„Die Politik muss endlich das Notwendige tun“: Beifallsstürme für Rentner-Aktivisten aus Freising

„Die Politik muss endlich das Notwendige tun“: Beifallsstürme für Rentner-Aktivisten aus Freising

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Erfolgreiche Premiere: Rund 200 Menschen kamen zur ersten Mahnwache für mehr Klimagerechtigkeit auf den Marienplatz. Rentner Ernst Hörmann (l.) hatte zu der Demo aufgerufen – und will sie monatlich wiederholen.

Bei der ersten Klima-Mahnwache auf dem Freisinger Marienplatz fand Initiator Ernst Hörmann deutliche Worte. Er prangerte die „Gier der großen Konzerne“ und eine „träge und mutlose Politik“ an.

Freising – „Das war der absolute Wahnsinn. Mit so viel Resonanz hätte ich nie gerechnet.“ Ernst Hörmann, der Freisinger Großvater, der sich aus Sorge um die Generation seiner Enkel das Thema Klimagerechtigkeit auf seine Fahnen geschrieben hat, ist überwältigt von der Resonanz der ersten von ihm organisierten Demonstration am Freisinger Marienplatz. Rund 200 Zuhörer waren am vergangenen Freitag zu der Klima-Mahnwache gekommen, darunter auch Freisinger Stadträte der Grünen und der ÖDP.

Immer wieder gab es Applaus für Hörmann während seiner Rede. Der stärkste Beifall brandete auf, als sich der 68-Jährige direkt an die jungen Leute wandte. „Und ich rufe die Jugend dazu auf: Kämpft für eure Zukunft! Schafft euch Gehör, seid mutig, bestreikt am Freitag die Schule! Dann werdet ihr eine riesige Bewegung“, sagte er unter Jubelstürmen. „Ihr seid und bleibt der wichtigste Pfeiler im Kampf um Klimagerechtigkeit.“

Der jährliche Braunkohle-Zug ist fast so lang wie der Erdumfang

Besonders vehement forderte Hörmann den Ausstieg aus der Braunkohle. „Wir fördern und verbrennen in Deutschland jährlich 155 Millionen Tonnen Braunkohle“, betonte er. „Um diese Menge zu transportieren, braucht man einen Güterzug, der 30 000 Kilometer lang ist. Eine Länge, die Dreiviertel des Erdumfangs entspricht.“ Deutschland würde heute noch dieselbe Menge Braunkohle verbrennen wie vor 25 Jahren. „Das heißt, wir haben über Jahre nichts getan, um von der fatalen Braunkohle wegzukommen.“ Fatal deshalb, weil es sich bei der Braunkohle um den schmutzigsten fossilen Energieträger handle. Bei ihr entstehe pro Kilowattstunde Strom die größte Menge CO2.

Es soll nicht die letzte Mahnwache gewesen sein

Neben der „Gier der großen Konzerne“ prangerte Hörmann auch die „träge und mutlose Politik“ an. Dass die Bundesregierung inzwischen einen Kohle-Ausstieg bis 2038 forciert, sorgt beim 68-Jährigen ebenfalls nicht für Beifall. Im Gegenteil Er sieht die Initiative ebenfalls als Beleg für das „unverantwortliche Handeln“ von Kanzlerin Angela Merkel. „Denn das würde bedeuten, noch nahe zuweitere 20 Jahre Kohle zu verbrennen“, betonte er. „Das hat mit den Pariser Zielen nichts zu tun.“ In der französischen Hauptstadt hatten sich 196 Nationen im Jahr 2015 darauf geeinigt, die Begrenzung der menschengemachten globalen Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius gegenüber vorindustrieller Werte zu begrenzen. Hörmanns Appell: „Die Politik muss endlich das Notwendige tun – jetzt raus aus der Braunkohle und sofort mit der Großen Transformation beginnen, um für die Zukunft unserer Kinder zu sorgen.“

Die Mahnwache am Freitagabend soll nicht die letzte Aktion dieser Art gewesen sein. Hörmann plant, ab sofort jeden ersten Freitag im Monat für mehr Klimagerechtigkeit zu demonstrieren. „Damit die Politik uns nicht mehr ignorieren kann.“  

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