- VonMichaele Heskeschließen
Dorfen - Die SPD-Landesvorsitzende Ronja Endres folgt der Einladung des Ortsverbands Dorfen und sucht den direkten Dialog mit den Bürgern vor Ort.
Sie heiße Ronja, „wie die Räubertochter“ aus Astrid Lindgrens Kinderbuch, stellte sich die bayrische SPD-Landesvorsitzende Endres vor, die am Freitag auf dem Unteren Markt den direkten Dialog mit den Bürgern suchte. Eingeladen hatten die Genossen des Ortsverbands Dorfen.
Endres betonte im Gespräch mit mehreren Passanten die Wichtigkeit eines starken Europas. „Jede Stimme zählt am 9. Juni“, forderte sie die Dorfener auf. Egal bei welcher demokratischen Partei man sein Kreuz auch mache: „Ob SPD, Grüne, Freie Wähler und FDP oder auch die CSU – den Plänen der AfD müssen wir uns gemeinsam entgegenstellen.“ Denn die Rechten, da ist sich die Sozialdemokratin ganz sicher, gehen alle zur Wahlurne.
Trotz der jüngsten Turbulenzen scheint die AfD in den aktuellen Umfragen kaum Wählergunst eingebüßt zu haben, monierte sie. „Wenn man sich das überlegt, die AfD ist sogar den Rechtspopulisten in Europa zu extrem“, und verwies auf den Ausschluss der Abgeordneten aus der rechten ID-Fraktion im EU-Parlament.
„Die meisten wählen aus Protest die AfD, kennen aber das Wahlprogramm nicht und überblicken auch nicht die Konsequenzen“, meinte eine Passantin. Dazu gehören auch die Pläne der AfD für einen EU-Austritt Deutschlands, nahm Endres sogleich das Thema auf. „Wir als Deutsche sind einer der größten Profiteure der Europäischen Union.“ Jeder vierte Arbeitsplatz im Land hänge schließlich von den Exporten in das europäische Ausland ab. Betrachte man zudem die politische Situation, ist Endres überzeugt: „Der Krieg in der Ukraine, der mögliche Präsidentenwechsel in den USA – da ist ein starkes Europa wichtiger denn je.“
Ronja Endres, 38, ist in Penzberg aufgewachsen. Die ausgebildete Chemielaborantin machte später auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur und schloss ein politikwissenschaftliches Studium ab. Nach Auslandsaufenthalten in den USA und in Pakistan arbeitete sie als Referentin bei der Gewerkschaft. Ihren Parteifreund Heiner Müller-Ermann kennt sie seit vielen Jahren vom Bund Naturschutz.
Hin und wieder verfiel Endres in den Wahlkampfmodus. Etwa als es um die Bildungspolitik ging. „Da passiert nichts, außer dass es weniger Kunst- und Musikunterricht an den bayrischen Grundschulen gibt und keine Stunde weniger Religion“, monierte sie den Beschluss des Kabinetts, bei dem sich Ministerpräsident Söder rigoros durchsetzt habe.
Ansonsten war überwiegend Smalltalk angesagt. Hans Prockl, Autor der „Isental-Protokolle“, wollte einfach mal schauen, was am Marktplatz so los ist. „Früher war ich Marxist, dann Grüner – heuer werde ich SPD wählen – ich mag die sachliche Art des Kanzlers, auch wenn das gegen den Trend ist.“
Gisela Schwarz sprach sich beispielsweise gegen ein Gender-Gebot aus: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich von OrtbäuerInnen spreche.“ Hier mischte sich SPD-Urgestein Müller-Ermann ein und erzählte Anekdoten aus seiner langjährigen politischen Karriere. Beispielsweise wie die Lokalpolitiker im Rathaus reagiert hätten, als er im Ausschuss das erste Mal von StadträtInnen sprach: „Das hatte keiner im Gremium verstanden.“
Zudem erzählte er, wie alle Kreisräte, auch die weiblichen, vom ehemaligen Landrat Xaver Bauer eine Krawatte als Präsent bekommen hatten. Die Retourkutsche: „Die Politikerinnen schenkten dem Landrat bei der nächsten Sitzung dann schwarze Netztstrümpfe.“ mhe