VonAndreas Steppanschließen
Das Thema Pflege geht jeden an: Denn früher oder später stellt sich in praktisch allen Familien die Frage, ob und welche Pflegeleistungen in Anspruch genommen werden – ob nun im Heim, ambulant oder in der Familie.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Mit der Fortschreibung des Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts wollte der Landkreis 2017 wichtige Weichen stellen, um Angebotslücken zu schließen. Im Kreistags-Ausschuss für soziale und kulturelle Angelegenheiten legte Felicitas Wolf von der Landratsamts-Fachstelle Senioren nun eine Zwischenbilanz dazu vor. Ergebnis: Im Pflegebereich hat sich in den vergangenen zwei Jahren einiges bewegt. Was davon auf das Zutun des Landkreises zurückzuführen ist, blieb offen.
Etwas kleiner geworden ist demnach die Lücke bei der Versorgung mit stationären Pflegeplätzen. Ihre Zahl wuchs laut Wolf seit 2017 von 937 auf 993 an. Der Landkreis habe Baumaßnahmen finanziell gefördert, durch die 58 Plätze neu entstanden beziehungsweise 56 im Bestand erhalten blieben, referierte Wolf. Davon profitierten die Pflegeheime in Kochel am See, Schlehdorf und Schwaigwall (Geretsried). Weitere Einrichtungen, die noch Bauzuschüsse vom Landkreis erhalten wollen, müssen ihren Antrag bis zum 31. März 2020 stellen.
Hier befinde sich derzeit das Pflegeheim „Zum Jaud“ in Bad Heilbrunn in der Warteschleife, so Wolf. Und möglicherweise werde es noch drei weitere Anfragen geben. Auf Rückfrage von Kreisrätin Barbara Schwendner (Grüne) präzisierte Wolf: „Wir wissen, dass es beim Josefistift in Bad Tölz, in Lenggries und beim AWO-Seniorenzentrum Wolfratshausen Bewegung gibt, aber konkrete Anfragen liegen uns noch nicht vor.“
Lesen Sie auch: Andreas Bernhard neuer Schulleiter am Walchensee
Nach aktuellem Stand bleibt unterm Strich immer noch eine Lücke von 452 Plätzen, um bis 2028 den Bedarf zu decken. „Nach wie vor ist die Not groß, einen Pflegeplatz zu bekommen. Was können wir nach dem 31. März 2020 tun, damit die positive Entwicklung weitergeht?“, fragte Schwendner. Wolf gab zu bedenken, dass der „Hemmschuh“ fürs Entstehen neuer Pflegeplätze nicht die mangelnde finanzielle Förderung sei, sondern vor allem die Verfügbarkeit von Grundstücken. Auch bei den bisherigen Projekten habe gegolten: „Die Heimplätze sind nicht aufgrund unserer Förderung entstanden, sondern sie müssen sich auch so wirtschaftlich tragen.“ Sozialamts-Leiter Thomas Bigl machte deutlich: „Wir haben nicht spürbar mehr Plätze geschaffen und wir haben auch keinen Nachweis, dass die Plätze durch unsere Förderung für die Bewohner billiger geworden wären.“ Man müsse überlegen, wie der Landkreis auf andere Art darauf hinwirken könne, dass Investoren und Gemeinden Pflegeplätze schaffen.
Felicitas Wolf berichtete, dass das Landratsamt erst vor wenigen Tagen alle Bürgermeister angeschrieben und mit aktuellen Zahlen zur demografischen Entwicklung in ihren Gemeinden versorgt habe – „als Motivationshilfe“, sich für die Schaffung zusätzlicher Pflegeplätze einzusetzen.
Lesen Sie auch: In der „Lust“ lebt Leonhardi auf: Kulturverein stellt neues Programm vor
Erfreulich ist die Entwicklung laut Wolf im Bereich Tagespflege. Mit den Einrichtungen in Bad Tölz und Geretsried gebe es jetzt 43 Plätze. Der errechnete Bedarf sei somit gedeckt. „Die ersten Einrichtungen haben vorgemacht, dass es funktioniert. Die weitere Entwicklung können wir dem Markt überlassen.“ Eine weitere Förderung sei nicht nötig.
Wirkung gezeigt habe auch eine Veränderung bei der finanziellen Unterstützung der ambulanten Pflege. Die Anbieter bekommen jetzt einen Zuschuss von 34 Cent pro gefahrenem Kilometer dann, wenn sie abgelegene Gebiete ansteuern. Die waren zuvor unterversorgt, weil sich der weite Weg nicht lohnte. „Hier können mittlerweile 48 Personen mehr versorgt werden, zum Beispiel in Weilern von Egling, Dietramszell und Jachenau“, sagte Wolf.
Kein Bedarf bestehe aus Expertensicht an einem Hospiz im Landkreis, da das Hospiz in Polling (Kreis Weilheim-Schongau) ausbaue und ein neues in Miesbach entstehe.
Lesen Sie auch: Stadtrat: Sieben Standorte fürs künftige Josefistift
