Weniger Pöbeleien dank neuer Technik

Polizei im Landkreis setzt auf Body-Cams

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Knallgelb und gut gekennzeichnet: Die Body-Cams, die jetzt auch Tölzer Polizeibeamte bei Einsätzen nützen. Im Bild Polizeioberwachtmeister Stefan Föllmer.

Sie sollen abschrecken und schützen. Und sie tun es, wie ein Pilotprojekt bewiesen hat: Body-Cams. Ab sofort sind am Körper getragene Kameras auch in der Tölzer Dienststelle im Einsatz. Erste Erfahrungen vor Ort sind sehr positiv.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Seit zwei Wochen liegen drei Geräte der Firma Axon im Einsatzraum für die Streifenbesatzungen bereit. Die Spezialanfertigung für die Polizei ist knallgelb und auf Uniform oder Einsatzkleidung gut sichtbar, berichtet Hauptkommissar Markus Landthaler, der auch eine Schulung am Gerät mitgemacht hat. „Sie ist leicht zu bedienen.“

Es sei kein Muss, die Kamera mitzunehmen, berichtet er. Bei Unfällen zum Beispiel sei es nicht notwendig. Doch bei kritischeren Fällen würden die Streifenbeamten schon ganz selbstverständlich zu den handlichen Body-Cams greifen. Landthaler ist überzeugt von der Neueinführung der Polizei und spricht von einer enorm abschreckenden Wirkung. „Wenn wir da bei einem Festl auftauchen und unsere Leute haben die Kameras dran, gibt’s wesentlich weniger Pöbeleien und Ärger mit den Betrunkenen.“

Der Einsatz der Kamera ist übrigens nur mit Ansage erlaubt, berichtet Landthaler. Jeder weiß also, dass er gefilmt wird. Und die Dateien bleiben auch nicht ewig auf der Kamera, sondern werden automatisch gelöscht, wenn sie nicht genutzt werden.

Der Gebrauch der Aufnahmen ist streng reglementiert, ergänzt der Wolfratshauser Inspektionsleiter Andreas Czerweny. In der Loisachstadt sind drei Kameras schon zwei Monaten im Dienst, in Geretsried sind es zwei.

Czerweny sagt auch, dass die Aufnahmen zusammen mit dem Vorgesetzten angeschaut werden müssen. Und es wird protokolliert, wer wann die Aufnahmen verwendet hat. Eine missbräuchliche Verwendung soll so von vorneherein ausgeschlossen werden.

Body-Cams bei der Polizei: Bemerkenswerte Erfolge

Was Neuerungen und von oben verordnete Reformen betrifft, sind Polizisten als Praktiker oft eher kritisch eingestellt. Czerweny ist aber voll des Lobes über die Body-Cams. Er habe sie schon in der Pilotphase in Rosenheim kennengelernt und die Erfolge seien doch bemerkenswert gewesen. Angriffe auf Beamte oder Aggressionen seien definitiv extrem zurückgegangen. Er berichtet von Betrunkenen, die im Angesicht des unübersehbaren Kameraauges an der Weste des Polizisten statt zu pöbeln von sich aus fragen, was das ist – womit die Situation entschärft ist. „Damit schützen sie sich auch selbst“, meint Czerweny, der auch schon einen Einsatz der Body-Cams unter erschwerten Bedingungen erlebt hat. Ein festgenommener Mann, „ein wirklich gefährlicher Bursche“, habe im Auto mit seinem Kopf die Scheibe zertrümmert. Dank Body-Cam sei der Nachweis leicht zu führen gewesen, dass dies ohne jede Fremdeinwirkung geschah.

Spannend findet der in Tölz lebende Wolfratshauser Polizeichef auch, was der Einsatz der Body-Cams für rechtliche Konsequenzen haben wird. Denn da wird sich einiges tun, ist er angesichts der Möglichkeiten des neuen Einsatzgeräts überzeugt. Es habe diesbezüglich auch schon ein Gespräch zwischen Amtsgericht Wolfratshausen und der Polizei gegeben. Das sei „richtig gut“ verlaufen.

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