- VonWolfgang Schörnerschließen
Das Biotech-Unternehmen Roche hat am Mittwoch in Penzberg den Grundstein für sein neues Diagnostika-Forschungsgebäude gelegt. Dort sollen in etwas mehr als zwei Jahren über 800 Forscher Platz finden, die aktuell in 28 anderen Gebäuden auf dem Penzberger Werkgelände und in München untergebracht sind. Roche investiert bis zu 250 Millionen Euro.
Penzberg – Eigentlich war es am Mittwoch keine klassische Grundsteinlegung. Der Grundstein war eine Vitrine, die nicht im Boden versenkt wird, sondern später im neuen Forschungsgebäude ausgestellt werden soll. In einem Festzelt neben der Baustelle legten Konzernchef Christoph Franz, Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU), Roche-Deutschland-Geschäftsführer Claus Haberda und Ann Costello („Globale Leiterin Roche Diagnostics Solutions“) mehrere Gegenstände hinein: einen bayerischen Mini-Löwen aus Porzellan, einen Penzberger Merkur, die Helix-Skulptur des nahen Kreisverkehrs in Kleinformat, ein Holzmodell des neuen Gebäudes und einen Corona-Antikörpertest. Letzterer, hieß es, soll stellvertretend für die diagnostischen Tests stehen, die in dem Forschungsgebäude einmal entwickelt werden.
Das siebengeschossige Forschungsgebäude mit dem Namen „Leap“ („Laboratory Excellence Accelerator Penzberg“) – man kann das Wort auch mit „Sprung“ übersetzen – entsteht an der Südgrenze des Werkgeländes auf einem Teil des Großparkplatzes. In den vergangenen Wochen war dort die Bodenplatte gegossen worden. Die Fertigstellung ist für Ende 2024 geplant, der Bezug im Jahr 2025. Laut Roche sollen dort 800 Forscher aus anderen Gebäuden Platz finden. Zudem könnten bis zu 100 neue Arbeitsplätze zusätzlich entstehen, hieß es auf Anfrage.
„Eines der nachhaltigsten Forschungsgebäude“ in Europa
Der 33 Meter hohe Komplex wird laut Roche „eines der intelligentesten und nachhaltigsten Forschungsgebäude für diagnostische und pharmazeutische Forschung in Europa“. Gegenüber heutigen Labors werde der CO2-Fußabdruck und Energieverbrauch um zwei Drittel reduziert, zudem würden die Baustoffe nach ökologischen Aspekten ausgewählt, so das Unternehmen.
„Riesiger Motivationsschub“ durch die Investition
Penzberg sei „eines der führenden Kompetenzzentren in Life Science“ und „einer der größten Biotechnologie-Standorte in Europa“, sagte Geschäftsführer Haberda. Er verspreche, dass die Investition einen „riesigen Motivationsschub“ gebe. Der neue Werkleiter Paul Wiggermann sagte am Rande des Festakts auf Nachfrage, es sei ein guter Tag für den Standort Penzberg, die Diagnostika-Sparte, für Innovationen aus Penzberg und für die weltweite Versorgung von Patienten. Die Investition wertete er als „starkes Bekenntnis des Konzerns zu Penzberg.
Kritik an Lauterbach-Gesetzesentwurf
Beim Festakt ging es auch um handfeste Politik. Kritisiert wurde ein Gesetzesentwurf von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zur Finanzierung der gesetzlichen Krankenkassen, der unter anderem ein Preismoratorium und einen Herstellerabschlag beinhaltet. Konzernchef Franz, der zuletzt bei der Präsentation des Corona-Antikörpertests im Mai 2020 in Penzberg war, sagte zwar, dass Roche mit der Grundsteinlegung weiter auf Deutschland als Forschungsstandort setze. Er warf der Bundesregierung aber zugleich vor, den Innovationsstandort zu gefährden. Als global agierendes Unternehmen stehe man immer vor der Frage, wo man investiere, sagte Franz. Er sei überzeugt, dass Reformen im Gesundheitswesen nötig seien, man müsse aber gemeinsam überlegen, was wirksame strukturelle Maßnahmen sind. Ähnlich äußerte sich Bayerns Gesundheitsminister Holetschek. Die Bundesregierung dürfe den Standort nicht riskieren. Holetschek sagte, er habe einen Pharmadialog auf Bundesebene angeregt, Lauterbach habe dies aber abgelehnt. Dies sei „ein verheerendes Signal“.
Ministerpräsident Söder per Videobotschaft
Eigentlich sollte auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zum Festakt kommen. Er musste jedoch nach Berlin zur Ministerpräsidentenkonferenz („Ich bin halt jetzt bei den andern“). Söder, an dessen Stelle Staatskanzlei-Chef Florian Herrmann in Penzberg war, sagte in einer Videobotschaft, dass Roche ein starker Partner sei und diese Investition Bayern enorm als Innovationsstandort stärke.
Roche hat in Penzberg auch noch weitere Pläne. So strebt das Unternehmen im Norden eine Erweiterung des Werkgelände an. Außerdem wird das Werk künftig Forscher in der Nachbarschaft haben: die Fraunhofer-Gesellschaft.
