- VonWolfgang Schörnerschließen
Um rund 14 Hektar will Roche sein Penzberger Werkgelände im Norden erweitern. Umgerechnet sind das etwa 19 Fußballfelder. Derzeit wird an einem Bebauungsplan gearbeitet. In einer ersten Runde des Verfahrens lagen dem Bauausschuss nun Stellungnahmen von Behörden, Verbänden und Öffentlichkeit vor. Sie zeigen: Es gibt deutliche Kritik.
Penzberg – Vor allem um das Ausmaß der Erweiterung ging es am Dienstagabend im Bauausschuss, dem in der ersten Runde des Bebauungsplanverfahrens umfangreiche Stellungnahmen vorlagen. Kritik äußerten in der Sitzung sowohl Grünen-Mitglied Sebastian Fügener als auch Martin Janner von „Penzberg miteinander“ (PM). Beide stimmten am Ende gegen den Bebauungsplanentwurf. Dem „Nein“ schloss sich Ferdinand Disl von der FLP an. Eine 5:3-Mehrheit aus CSU, SPD und BfP billigte aber die Fassung, die nun dem Stadtrat vorgelegt wird.
Grüne „unterstützen die Erweiterung, aber nicht um jeden Preis“
Vorsichtig begründete Sebastian Fügener seine Ablehnung. Der Roche-Wunsch nach Erweiterung sei nachvollziehbar, sagte er. Es gebe da auch Raum für Möglichkeiten. „Wir als Fraktion unterstützen eine Erweiterung, aber nicht um jeden Preis.“ Fügener verwies dabei auf eine Stellungnahme der Rathaus-Abteilung für Umwelt- und Klimaschutz, die erhebliche Nachteile für Tiere, Pflanzen, biologische Vielfalt, Boden und Landschaft sieht. „Dies sollte alarmierend zur Kenntnis genommen werden“, so die Klima-Abteilung.
Warnen vor Folgen für die Penzberger Infrastruktur
Fügener warnte zudem vor den Folgen für Penzbergs Infrastruktur. Roche rechne selbst mit über 1000 neuen Mitarbeitern. „Wir sollten uns erst einmal klar werden, ob wir als Stadt die Expansion auch städtebaulich stemmen können“, sagte er. Es würden schon jetzt Kita-Plätze fehlen, zugleich müssten die Schulen erweitert werden, der Wohnungsmarkt sei angespannt, was sich verschärfen werde. Seine Fraktion glaube, dass Roche auch mit einer gemäßigten Erweiterung stabil bleibe. „13 Hektar sind uns zu groß.“ Zugleich forderte Fügener, dass die Infrastrukturfolgen im städtebaulichen Vertrag mit Roche verankert werden.
Ähnlich argumentierte Martin Janner (PM). Er wolle den Roche-Standort nicht infrage stellen. Diese Dimension bereite aber Bauchschmerzen. „Es ist für uns noch nicht beantwortet, ob sie erforderlich ist“, sagte Janner, der auf den jährlichen enormen Natur- und Waldverlust in Bayern hinwies. Er schlug vor, im Bebauungsplan zunächst nur eine Teilfläche im Westen auszuweisen.
Bund Naturschutz: Potenzial im bestehenden Werk „ohne Tabus“ prüfen
Einen entsprechenden Vorschlag hat der Penzberger Bund Naturschutz in seiner Stellungnahme unterbreitet. Er erklärte, dass die beantragte Dimension „deutlich kritisch zu beurteilen“ sei. Betroffen sei eine strukturreiche, vielfältige Naturlandschaft mit gesetzlich geschützten Biotopen und gesetzlich geschützten Arten, schreiben die Naturschützer. Als Kompromiss schlagen sie vor, das Flächenpotenzial im bestehenden Werk „erneut ohne Tabus“ zu prüfen. Ähnlich sieht es ein Anwohner in einer Stellungnahme – eine von zwei aus der Bevölkerung: Roche solle erst einmal seinen großen Firmenparkplatz für eine Erweiterung nutzen und für die Autos ein zusätzliches Parkhaus bauen, heißt es dort.
Städtische Industrieflächen stehen nicht zur Verfügung
Ein Kompromiss wäre laut Bund Naturschutz auch, die Erweiterung nur schrittweise umzusetzen und eine „deutlich reduzierte Nordvariante“ zu entwickeln. Eine andere Variante wäre ihm zufolge, die städtischen Flächen im Westen des Werks zu nutzen. Seitens der Stadt hieß es dazu allerdings, dass es sich dabei um drei Industrieflächen mit knapp 3,7 Hektar handelt, die mit ihrem Maß der baulichen Nutzung nicht den Roche-Anforderungen entsprächen und an andere Betriebe verkauft werden sollen.
Die Untere Naturschutzbehörde hatte in ihrer Stellungnahme eine umfangreiche Kompensation für den Eingriff in die Natur gefordert. Eine Stellungnahme gab auch die Nachbargemeinde Iffeldorf ab. Sie fürchtet Folgen für den eigenen Wohnungsmarkt, für Verkehr, Kitas und Schule. Sie schlug der Stadt Penzberg vor, gemeinsam Synergien beim Ausbau der Infrastruktur und negative Folgen für den Wohnungsmarkt zu erörtern.
Gutacher: Circa 1000 zusätzliche Kfz-Fahrten sind täglich zu erwarten
Stadtbaumeister Justus Klement und Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) erklärten in der Sitzung, dass an einem städtebaulichen Vertrag zwischen Roche und Stadt gearbeitet wird. Man werde dafür externe Experten zurate ziehen. Anwesend waren in der Sitzung auch die Planungsbüros und Gutachter, die bereits im vergangenen April erste Aussagen zu Ausgleichsmaßnahmen für Wald und Tierwelt, zu Verkehr und Lärmschutz getroffen hatten (wir berichteten). Harald Spath vom Büro „Gevas“ wiederholte, dass eine Erweiterung circa 1000 zusätzliche Kfz-Fahrten am Tag auslöse, die zur Hälfte das Stadtgebiet betreffen, zu einem großen Teil aber über die Dr.-Gotthilf-Näher-Straße zur Autobahn fließen werden. Einen größeren Effekt hätten ihm zufolge Nachverdichtung und weitere Gewerbeansiedlungen. Monika Hess vom Büro „H2“ erklärte, dass der artenschutzrechtliche Ausgleich innerhalb des Bebauungsplangebiets geleistet werde.