- VonWolfgang Schörnerschließen
In St. Johannisrain, einer Keimzelle Penzbergs, wurden am Sonntag die Feiern zum 100-Jährigen der Stadterhebung fortgesetzt – mit einer Ortstafel-Enthüllung, einer Andacht und der Frage, wie alt St. Johannisrain wirklich ist. Sogar ein chinesisches Kamerateam war da.
Penzberg – Seit 26 Jahren bewirtschaftet die Familie Marketsmüller den Gutshof im Penzberger Ortsteil St. Johannisrain. Etwas mehr als ein Viertel der Penzberger Stadtgeschichte, wie Hermann Marketsmüller am Sonntag anmerkte. An seiner Hofmauer wurde am Nachmittag eine Ortstafel enthüllt, maßgeblich erstellt von der Penzberger Kulturgemeinschaft und Ersatz für eine alte Tafel, die zum 75-Jährigen der Stadt aufgehängt wurde. Bürgermeisterin Elke Zehetner, Hermann Marketsmüller, Vize-Bürgermeister Johannes Bauer und Kulturgemeinschaft-Vorsitzender Thomas Sendl enthüllten die Tafel über die Geschichte des Ortsteils.
Feier in St. Johannisrain: Einmaligen Ort erhalten
Es sei „wichtig für die Stadt und für uns, dass dieser einmalige Ort in seiner Idylle und Einzigartigkeit erhalten“ bleibe, sagte Marketsmüller über St. Johannisrain. Dies sei allen eine Herzensangelegenheit, wie man heuer gemerkt habe – eine Anspielung auf die abgelehnten Ferienchalet-Pläne. An Penzberg schätze er die lebhafte Streitkultur, sagte er und fügte den Wunsch an, dass dies „auf sachlicherem Niveau und ohne Beleidigungen“ geschehe. Auch eine Klima-Anmerkung macht er: Der Mensch sei nicht bedeutend genug, um das Klima ändern zu können, er könne sich ihm nur anpassen.
Feier in St. Johannisrain: Recherche bis in die Zeit der Ungarneinfälle
Nach der Andacht mit den Pfarrern Bernhard Holz (Penzberg) und Peter Seidel (Pfarreiengemeinschaft Habach), untermalt von der Stadt- und Bergknappenkapelle, erzählte Bertin Butz von der Geschichte St. Johannisrains. In einer Urkunde aus dem 14. Jahrhundert steht, dass Johannisrain vom Kloster Benediktbeuern zurückgekauft wurde, es dem Kloster also schon einmal gehörte. Bei seiner Recherche stieß Butz auf ein Dokument, wonach der bayerische Herzog den Ort dem Kloster zur Zeiten der „Hunnen“, also Ungarneinfälle, entzogen habe. Butz schlussfolgerte: Johannisrain muss es vor 955 gegeben haben, denn damals wurden die Ungarn auf dem Lechfeld endgültig besiegt. „Jetzt können sich die Penzberger herausgefordert fühlen, einen früheren Beleg für den Namen Poennensperch zu finden“, sagte Butz.
Feier in St. Johannisrain: Sogar ein chinesisches Filmteam drehte
Sogar ein chinesisches Filmteam war da. Es dreht, wie es auf Nachfrage hieß, in Penzberg einen Film über Bayerns Esskultur und filmte bereits in Reindl bei der Metzgerei Schmid, wie man Weißwürste herstellt. Die Kulisse von St. Johannisrain passte da offenbar gut in den Beitrag.
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