das Ergebnis eines Small-Talks mit Herzogsägmühle-Direktor Wilfried Knorr einwirft: Der träumt von einer Brücke oder gar einer Seilbahn vom Hof Hohenwart (Verbindungsstraße Lexe/Dießener Straße) über die Peitnach nach Herzogsägmühle.
Ein Fördermittel-Traum? Eine Spinnerei? Oder Zukunftsmusik? Man weiß es nicht. Möglich ist bei der Peitinger „Zukunftswerkstatt“ alles. „Sie dürfen sich auch gerne über die ein oder andere Karte wundern“, muntert Ostenrieder nach vier Stunden zum Nachdenken auf. Eine zweite Gelegenheit gibt’s eventuell im Herbst bei einer Anschluss-Veranstaltung. Man(n) hängt sich rein. Kein Wunder: (Bislang) fünf Bürgermeister-Kandidaten und (nur) „ein Herz für Peiting“. Die Spannung steigt.
Kino & Baumarkt
So manches finden Peitings Bürger gar nicht so toll: Beispielsweise die Planung eines Kinos an der Neubausiedlung an der Bahnhofstraße. Viel lieber wäre ihnen ein Kino-Center draußen auf der grünen Wiese. Dort soll es auch eine große Tankstelle mit Lkw-Stellplatz und Pendlerparkplatz geben. Außerdem auch gerne einen Baumarkt mit angepassten Öffnungszeiten. Zwar lieben die Peitinger ihre kleinen Baumarkt-Händler. Allerdings haben die am Samstagnachmittag geschlossen, wenn Papi das Zuhause mit Hammer und Nagel verschönern möchte. Wurde einst in Peiting, die Ansiedlung eines großen Baumarkts verhindert, so ist man sich an diesem Abend einig: Wer den Ort dicht macht für größere Bauvorhaben, der baut sich über kurz oder lang das pralle Geschäftsleben auf der grünen Wiese – immer wieder fällt hier, nicht in positivem Sinne, das Stichwort „Schongau-West“.
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