Sicherheitsgespräch

Polizeistatistik für den Landkreis: „Die Menschen leben hier sehr sicher“

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Stellten den Sicherheitsbericht für den Landkreis vor: (v. li.) Polizeipräsident Manfred Hauser, Landrat Josef Niedermaier und Ludger Otto, Leiter der Bundespolizeiinspektion Rosenheim. Signifikanter Anstieg bei Sexualstraftaten Zahl der Verkehrsunfälle ist gesunken
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Die gute Nachricht vorweg: Im Landkreis lebt es sich sehr sicher. Das zeigen die Zahlen aus der Polizeistatistik, die am Dienstag im Mittelpunkt des Sicherheitsgesprächs im Landratsamt standen. Es gibt aber, so Polizeipräsident Manfred Hauser, auch „Sorgenkinder“.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Hinter der Polizei liege „ein intensives Jahr“, sagte Manfred Hauser, seit Ende 2021 Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, in dessen Zuständigkeit auch der Landkreis liegt. Nach dem Auslaufen der letzten Corona-Maßnahmen Anfang 2022 galt es, „den G7-Gipfel als große Herausforderung zu bewältigen“. Doch nicht nur in Elmau, auch im Landkreis selbst war die Polizei 2022 gefordert. 4259 Straftaten wurden erfasst, ein Anstieg um 6,3 Prozent. Zum Vergleich: In Bayern gab es einen Anstieg um 10,4 Prozent. „Das war erwartbar“, sagte Hauser beim Sicherheitsgespräch im Landratsamt. Man sei „von einem historisch niedrigen Wert“ gekommen, der auch darin begründet war, dass in der Corona-Pandemie durch geschlossene Geschäfte, Homeoffice und ausbleibendes Nachtleben Tatgelegenheiten schlicht weggefallen seien, so der Polizeipräsident.

Wohnungseinbrüche liegen wieder auf dem Vor-Corona-Niveau

Das ist nun wieder anders: So stieg beispielsweise die Zahl der Wohnungseinbruchsdiebstähle von 12 in 2021 auf 28 im vergangenen Jahr – damit bewegt man sich wieder auf dem Vor-Corona-Niveau. Dennoch müsse man sagen, „dass die Sicherheitslage im Landkreis sehr, sehr gut ist. Die Menschen leben hier sehr sicher“, so Hauser. Die Aufklärungsquote im Kreis lag übrigens bei 68,6 Prozent (2021: 69 Prozent).

Signifikanter Anstieg bei Sexualstraftaten

Gleichwohl „gibt es einige Sorgenkinder“. So gab es einen signifikanten Anstieg bei den Sexualstraftaten. 120 Fälle wurden registriert, 36 mehr als Vorjahr. Bei vielen davon gehe es um das Verbreiten von Kinderpornografie. Die Zunahme der Fälle liege auch daran, dass eine amerikanische Nicht-Regierungs-Organisation systematisch das Internet durchforste und jeden Treffer oder Verdachtsfall an die zuständige Länderbehörde weiterleite. „Es sind sehr viele Fälle, die so bei uns ankommen“, sagte Hauser.

Mitunter werden derartige Inhalte aber auch von Jugendlichen über ihre Handys verbreitet – möglicherweise ohne darüber nachzudenken. „Ich möchte das nicht verharmlosen, denn hinter jedem Bild kann sich ein laufender Missbrauch verstecken“, sagte Hauser. Manchmal könnte es aber auch schon helfen, die Medienkompetenz bei den Jugendlichen zu stärken und sie so zu einem durchdachteren Umgang zu bringen.

Gefahr, Opfer im virtuellen Raum zu werden, ist groß

Generell sei die Gefahr „noch nie so groß“ gewesen wie jetzt, im virtuellen Raum Opfer einer Straftat zu werden. Hauser mahnte hier dringend zur Umsicht und zur Vorsicht beispielsweise im Umgang mit Online-Händlern. Aber auch der Callcenter-Betrug hat mittlerweile Dimensionen angenommen. „Hier gab es eine Verdoppelung der Zahlen“, sagte Hauser. In 55 Fällen waren die Täter, die sich am Telefon als Polizisten, Staatsanwälte oder Enkel ausgeben, im gesamten Präsidiumsbereich erfolgreich. Im Landkreis wurden fünf Opfer um ihr Geld gebracht. „Die Folgen für die Opfer sind massiv.“ Das reiche bis zu Suizidgedanken.

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Aber auch hier gebe es einen Silberstreif, sagte Hauser. Die Grenzpolizei in Murnau habe ein „sehr intelligentes Fahndungskonzept“ entwickelt. „Dadurch wurden zwölf Festnahmen erzielt.“ Man erkenne einen Rückgang der Schockanrufe im Landkreis. Dazu trage auch bei, dass die Justiz zuletzt empfindliche Strafen verhängt habe. Der Abholer eines ergaunerten Geldbetrags sei zu zehn Jahren Haft verurteilt worden.

Zahl der Schleusungen steigt

Eine Zunahme an unerlaubten Einreisen und Schleusungen registrierte die Bundespolizeiinspektion Rosenheim, die auch für den Landkreis zuständig ist. „Auch der Achenpass spielt hier durchaus eine Rolle“, sagte Inspektionsleiter Ludger Otto.

Weniger Unfälle, weniger Verkehrstote

Erfreulicherweise zurückgegangen ist die Zahl der Verkehrsunfälle – und zwar um 4,2 Prozent. Die Zahl der Verkehrstoten sank von 6 auf 4. „Jeder Tote ist natürlich einer zu viel“, sagte Hauser. Die Verkehrsstraftaten – von der Beleidigung bis zur Nötigung – sanken ebenfalls um 16,8 Prozent. Den größten Rückgang gab es bei den illegalen Straßenrennen. Hier zählte die Polizei 2022 nur noch 7 – halb so viele wie im Jahr zuvor.

„Die Zahlen nehmen wir erfreut zur Kenntnis“, sagte Landrat Josef Niedermaier. Er nutzte die Gelegenheit auch, um sich zu bedanken: „Die Zusammenarbeit mit den Dienststellen funktioniert wirklich gut und ist von hoher Wertschätzung geprägt.“

Fünf Tötungsdelikte im Landkreis

Fünf Tötungsdelikte im Landkreis weist die Kriminalitätsstatistik für das vergangene Jahr aus. Was sich dahinter verbirgt, erklärt Stefan Sonntag, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Im ersten Fall habe es nach einem tödlichen Zusammenstoß auf der Skipiste Ermittlungen gegen einen Beteiligten wegen fahrlässiger Tötung gegeben.

Auch in einem weiteren Fall stand der Vorwurf der fahrlässigen Tötung im Raum. Eine Frau hatte nach dem Tod ihres Gatten Vorwürfe gegen das Pflegeheim erhoben. Um den Vorwurf der fahrlässigen Tötung ging es auch nach einem Brand in Icking 2018, der zwei Todesopfer gefordert hatte.

Ermittlungen wegen versuchten Totschlags gab es im August 2022. In einer Klinik soll eine demente Patientin einer anderen ein Kissen aufs Gesicht gedrückt haben.

Eingang in die Statistik fand zudem erneut der Kriminalfall Leitenberg. Am 25. November 2006 wurde am Brauneck-Vorgipfel Leitenberg eine 67-jährige Münchnerin von einem Unbekannten sexuell missbraucht und, an einen Baum gekettet, hilflos zurückgelassen. Der Täter ist bis heute nicht gefasst. Allerdings sei im vergangenen Jahr erneut ein Hinweis eingegangen, so Sonntag. Daher floss auch dieser Fall – ermittelt wird wegen versuchten Mordes – in die Statistik ein. Eine neue Spur brachte der Hinweis übrigens nicht.

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