Sorgen in Agatharied

Personalausfall am Krankenhaus auf mehr als das Doppelte gestiegen

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 Benjamin Bartholdt, Vorstand am Krankenhaus Agatharied.

Sorgenfalten bei den Verantwortlichen des Krankenhauses Agathariedd: Zu Energie- und Kostenkrise gesellen sich nun wieder steigende Coronazahlen.

Agatharied – Landrat Olaf von Löwis hatte im Kreisausschuss einen Einblick in die Situation am Krankenhaus Agatharied gegeben, auf Anfrage konkretisiert Vorstand Benjamin Bartholdt die Lage – und die ist durchaus alarmierend. Nicht allein wegen der Energie- und Kostenkrise, die die Krankenhausleitung zuletzt bei Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek persönlich beklagen durfte (wir berichteten). Vielmehr stellen auch (wieder) die steigenden Coronazahlen die Klinik vor enorme logistische Herausforderungen.

Krankenhaus-Chef fürchtet „extreme wirtschaftliche Schwierigkeiten“

„Energie, Medizinprodukte, Dienstleistungen und vieles mehr haben sich so stark verteuert, dass sich in Agatharied und zahlreichen Kliniken extreme wirtschaftliche Schwierigkeiten einstellen“, heißt es in einer Stellungnahme des Krankenhauses. Damit ist Agatharied nicht allein, wie aus einer Kampagne der Deutschen Krankenhausgesellschaft im September hervorgeht. Doch das ist nur ein schwacher Trost. Bartholdt schließt sich dem Hilferuf an die Politik an. Konkret könnte eine solche Hilfe etwa die Reduktion der Bürokratie-Hürden beim Gewinnen von Personal aus dem Kreis qualifizierter Einwanderer bedeuten.

25 bis 35 Ausfälle sind normal, aktuell sind es über 80

Mit der Personaldecke hat auch Agatharied zu kämpfen, aktuell eben auch wegen der ansteigenden Infektionszahlen. Diese schlagen sich erneut doppelt nieder. Zum einen ist der Krankenstand massiv gestiegen. Zu normalen Zeiten seien 25 bis 35 Mitarbeiter krank gemeldet. Am Donnerstagvormittag waren es über 80. Kommt aufseiten der Patienten Corona ins Spiel, hat es das verbliebene Personal auch mit einem erhöhten Aufwand zu tun. Weiterhin werden die Covid-19-Patienten in voller Schutzausrüstung – Haube, Brille, Mundschutz, Kittel und Handschuhe – versorgt. Allein das Anziehen frisst Zeit. Bartholdt fasst zusammen: „Das Virus bedeutet für uns im Krankenhaus noch immer eine enorme Herausforderung.“ Die Situation sei ernst.

32 Corona-Patienten auf Normalstationen - plus vier auf Intensiv

Stand gestern Vormittag, stellte sich die Lage in Zahlen folgendermaßen dar: Die Unterbringung der Corona-Patienten erfolgt wieder zentral in einer Station mit 20 Betten. Diese waren alle belegt, sodass die Klinik eine zweite Station betreibt, um die weiteren zwölf infizierten Patienten entsprechend betreuen zu können. „Die Gesamtzahl der Betten für Patienten mit Corona ändert sich im Moment stündlich“, heißt es weiter. Wegen des Mehraufwands bei der Betreuung reduziert ein Covid-Patient die Kapazität in der regulären Patientenversorgung um mehr als das eine Bett, das er belegt. Auf der Intensivstation waren zwölf von 14 Betten in Betrieb und elf davon belegt, zwei davon mit Corona-Patienten. Im Intermediate-Care-Bereich, einer Art Zwischenstufe zwischen Intensiv- und Normalstation, belegten zwei an Covid-19 erkrankte Personen die aktuell acht verfügbaren Betten.

Zu den Maßnahmen schreibt die Klinik: „Im Zuge der Personalausfälle müssen immer wieder OP-Kapazitäten reduziert und Betten vom Netz genommen werden.“ Die verfügbaren Ressourcen würden täglich aufs Neue geprüft. „Wir fahren auf Sicht.“ Regulär verfügt das Haus über 350 Betten.

Hinsichtlich der Vorsichtsmaßnahmen hat sich in Agatharied über den Sommer wenig geändert. Weiterhin werden die Mitarbeiter mehrmals pro Woche auf Corona getestet, Patienten vor der Aufnahme und dann zweimal pro Woche. Auch Besucher brauchen einen Test, und es herrscht FFP-Maskenpflicht.

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