Neugebautes „Lebenshilfe“-Haus in Polling

Ärger mit Aufzug-Firma: Behinderte im 1. Stock gefangen

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Tagelang außer Betrieb: Der Aufzug, der Wohnstättenleiter Thomas Gania und die Rollstuhlfahrerin Ingeborg Ulbrich ins Erdgeschoss bringen kann, stand still.
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Eigentlich sind die Häuser der „Lebenshilfe“ in Polling barrierefrei – wenn der Aufzug funktioniert. Knapp eine Woche lang konnten Bewohner im Rollstuhl die Wohnung nicht verlassen.

Polling – Zusammen mit einer Pflegerin und drei weiteren Bewohnern des „Lebenshilfe“-Hauses saß Ingeborg Ulbrich am Montagvormittag an einem großen Holztisch. Seit über einer Woche hatte die 72-Jährige, die im Rollstuhl sitzt, die Wohnung zu diesem Zeitpunkt nicht mehr verlassen. Denn der Aufzug, der sie normalerweise vom 1. Stock ins Erdgeschoss bringt, war defekt. „Ohne den Aufzug kann ich nicht nach unten“, sagte sie.

Eigentlich ist der Neubau auf dem Gelände des Vereins „Lebenshilfe“, der sich für Menschen mit Behinderungen einsetzt, an der Obermühlstraße in Polling komplett barrierefrei. Mitte März erfolgte der Einzug in die drei neuen Häuser neben den Oberland Werkstätten (wir berichteten).

Wie Wohnstättenleiter Thomas Gania erklärt, habe der Ärger mit dem Aufzug am 28. Juni begonnen. Beim Schließen der Türe hätte es Probleme gegeben. Man hätte ein „Schleifen“ gehört. „Wir haben den Defekt an die angegebene Notfall-Hotline der zuständigen Firma ,Vestner Aufzüge’ gemeldet“, sagte er. Vier Tage später, am 2. Juli, traf ein Monteur der Firma, mit der ein Wartungsvertrag besteht, in Polling ein. „Statt das Problem zu beheben, hat er den Aufzug stillgelegt und ist wieder gefahren“, sagt er.

„Lebenshilfe“ in Polling: Hohe Personalkosten wegen defektem Aufzug

Immer wieder hatte der Wohnstättenleiter danach versucht, die Firma zu kontaktieren: „Die Leitung war ständig belegt – und in der Zentrale ist niemand ans Telefon gegangen.“ Nicht nur Gania, sondern auch die Bewohner waren sauer. „Vier der sechs Bewohner im 1. Stock können ohne Aufzug weder in die Werkstätten, noch zur Seniorenbetreuung“, sagt er.

Am vergangenen Freitag, 5. Juli, erhielt Gania Rückmeldung per Email. Ein Mitarbeiter sei auf dem Weg, hieß es darin. Doch auch dieser zog unverrichteter Dinge wieder ab. „Das ist erbärmlich“, sagt Gania. Besonders wütend macht ihn, dass Probleme mit dem Aufzug nicht zum ersten Mal auftraten. „Eigentlich sollte der Umzug in die Neubauten bereits im Herbst 2018 erfolgen. Doch bis der Aufzug funktioniert hat, ist es März geworden“, sagt er.

Damals setzte Gania eine Frist und plante, danach die Presse einzuschalten. „Da hing viel dran. Wir hatten zusätzliches Personal eingestellt, das wir ab Herbst bezahlen mussten“, sagt er. Auch jetzt war der Defekt des Aufzuges wieder mit zusätzlichen Personalkosten verbunden. „Unsere Mitarbeiter, die für die Betreuung in den Wohnungen zuständig sind, machen Überstunden, da die Bewohner ja sonst in der Betreuung wären“, sagt er.

Wohnstättenleiter ist überzeugt: „Bei diesem Unternehmen läuft doch etwas falsch“

Nach Feierabend beschäftigt ihn das Thema weiter. Im Internet stößt er auf einen Artikel im Bayernteil der Heimatzeitung vom 30. April, in dem es um einen Rollstuhlfahrer aus Freising geht, der wegen eines defekten Aufzugs drei Wochen in der Wohnung festsaß. Zuständig für die Technik: „Vestner Aufzüge“. „Bei diesem Unternehmen läuft doch etwas falsch“, so der Wohnstättenleiter.

Erst am späten Montagnachmittag, 8. Juli, traf wieder ein Monteur im „Lebenshilfe“-Haus ein. Er konnte den Aufzug wieder zum Laufen bringen – doch das „schleifende Geräusch“, wegen dem Gania die Firma eigentlich gerufen hatte, besteht weiterhin. „Das eigentliche Probleme ist also nicht behoben“, sagt Gania. Er plant, rechtliche Schritte einzuleiten. Für eine Stellungnahme war die Firma nicht zu erreichen.

Zumindest können die Bewohner nun ohne Probleme an der offiziellen Eröffnung der neuen „Lebenshilfe“-Häuser an diesem Freitag, 12. Juli, teilnehmen. Hätte die Firma sich bis dahin nicht um die Reperatur gekümmert, hätte man die Rollstuhlfahrer wohl die Treppen hinuntergetragen, so Gania.

nema

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