Umjubelter Auftritt

Polt in Wolfratshausen: Gegen Söder, Lauterbach und „den Haubitzentoni“ hagelt‘s Spitzen

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Gerhard Polt und die Well-Brüder in der Loisachhalle.
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Gerhard Polt und die Well-Brüder verwandeln die Loisachhalle in ein Tollhaus. Der populärste Kabarettist Bayerns zeigt, dass er auch mit 80 Jahren in Topform ist.

Wolfratshausen – In zwei Monaten feiert der zweifelsohne bekannteste bayerische Kabarettist seinen 81. Geburtstag. Von Müdigkeit oder Altersschwäche scheint Gerhard Polt jedoch Lichtjahre entfernt zu sein. Am Dienstag entledigte er sich am Ende seines fast dreistündigen Auftritts seiner Jacke und intonierte wie ein Rockstar den afrikanischen Gassenhauer „E-Mam-Be-Le“.

Polt in Wolfratshausen: Gegen Söder, Lauterbach und den Haubitzentoni hagelts Spitzen

Die rund 700 Besucher in der ausverkauften Loisachhalle hatten sich zu diesem Zeitpunkt längst von ihren Stühlen erhoben und applaudierten zudem den famos aufspielenden Brüdern Christoph, Michael und Karl Well. Dabei dauerte es etwas, bis das Quartett eine hohe Betriebstemperatur erreichte. „Das letzte Mal als wir in Wolfratshausen waren, war die Loisachhalle noch beheizt“, erinnerte sich der zunächst frierende Michael Well an einen Auftritt vor 13 Jahren. Diesmal gelang es dem Kulturverein Isar-Loisach (KIL), die Mitglieder der 2012 aufgelösten Biermösl Blosn zusammen mit Gerhard Polt in die Flößerstadt zu locken. Die nach dem Abzug aller Kosten verbleibenden Einnahmen aus dem Kartenverkauf kommen der nach wie vor von der Schließung bedrohten Kulturbühne Hinterhalt in Geretsried-Gelting zugute. Die Künstler bezeichneten diesen Veranstaltungsort und den Erinnerungsort Badehaus in Waldram als „zwei Leuchtpfade in der Region“, die unbedingt erhalten werden müssen.

Polt spendet an Badehaus Waldram und Hinterhalt in Gelting

Polt beobachtete die von Dudelsackklängen begleitete musikalische Eröffnung seiner Kollegen zunächst stoisch von einem Stuhl aus. Danach philosophierte er über die Wesensart des Menschen. Wenn dieser in Form eines Nachbarn erscheine, werde er grenzwertig und zum „miserabligen Grattler“. So schlüpfte der Kabarettist in die Rolle eines unliebsamen Zeitgenossen, der während des Corona-Lockdowns mit einer Drohne den benachbarten Garten ausspionieren lässt und bei einem verbotenen Grillgelage exakt 280 Bratwürste zählt. Ohnehin missfalle ihm das vor allem von Politikern inflationär gebrauchte Wort „Wir“. „Ich bin nicht wir, wir sind die anderen“, stellte Polt klar.

Well und Polt in Topform: Sprachtalent, Musiktalente und eine feine Beobachtung

Zwischendurch ließen sich die Well-Brüder vom Barock-Komponisten Georg Friedrich Händel inspirieren und überraschten mit einer rustikalen Bearbeitung seiner Feuerwerksmusik. Es folgte ein köstlicher Dialog zwischen Michael Well und dem aus Indien stammenden Pfarrer „Brabang“. Polt zeigte hier sein Sprachtalent, indem er den Akzent des Geistlichen auf humorvolle Art imitierte und die „Remissionierung Bayerns“ forderte.

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Religiös geprägt war auch die gemeinsam vorgetragene „Lesung aus dem Buche Bayern“. Ministerpräsident Markus Söder und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach erhielten ebenso ihre Abreibung wie der grüne „Haubitzentoni“ Hofreiter. Dem fortschreitenden Klimawandel widmeten die Well-Brüder das bitterböse Musikstück „Alpinisimo tropical“. Weil der Schnee in den Skigebieten ausfalle, werde der Tourismus dort nun wie am Ballermann auf Mallorca in „Los Wochos“ umgestaltet.

Well-Brüder spotten über Marienbrunnen-Diskussion

Lokalpolitische Themen wurden in einer Tirade von Gstanzln genüsslich persifliert. Nach einer Abrechnung mit der sich verzögernden S-Bahn-Verlängerung nach Geretsried kam die Empfehlung, den Wolfratshauser Marienbrunnen doch einfach in die Loisach zu werfen. „Das könnt’ a schöne Surfwelle geben“, glauben die Well-Brüder.

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