VonGabi Wernerschließen
Tegernsees Altbürgermeister Peter Janssen möchte, dass der Fall des Badewannen-Mords in Rottach-Egern neu aufgerollt wird. Dazu hat er eine Online-Petition gestartet. Die Zahl der Unterstützer steigt.
Tegernsee/Rottach-Egern – Peter Janssen wertet die Zahl als „erfreulich“: Rund 760 Unterstützer haben mittlerweile die Online-Petition unterzeichnet, die der Tegernseer Altbürgermeister gemeinsam mit seiner Frau Ursula und dem Münchner Stanislaus Benecke Mitte Juli gestartet hat. Mit der Aktion will er erreichen, dass der angebliche Badewannen-Mord von Rottach-Egern vor Gericht neu aufgerollt wird. Wie viele andere auch, so glauben der Jurist Janssen und seine Mitstreiter an eine mögliche Unschuld des verurteilten Manfred Genditzki. Unter dem Titel „Lebenslang unschuldig eingesperrt?“ appellieren sie in ihrer Petition an Bayerns Justizminister Georg Eisenreich, sich für eine Wiederaufnahme des Verfahrens zugunsten Genditzkis einzusetzen.
Mit Befremden hatte Janssen – damals noch Rathaus-Chef von Tegernsee – seinerzeit den Prozess gegen Manfred Genditzki verfolgt. Das Motiv des angeblichen Täters sei regelrecht konstruiert worden, eindeutige Spuren habe es nie gegeben. Dennoch wurde der heute 59-Jährige wegen Mordes an einer 87-jährigen Rottacherin zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Genditzki soll die alte Dame in deren Badewanne getötet haben. Die Familie hingegen glaubt an einen tragischen Unfall und kämpft für die Wiederaufnahme des Verfahrens.
Einen entsprechenden Antrag hat die Anwältin Genditzkis beim Landgericht München I bereits gestellt. Wie Janssen zu berichten weiß, habe das für die Zulassung der Wiederaufnahme zuständige Gericht mittlerweile eine Stellungnahme der Staatsanwaltschaft angefordert. „Das ist ein gutes Zeichen, die meisten Anträge werden vom Gericht sofort abgewiesen“, erklärt der Jurist. Hier sei das Gericht aber offenbar in die genauere Prüfung eingestiegen.
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Damit der Druck auf die Justiz weiter wächst und klar werde, „dass die Öffentlichkeit das Verfahren genau im Auge hat“, hofft der Altbürgermeister auf weitere Unterstützer seiner Petition. Nachdem die zunächst angepeilten 500 Unterschriften erreicht worden waren, hätten er und seine Mitstreiter den Justizminister angeschrieben und über die laufende Petition informiert. Gleichzeitig wurde die Zielmarke auf 1000 Unterzeichner hoch gesetzt. Wer die Petition unterstützen möchte, findet diese auf der Homepage www.openpetition.de und kann dort ins Suchfeld „Lebenslang unschuldig eingesperrt“ eingeben. Auch über Suchmaschinen ist die Petition mit diesen Begriffen leicht zu finden.
Ein Aspekt ist Janssen bei der Sache ganz wichtig. So wie dem verurteilten Manfred Genditzki, der für die alte Dame aus Rottach-Egern Freundschaftsdienste wie Einkäufe und Arzt-Fahrten erledigte, könne es jedem ergehen, der sich um Hilfsbedürftige kümmere. Würden diese Opfer eines Haushalts-Unfalls, könne jederzeit derjenige in Verdacht geraten, der sich zuletzt bei dem Hilfsbedürftigen aufgehalten habe. „Das ist mir bei diesem Fall so richtig klar geworden“, so Janssen.
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