Bauausschuss gibt grünes Licht

Pfarrheim Miesbach: Stadtrat hat das letzte Wort

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Entscheidende Bedeutung haben die Parkplätze vor dem katholischen Kindergarten. Elf Autos sollen dort künftig untergebracht werden. Sie sollen auch dem geplanten Neubau des Pfarrheims dienen.
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Fast hätte es das neue Pfarrheim der katholischen Pfarrei Miesbach am Dienstagabend im Bauausschuss über die Ziellinie geschafft. Das Gremium stimmte zu, doch das letzte Wort hat der Stadtrat - wegen einer besonderen Konstellation.

Mit 5:4 Stimmen votierte das Gremium dafür, in der Kolpingstraße bei den Parkplätzen von Pfarrheim (Hausnummer 22) und Kindergarten (Nummer 13) eine Doppelnutzung zuzulassen. Aber eben nur fast, denn es gibt ja noch die Beschlusslage aus dem Stadtrat, der den Fall mit der Stellplatzfrage im Februar dieses Jahres an den Bauausschuss verwiesen hatte – mit der Maßgabe, gerade keine Doppelnutzung anzuerkennen, wie Bauamtsleiter Lutz Breitwieser erklärte. Damit hat nun der Stadtrat in seiner Sitzung am 10. Oktober das letzte Wort.

Effektives Raumkonzept, aber umstrittene Architektur

Wie berichtet, stößt die Kirche bei der Stadt von Beginn an auf Kritik und Widerstand. Grund ist die Planung. Der Münchner Architekt Christian Olufemi hat es geschafft, den eigentlich zu großen Raumbedarf, kirchliche Bauregeln und die problematische Hanglage an der Kolpingstraße zu meistern. Bei der Präsentation der Pläne im März 2016 hatte Pfarrgemeinderatsvorsitzender Ferdinand Huber berichtet, dass Miesbach eigentlich beim Saal laut Vorgabe der Kirchenstiftung als Bauherrin Abstriche hinnehmen müsse. Doch Olufemi habe wieder einen großen Raum ermöglicht.

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Dennoch gab in den Augen einiger Stadträte ein nicht unerhebliches Manko: die für Miesbach zu moderne Architektur, die auf den ortstypischen Dachüberstand verzichtet und auf eine ortsunübliche Fassade mit großen Fenstern setzt.

Hindernis fehlende Stellplätze

Nachdem das Projekt damit zunächst im Bauausschuss hängen geblieben war, überwand es diese Hürde durch Nachbesserungen im Stadtrat, um dann vor dem nächsten Problem zu stehen: Nach der städtischen Stellplatzsatzung kann die Kirche nicht genug Parkplätze nachweisen. 24 – so rechnete das Bauamt vor – brauche es bei Vollauslastung des Pfarrheims. Damals standen aber nur sieben zur Verfügung. Die vier Stellplätze am Kindergarten sind diesem fest zugeordnet. Der Fall wanderte damit zurück in den Bauausschuss.

In der Zwischenzeit ist einiges passiert – und zwar doch hin zur Doppelnutzung der Parkplätze von Pfarrheim und Kindergarten. Vor dem Pfarrheim werden die Stellplätze von sieben auf neun erhöht. Zudem bekommt der Kindergarten elf statt bislang vier Plätze. Macht 20. Weniger vier, die dem Kindergarten zugeschrieben sind – also 16. Gleichzeitig verringert sich die erforderliche Stellplatzzahl auf 17. Der Grund: Die Pfarrei hat glaubhaft mit einer Betriebsbeschreibung dargelegt, dass nie das gesamte Pfarrheim gleichzeitig genutzt wird. Wenn ein großer Termin im Saal ansteht, ruhe der Betrieb in den übrigen Räumen. Der fehlende Stellplatz soll vom Kindergarten rübergerechnet werden, da die Maximalzahl nur außerhalb der Kindergartenzeiten zu erwarten ist. Rechtlich laut Breitwieser machbar. Dieser Kunstgriff müsste allerdings fester Bestandteil der Baugenehmigung werden.

Knappes Ergebnis pro Pfarrheim

Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) begrüßte die Lösung: „Damit ist die Kuh vom Eis. Wir könnten mit gutem Gewissen zustimmen.“ Doch so leicht wollten die Kritiker nicht folgen. Pohls Einwand, dass die Stellplätze mit den vorgeschriebenen 2,40 Meter recht schmal seien, konterte Fertl: „Es sind mehr Parkplätze bei gleichem Nutzungsumfang.“ Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FWG) äußerte „Bedenken, dass wir dort eine Parkerei auslösen“. Und auch Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) gefiel es gar nicht, „dass es da so eng ist“. Dagegen verwies Florian Ruml (FWG) auf den öffentlichen Charakter des Pfarrheims und die geleisteten Zugeständnisse seitens der Kirche.

Bei der Abstimmung unterstützten Stefan Griesbeck (CSU), Ruml, Manfred Burger (Grüne), Fertl und Sabine Schuhbeck (SPD) die Kompromisslösung. Pongratz, Lechner, Pohl und Franz Mayer (CSU) stimmten dagegen.

Pastoralreferentin Kathrin Baumann zeigte sich froh, dass der Bauausschuss grünes Licht gegeben hat: „Wir hoffen jetzt, dass auch der Stadtrat den Willen hat, dieses öffentliche Gebäude möglich zu machen.“

ddy

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